Modeschöpfer Karl Lagerfeld gestorben

Der weltberühmte Deutsche wurde 85 Jahre alt. In der Branche galt der gebürtige Hamburger als "Kaiser Karl".

Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld dpa

Der deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist nach Angaben des Pariser Modehauses Chanel im Alter von 85 Jahren gestorben. Lagerfeld war im Januar zum ersten Mal überhaupt in seiner Zeit als Chanel-Kreativdirektor nicht bei der Schau des Edel-Modehauses aufgetreten. Chanel begründete sein Fehlen mit "Müdigkeit". Eine Mode-Kritikerin sagte damals, sie könne sich nicht erinnern, dass Lagerfeld in seinen 40 Jahren bei Chanel jemals eine Schau verpasst habe. Bei dem Modehaus war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Zuletzt hatte er Sorgen um seinen Gesundheitszustand noch selbst dementiert und sich per Video-Botschaft gemeldet. "Schön, dass Sie sich wieder etwas erholt haben", kommentierte ein Instagram-Nutzer Anfang Februar in einem Clip.

Seit 1983 Kreativdirektor bei Chanel

Der gebürtige Hamburger Karl Otto Lagerfeld war seit 1983 Kreativdirektor bei Chanel. Mit "Lagerfeld" hatte er aber auch seine eigene Marke etabliert und über zahlreiche Stores auch in deutschen Großstädten vertrieben. Zudem war Karl Lagerfeld auch als Fotograf aktiv. Lagerfeld hatte seinen Lebensmittelpunkt seit langem in der internationalen Modehauptstadt Paris.

Lagerfeld begann Mitte der 1950er Jahre, in Paris große Couture-Häuser wie Balmain, Patou, Chloé oder Fendi zum Erfolg zu führen. Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne, sagte Lagerfeld einmal in einem seiner zahlreichen Interviews. Seit 1983 dann rüttelte der deutsche Modeschöpfer Chanel, die traditionsreiche Luxusmarke, aus ihrem Dornröschenschlaf. Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute-Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm.

Claudia Schiffer und Inès de la Fressange auf Laufstege geschickt

Kollektionen unter seinem eigenen Namen entwarf er ab Mitte der 1970er Jahre. Heute hinterlässt der Wahlpariser ein Modeimperium, dessen Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird. Seine Mode war elegant, minimalistisch und innovativ. Unvergesslich sind das kleine Chanel-Jäckchen, die tiefe Rücken-Dekolletés, seine Wollmäntel mit Gürtelschließe am Kragen. Lagerfeld hat klassische Formen erneuert und "Looks" geschaffen. Er schickte die schönsten Models über die Laufstege, darunter Claudia Schiffer und Inès de la Fressange.

In Paris war er nach dem Tod von Modeschöpfer Yves Saint-Laurent der letzte noch verbliebene Modezar. Erst im November hatte er noch die berühmte Festtagsbeleuchtung auf der Pariser Prachtmeile Champs-Élysées eingeweiht.

"Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren"

Legendär waren Lagerfelds Aussprüche. Über seine Haut sagte er: "Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte." Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300.000 Büchern: "Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix." Vernichtend war das Urteil des Modezaren über Freizeitkleidung: "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren."

Lagerfelds unermüdlicher Gestaltungswille beschränkte sich nicht nur auf die Haute-Couture. Für Aufsehen sorgte 2004 seine Ankündigung, kostengünstige Mode für den schwedischen Discount-Modefilialisten H&M zu entwerfen. Lagerfeld war der erste Design-Kooperationspartner. Ihm folgten unter anderem Lanvin und Versace. Frankreichs Presse nannte den Sohn des Hamburger "Glücksklee"-Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld wegen seiner rastlosen Kreativität auch "König der Maßlosigkeit" oder "Karl den Großen".

sti/as (afp, dpa, rtr)