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Die Stimmen Irans

Die musikalische Vielfalt Irans präsentiert ein dreitägiges Festival in Berlin. Das Besondere: Alle Interpreten sind Frauen.
von Sarah Kanning

Iran ist ein heterogenes Land: Die Kultur ist vielfältig, die Gesellschaft multiethnisch. Die Bewohner des Vielvölkerstaats sprechen mehr als 70 verschiedene Sprachen und Dialekte. Jede Region und jede Bevölkerungsgruppe hat zudem eigene Präsentationsformen in Kunst, Kultur und Musik.

Frauen hatten bis zur Islamischen Revolution 1979 einen großen Anteil an der musikalischen Entwicklung des Landes – dann wurde ihnen der öffentliche Sologesang verboten. Ein jahrhundertealtes Kulturgut drohte in Vergessenheit zu geraten. Doch seit einigen Jahren ist eine Art Renaissance zu beobachten: Das öffentliche Interesse an weiblicher Musik wächst. Immer mehr Frauen verschaffen ihren musikalischen Aktivitäten Raum – häufig an den Grenzen des Möglichen.

Das Musikfestival „Female Voice of Iran“ der Zeitgenössischen Oper Berlin bietet elf Sängerinnen der jüngeren Generation aus verschiedenen Regionen Irans vier Tage lang in Berlin eine Bühne, auf der sie einen weitgehend unbekannten Teil der kulturellen Traditionen des Landes präsentieren. Die Sängerin Dena Gorginpoor beispielsweise gehört dem Nomadenstamm der Qashqai an, einer turksprachigen Gruppe innerhalb der Stämme der Eurasier und Turks. Dena Gorginpoor wuchs in einer Musikerfamilie auf und ist eine der wenigen Frauen, die sich an die originalen Melodien der Qashqai erinnern und diese aufführt.

Die Teheraner Sängerin und Komponistin Golnar Shahyar wiederum lebt beispielsweise inzwischen in Wien. Dort studierte sie Jazz-Gesang und Gitarre und wurde zu einer Pionierin in der Kombination von iranischer Musik mit Jazz und Improvisation. Mit ihrer facettenreichen Stimme singt sie ihre Texte in Persisch, Englisch und einer eigenen Fantasiesprache. Als Inspiration nutzt sie manchmal moderne und klassische iranische Gedichte.

Gemeinsames Abschlusskonzert

Kuratiert wird das Festival von der iranischen Musikwissenschaftlerin Yalda Yazdani und der in Berlin aufgewachsenen Musikerin und Komponistin Cymin Samawatie. Neben Vertreterinnen des klassischen Genres wie Haleh Seyfizadeh und Solmaz Badri aus Teheran, Yalda Abbasi aus Nord-Khorasan und Zara Roihellat aus Mahabat wird auch die Teheranerin Shadi Behyar auftreten, die sich dem iranischen Pop verschrieben hat. Neben ihren Solokonzerten treffen die Sängerinnen auf Musikerinnen der internationalen Berliner Jazzszene sowie Vertreterinnen zeitgenössischer Musik. Gemeinsam erarbeiten sie als „Female Voice of Iran Orchestra“ eine Gruppenkomposition unter der Leitung von Cymin Samawatie, die am Abschlussabend des Festivals von 58 Musikerinnen uraufgeführt wird.

Lesungen, Vorträge und Workshops, Filmporträts und eine Podiumsdiskussion mit den Festivalkuratorinnen und den Künstlerinnen geben Einblick in die iranische Musikszene.

Das Festival findet von 16. bis 19. März 2017 in der Villa Elisabeth in Berlin statt. Das vollständige Programm steht hier

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von Sarah Kanning

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