„Japan hat hohen 
Nachholbedarf“

Seit 2012 ist juwi, ein deutscher Spezialist für die Nutzung Erneuerbarer Energien, in Japan erfolgreich aktiv. Ein Interview mit Amiram Roth-Deblon, Regional Director Asia Pacific.

juwi - Amiram Roth-Deblon

Herr Roth-Deblon, Sie leiten die Asien-Geschäfte der juwi-Gruppe. Und Japan ist für juwi einer der wichtigsten Märkte der Region. Warum?

Der Markt für Erneuerbare Energien in Japan wächst stark, insbesondere im Bereich Photovoltaik. Nach unserer Einschätzung befindet sich Japan unter den drei wichtigsten Märkten weltweit. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat die damalige japanische Regierung Tarife für erneuerbare Energien eingeführt, ähnlich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz in Deutschland. Diese schaffen sehr gute Rahmenbedingungen. Die Bevölkerung steht hinter den Erneuerbaren Energien und Japan hat im internationalen Vergleich einen hohen Nachholbedarf bei dem Ausbau der Erneuerbaren Energien.

2013 gründeten Sie das deutsch-japanische Joint Venture juwi Shizen Energy. Wie kam es zustande?

Shizen Energy und juwi haben in Form einer offenen Partnerschaft seit Anfang 2012 bei Projekten in Japan kooperiert und dabei festgestellt, dass man dieselbe Vision und dieselben Werte hat. Der Name Shizen Energy heißt auf deutsch „Naturenergie“. Beide Firmen arbeiten ausschließlich für Erneuerbare Energien und sind von der Notwendigkeit und den Vorteilen dieser Energieerzeugungsform überzeugt. Shizen Energy fühlt sich verpflichtet der Gesellschaft und zukünftigen Generationen dabei zu helfen, den Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien voranzutreiben. Das sind gemeinsame Ziele, die verbinden und für eine gute Zusammenarbeit sorgen.

juwi steht aus Überzeugung zu den Erneuerbaren Energien. Was bringt ihr japanischer Partner mit ein?

Unser Partner Shizen Energy sieht das wie wir: Sie möchten die Erneuerbaren Energien in Japan voranbringen und sind von den Vorteilen der Erneuerbaren überzeugt. Deshalb passen wir sehr gut zusammen. Shizen Energy ist zudem der Partner mit der Expertise in Japan. Die Mitarbeiter von Shizen waren in Japan schon vorher im Bereich Windenergie tätig und haben im Land ein exzellentes Netzwerk. Hinzu kam, dass sie bereits vor unserem Zusammenschluss eine gut gefüllte Projektpipeline erarbeitet hatten. So konnten wir direkt loslegen. Neben unserer Überzeugung bringen wir erstklassige internationale Erfahrung ein. Im Bereich Solar beispielsweise haben wir weltweit Projekte mit einer Gesamtleistung von 1400 Megawatt gebaut. Das schlägt sich nieder in unserer technischen und kaufmännischen Expertise und unserer Kapitalkraft, wovon das Joint Venture profitiert.

Ihr gemeinsames Ziel ist es, bis zum Jahr 2017 ein Gigawatt Solarenergie ans Netz zu bringen. Wie weit sind Sie auf diesem Weg?

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren fünf Solarprojekte ans Netz gebracht, darunter waren sowohl Freiflächen- als auch Dachanlagen. Das vergangene Jahr war das erste Jahr unserer Kooperation und unsere Projektpipeline ist weiter gut gefüllt. Dieses Jahr werden wir wieder mehrere Solarparks bauen, darunter voraussichtlich auch Projekte mit einer Größe von mehr als zehn Megawatt. Unseren Mitarbeiterstamm bauen wir kontinuierlich aus – das ist die Basis für mehr Projekte.

Wie muss man sich Ihre Arbeit konkret vorstellen? Oder: Welche besonderen Erfahrungen haben Sie in Japan gemacht?

Wir arbeiten sehr eng mit unserem Partner Shizen Energy zusammen. Unsere Projektteams sind international gemischt und bekommen gleichzeitig den Support aus den Niederlassungen in Asien und von unserer Zentrale aus Deutschland. Wir lernen viel voneinander. Besonders in Japan ist, dass die lokale Reputation, also Erfolge und Renommee in Japan, eine viel größere Rollen spielen als in anderen Ländern. Es reicht also nicht aus, wenn man international erfolgreich ist und viele internationale Referenzen vorweisen kann.

Bringen Sie auch deutsche Anbieter bzw. Anlagen in die Projekte mit ein?

Ja, verschiedene wichtige Komponenten einer Anlage kommen aus Deutschland. Japanische Investoren schätzen die hohe Qualität, deshalb sind auch deutsche oder europäische Komponenten oft Bestandteil der Anlagen.

In Deutschland ist die Energiewende derzeit ein großes Thema. Wie wird die Energiewende in Japan wahrgenommen? Und: Was tut sich in Japan in dieser Hinsicht?

Nach Fukushima sind Alternativen zu der Atomkraft und damit die Erneuerbaren Energien sicherlich ein Thema. Sicher ist, dass Japan sehr genau auf Deutschland schaut und auch darauf, ob die Energiewende in Deutschland gelingt. Beide Länder haben ähnliche Voraussetzungen, sind Industrienationen und dicht besiedelt. Im Gegensatz zu Deutschland glauben die Japaner jedoch noch nicht so recht daran, dass Erneuerbare Energien den kompletten Strombedarf decken könnten. Derzeit diskutiert die japanische Regierung sogar darüber, die ausgeschalteten Atomkraftwerke wieder einzuschalten und eventuell auch Neue zu bauen. Mit den garantierten Tarifen für Solar- und Windstrom ist man bei den Erneuerbaren jedoch auf einem guten Weg.

Zuletzt eine persönliche Frage: Wie sind Sie zu diesem interessanten Job gekommen? Und wie gefällt es Ihnen?

Zu diesem Job bin ich wohl gekommen, weil ich vor fast zwölf Jahren mit dem Fahrrad von Berlin nach Indien gefahren bin, um dort Solarsysteme in ländlichen Regionen zu installieren. Umweltschutz begeistert mich ebenso wie andere Kulturen und ich habe deshalb sehr früh angefangen, mich für erneuerbare Energien einzusetzen und dazu beizutragen, deren riesiges Potential international nutzbar zu machen. Darüber hinaus beeindruckt mich der gelebte Ansatz unseres japanischen Teams, etwas für die Gesellschaft zu tun.

Interview: Martin Orth