Neue Gemeinsamkeiten entdecken

Illustration, Pädagogik, Migration – das Deutsch-Israelische Zukunftsforum fördert innovative Begegnungsarbeit

Stiftung DIFZ - German Israeli Future Forum

Merav Salomon war neugierig und skeptisch, ob eine Zusammenarbeit zwischen deutschen und israelischen Illustratoren funktionieren würde. „Ich hatte Bedenken, welche Dynamik sich daraus entwickeln würde – vor dem Hintergrund der Geschichte“, sagt die Leiterin der „Illustration Studies“ an der Jerusalemer Bezalel Academy of Arts and Design. Zudem seien Illustratoren ohnehin eher Einzelgänger. Heute sieht Salomon das Projekt als vollen Erfolg: „Die Kunst hat uns alle verbunden. Wir haben entdeckt, wie viel wir trotz der sprachlichen und kulturellen Barrieren gemeinsam haben!“

Über ein Jahr lang arbeiteten zwölf Illustratoren aus Deutschland und Israel in Tandems an dem Ausstellungsprojekt „Das Eigene und das Fremde“. Von September 2014 an sind die Werke im Burg Wissem Bilderbuchmuseum Troisdorf, einem auf Illustrationen und Künstlerbücher spezialisierten Museum, in Nordrhein-Westfalen zu sehen. „Durch die gemeinsame Arbeit sind dauerhafte Freundschaften entstanden“, meint die Museumsleiterin Maria Linsmann-Dege.

„In den Projekten erleben wir sehr viel Kreativität, Intensität und Begeisterung“

Die 2007 gegründete Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum (DIZF) bietet jungen Erwachsenen aus beiden Ländern die Möglichkeit, kreativ zusammenzuarbeiten. Gefördert werden ganz unterschiedliche Projekte: Designstudenten entwickeln Ideen zum Community Building, Doktoranden tauschen sich über ihre Forschung zum Thema Diversität aus oder Modemacher über nachhaltige Entwürfe.

„In den Projekten erleben wir sehr viel Kreativität, Intensität und Begeisterung, aber auch tiefgehende Konflikte, die offen ausgetragen werden“, erzählt der Geschäftsführer des Deutsch-Israelischen Zukunftsforums, Andreas Eberhardt. „Viele Deutsche denken bei Israel nur an den Nahostkonflikt, viele Israelis bei Deutschland nur an die Nazizeit.“ Dieses Schablonendenken müsse erst einmal überwunden werden.

Fünf Förderschwerpunkte hat das Kuratorium festgelegt: Demokratie und Wertebildung, Vielfalt und Integration, Identität und Zugehörigkeit, Sozialer Wandel/Soziale Gerechtigkeit sowie Zivilgesellschaft/Bürgerschaftliches Engagement. „Sowohl Deutschland als auch Israel haben besonders lebendige und innovative Zivilgesellschaften“, so Eberhardt. Deshalb arbeite das Deutsch-Israelische Zukunftsforum häufig mit Nichtregierungsorganisationen zusammen und helfe ihnen, sich zu vernetzen.

Jedes Jahr gehen bis zu 250 Förderanträge im Berliner Büro des DIFZ ein, aus denen bis zu drei große und einige kleinere Projekte ausgewählt werden. Demnächst starten zwei neue Leuchtturmprojekte: Sozialarbeiter aus Israel und Deutschland werden sich über ihre Arbeit mit arabischen beziehungsweise türkischen Jugendlichen austauschen. Und Ingenieursstudenten aus Ravensburg und Haifa wollen gemeinsam eine neuartige Reifenfelge für Rennwagen konstruieren.

„Wir denken vor allem an die nächsten 50 Jahre der deutsch-israelischen Beziehungen“

Die Idee zum Zukunftsforum stammt aus dem Jahr 2005, in dem der 40. Jahrestag der Aufnahme bilateraler Beziehungen zwischen Deutschland und Israel gefeiert wurde. Damals schlugen die Staatsoberhäupter beider Länder die Gründung der Stiftung vor. Zum 50. Jahrestag 2015 plant das Deutsch-Israelische Zukunftsforum Workshops, Aktionen und andere Veranstaltungen in Berlin und Jerusalem sowie Projekttreffen in zahlreichen deutschen und israelischen Städten. Das Programm stehe unter dem Motto „2065 – Living Future“, kündigt Geschäftsführer Andreas Eberhardt an: „Wir denken vor allem an die nächsten 50 Jahre der deutsch-israelischen Beziehungen.“ ▪