Israelischer Autor Tomer Gardi schreibt Geschichte

Der in Israel geborene Autor Tomer Gardi hat den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 für seinen Roman „Eine runde Sache“ bekommen.

Tomer Gardi
Leipziger Buchpreis 2022 – „Eine runde Sache“ von Tomer Gardi gewinnt. dpa

Die Messehallen der Leipziger Buchmesse waren auch dieses Jahr wieder still. Aber auch wenn das Hintergrundrauschen der internationalen Buch- und Kulturszene coronabedingt fehlte, fand die Preisverleihung des Leipziger Buchpreises ganz traditionell in der Glashalle des Messegeländes statt. Der Buchpreis ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für deutsche Autoren und Übersetzer.

Mit seinem unkonventionellen Roman und literarischem Experiment „Eine runde Sache“, gewann der israelische Autor Tomer Gardi den Preis in der Kategorie Belletristik. Tom Gardi ist 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa geboren und lebt heute in Berlin. Er studierte Literaturwissenschaften in Tel Aviv und Berlin.

Sein Leben zwischen zwei Welten, spiegelt sich auch in seinem neuen Roman wider, welcher bei Fachleuten als Überraschung auf der Nominierten-Liste galt. „Eine runde Sache“ besteht aus zwei Teilen: einer skurrilen Odyssee in einer Kunstsprache, „Broken German“, durch den deutschen Sprachdschungel, und der auf Hebräisch geschriebenen und ins Deutsche übersetzten Lebensgeschichte eines Malers aus Java, der im 19. Jahrhundert die Welt bereist. Tom Gardi schreibt dabei so verdreht deutsch, wie er spricht, aber man sollte diesen Autor deshalb nicht unterschätzen. Der Sprachmigrant weiß genau, was er tut.

Zum ersten Mal in der fast 20-jährigen Geschichte des Preises für deutschsprachige Literatur hat damit ein Buch gewonnen, das zumindest zu einem Teil zuerst auf Hebräisch geschrieben und dann ins Deutsche übersetzt wurde. „Eine runde Sache“ sei ein Feuerwerk der Einbildungskraft. Das Buch spiele ebenso kunstvoll wie dreist mit den Lesegewohnheiten und Erwartungen an einen Roman, begründete die Jury in Leipzig ihre Wahl.

Alle Sieger des Leipziger Buchpreises erhalten jeweils 15.000 Euro Preisgeld. Für jede Nominierung gibt es zudem 1.000 Euro. Die Preise wurden trotz der erneuten Absage der Leipziger Buchmesse wegen der Corona-Pandemie live in der Glashalle der Leipziger Messe vergeben. (mit dpa)

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