„Neue Aufmerksamkeit für deutsche Mode“

Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen „Vogue“ erklärt, warum Berlin ein Hot Spot der internationalen Modewelt ist.

Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen „Vogue“.
Christiane Arp, Chefredakteurin der deutschen „Vogue“. Ralph Mecke

Frau Arp, Deutschland ist bekannt für Autos, Fußball und Bier. Kommt Mode „made in Germany“ zu kurz?
Solche Klischees sind zum Glück auch dem Wandel unterworfen. Wir sind in Deutschland auf einem sehr guten Weg, dass Mode wie in anderen großen Fashion-Nationen als Teil der Kultur ernst genommen wird. Ich spüre seit einiger Zeit eine neue Aufmerksamkeit für Mode aus Deutschland.
 

Berlin ist in der Mitte Europas ein kreativer Melting Pot

Christiane Arp, Chefredakteurin der „Vogue“ Deutschland

Was hat Berlin, was Paris, Mailand oder New York nicht haben? 
Die Modewelt befindet sich im Umbruch. Das Spannende an der deutschen Mode ist, dass es nicht den einen deutschen Stil gibt, sondern dass wir mit Berlin in der Mitte Europas einen kreativen „Melting Pot“ für Talente verschiedener Couleur bieten. Entscheider der Branche kommen nach Berlin, weil sie hier etwas Neues entdecken können und überrascht werden. Ohnehin halte ich die Vergleiche mit anderen Modestädten für wenig zielführend. Deutsche Mode darf nicht sein wie Paris, London oder New York.

In 40 Jahren „Vogue“ hat sich nicht nur die Mode, sondern auch der Modejournalismus verändert. Es gibt unzählige einflussreiche Blogger und Bloggerinnen in diesem Bereich – sehen Sie darin den Untergang des seriösen Journalismus oder einen neuen Zugang zur Mode?
Früher war eine neue Kollektion zuerst im Heft, heute wird sie vom Runway live gestreamt. Somit ist die Aufgabe eines Magazins eine andere geworden: Wir kuratieren und ordnen ein, inszenieren und inspirieren. Seriöser Modejournalismus ist aber keine Frage des Mediums, sondern eine Frage der Ernsthaftigkeit und des Sachverstandes, mit dem man Mode betrachtet und einordnet.

Wir können es uns nicht leisten, dass junge kreative Talente Deutschland verlassen.

Christiane Arp, Chefredakteurin der „Vogue“ Deutschland

Sie haben 2015 den „Fashion Council Germany“ gegründet. Was hat dieser deutsche Moderat bisher erreicht?
Wir haben den vielen talentierten Designern, die wir in Deutschland haben, eine zentrale Anlaufstelle, eine Stimme, eine Lobby gegeben. Wir haben die Aufmerksamkeit der deutschen Politik erregt und werden auch international ernst genommen, zum Beispiel durch unsere Designer-Präsentationen im Rahmen der Pariser Fashion Week.

Was sind die nächsten Ziele?
Wir wollen, dass junge Designer in Deutschland erfolgreich arbeiten können. Oder bei der Gründung ihres eigenen Labels Unterstützung bekommen. Viele gehen ins Ausland, weil sie dort bessere Bedingungen vorfinden. Wir können es uns nicht leisten, dass junge kreative Talente Deutschland verlassen. Es geht um einen Mentalitätswandel. Das ist ein großer Brocken.

Die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, hat Sie und weitere Vertreter der deutschen Modeszene im Sommer 2018 ins Bundeskanzleramt eingeladen. Welche Bedeutung hatte das Treffen für Sie?
Es war ein Meilenstein im Engagement des Fashion Council. Politik und Industrie sind für unsere Arbeit äußerst wichtige Instanzen. Wir wollen Mode aus Deutschland als Wirtschaftsfaktor mehr Aufmerksamkeit geben.

Mit dem Vogue Salon fördern Sie seit acht Jahren deutschen Fashion-Nachwuchs: Wer sind momentan die interessantesten Designer des Landes?
Das ist, als würden Sie eine Mutter fragen, welches ihr Lieblingskind ist. Ich freue mich, dass wir in dieser Saison im Vogue Salon mit Julia Heuer ein neues Talent aufnehmen.

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