Ein Stipendium für gute Start-up-Ideen

Gründer aus Israel sind eingeladen sich mit der Start-up-Region Berlin zu vernetzen: Das ist die Idee des neuen Modellprojekts EXIST-Start-up Germany.

Es ist ein kleines Zimmer, in dem Yael Biran mit ihren Kollegen Erik Berndt und Alexander Phleps im Centre for Entrepreneurship an der Technischen Universität (TU) Berlin sitzt. Seit April 2015 ist es ihr zweites Zuhause. Post-its in Grün und Gelb hängen an den Wänden und Ausdrucke von ihrer noch nicht gelaunchten Website. Im Oktober soll ihr Start-up Flag auf den Markt kommen. „Und bis dahin gibt es noch viel zu tun“, sagt die 29 Jahre alte Yael Biran. Die Israelin hat mit ihren Kollegen das international einzigartige Gründerstipendium EXIST erhalten. Allein 2014 wurden so insgesamt 140 Gründerteams in ganz Deutschland für zwölf Monate finanziert – sie alle müssen Hochschulabsolventen sein, eine innovative Idee vorweisen und als markt-, team- und finanzierungsfähig eingestuft werden.

Die Idee von Yael, Erik und Alexander ist eine App, die es ermöglicht, Designobjekte und Kunst in Cafés, Restaurants und Hotels zu identifizieren – und gleich online bei einem Anbieter zu bestellen. Mit ihrer iBeacon-Lösung kann beispielsweise ein identisches Modell des Sofas aus dem hippen Café mal eben mit einem Klick auf dem Smartphone gekauft werden. Beacons sind winzige Bluetooth-Sender, deren Signale von Mobilgeräten empfangen werden. „Wir fokussieren uns gerade zu Beginn auf lokale Möbelhersteller, Designer und Künstler in Berlin und wollen dadurch die Szene hier unterstützen“, sagt Yael.

Seit 1998 gibt es EXIST. Das Förderprogramm wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) finanziert. Während der Förderung bekommen die Gründer bis zu 150.000 Euro, aber auch inhaltliche Unterstützung von Beratern, Trainern und Professoren. Die Gründungsideen kommen aus allen Branchen – oft aus Chemie, Technik, IT oder Mode. Die Teams stammen bislang vorwiegend aus Deutschland, mit dabei sind aber häufig auch internationale Hochschulabsolventen, so wie Yael, die aus Tel Aviv nach Berlin gezogen ist. Ab Februar 2016 werden ganz sicher noch mehr Israelis unter den EXIST-Geförderten sein: Dann wird das Programm „EXIST-Start-up Germany – Israel“ für zwei Jahre für junge Unternehmer aus Israel geöffnet, die in der Hauptstadtregion Berlin ein Start-up gründen wollen. Israel ist damit das erste Partnerland des Programms. „Das bietet für beide Nationen neue Chancen“, sagt Agnes von Matuschka, sie leitet das Centre for Entrepreneurship an der TU Berlin, das für die Koordinierung des Modellprojekts zuständig ist. Zu den Partnern in Israel gehören BETATEC (Berlin Tel Aviv Technology and Entrepreneurship Committee) und StarTAU, ein studenteninitiiertes Entrepreneurship Center der Universität Tel Aviv.

„Israelis agieren meist spontaner“, sagt Lisa Breford, Projektmanagerin von EXIST. „Das könnte auch für deutsche Teams ein Gewinn sein.“ – „Und viele haben ein großes Netzwerk“, fügt Agnes von Matuschka hinzu. „Dadurch können Gründer ihre Idee viel schneller austesten und wenn sie Hilfe brauchen, bekommen sie die in wenigen Minuten.“ Deutschland hingegen könne den Israelis unter anderem einen interessanten Standort bieten – ein Land mit einem großen Absatzmarkt im Herzen Europas. Durch das Programm soll die große israelische mit der deutschen akademischen Start-up-Szene – vor allem in der Region Berlin – enger verknüpft und der Austausch zwischen technologieorientierten Gründern in beiden Ländern verstärkt werden.

Der Präsident der TU Berlin Professor Christian Thomsen stellte Ende Juni gemeinsam mit Brigitte Zypries, parlamentarische Staatssekretärin beim BMWI, in Tel Aviv „EXIST Startup Germany – Israel“ vor. „Das Interesse bei den Hochschulabsolventen war groß und jetzt sind wir gespannt auf die Bewerber“, sagt Thomsen. Ab Oktober 2015 können sich israelische Interessenten bewerben. Wer in die nächste Runde kommt, wird für drei Tage nach Berlin eingeladen. Hier wird der Businessplan mit Trainern nochmals überprüft. Am Schluss stellt jedes Team seine Idee in einem Pich vor den Vertretern der Berliner und Potsdamer Hochschul-Gründungsservices vor. Dann wählt die Jury die finalen Teilnehmer für „EXIST-Start-up Germany – Israel“ aus und bringt sie mit der zur Idee passenden deutschen Hochschule und einem Mentor zusammen. Bei Bedarf können die israelischen Gründer deutsche Teammitglieder an Bord nehmen. Wird ihr Antrag schließlich bewilligt, erhalten die israelischen Gründer dieselbe Betreuung wie jedes anderes EXIST-Team.

Nicht alle Teams, die das bestehende EXIST-Stipendium bekommen, gründen später auch ein Unternehmen, weiß Agnes von Matuschka: „Rund 70 Prozent überleben.“ Zu ihnen gehört der israelische TU-Absolvent Matan Beery. Mit seinem Team hat er Akvola gegründet, ein Start-up, das Meerwasserentsalzung bezahlbar machen will und dafür eine spezielle Technologie entwickelt hat. „Es ist toll, dass es durch EXIST die Möglichkeit gibt, Ideen aus der Wissenschaft weiterzuentwickeln“, sagt er. Das Team finanziert sich jetzt selbst, hat Stammkunden. „Wir müssen uns aber noch weiterentwickeln“, sagt er, „internationaler werden“. Auch Yael Biran hofft, dass sich Flag und ihr Team bewähren. „Ohne EXIST wären wir überhaupt nicht soweit gekommen“, sagt sie. „Man braucht schon die Zeit, um in verschiedene Richtungen zu denken. Neben einem Job wäre das nicht möglich gewesen.“ ▪

 

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existstartupgermany.com