Schöne neue Shopping-Welt

In Frankfurt unterstützen Personal Shopper chinesische Touristen beim Einkaufen

Personal Shopper, Frankfurt
Jonas Ratermann - Personal Shopper, Frankfurt

Der Nachmittag beginnt ruhig im hochmodernen Transitbereich Z des Terminal 1 am Frankfurter Flughafen. In zwei Stunden geht von hier aus eine Maschine nach Shanghai, aber bisher sind nur einige chinesische Passagiere zu sehen. Auf einer Bank zwischen all den Luxusboutiquen von Hermès bis Mont Blanc sitzt ein junges Paar. Schweigend essen die beiden Sandwiches und wirken dabei etwas erschöpft. Vielleicht haben sie ja ein Mammutprogramm wie „Europa in zehn Tagen“ absolviert. Ein anderes Paar schlendert durch einen Luxus-Juwelier-Laden, schaut eher flüchtig als interessiert in die leuchtenden Vitrinen.

Bis zum Boarding bleibt noch Zeit, um sich mit Yuet Leng Wong und Christoph Stau über ihren Job zu unterhalten. Die beiden arbeiten als CPS, als Chinese Personal Shopper, am Frankfurter Flughafen. Seit Herbst 2012 gibt es diesen Service. Ein CPS berät gezielt chinesische Touristen beim Einkaufen, hilft ihnen bei der Rückerstattung der Mehrwertsteuer und begleitet sie, falls gewünscht, durch die Sicherheitskontrolle bis zum Gate. Je nach Kundenwunsch sind sie am gesamten Flughafen im Einsatz. Für Leng als gebürtige Chinesin ist es ein Leichtes, ihren Landsleuten im Duty Free Shop ihre Hilfe anzubieten. Neben Mandarin spricht sie noch drei chinesische Dialekte. Christoph Stau hingegen erlernte die Sprache im Studium der Sinologie und während der entsprechenden Auslandsaufenthalte in China. Der Überraschungseffekt, den der blonde, helläugige Mann erzielt, wenn er chinesische Kunden in deren Landessprache begrüßt, hat schon zu manch herzlichem Smalltalk geführt.

Warum aber gibt es sie überhaupt, die CPS am Frankfurter Flughafen? Ganz einfach: Chinesische Touristen kaufen hier gerne und viel ein. 25 Prozent des weltweiten Umsatzes mit Luxusgütern wurden 2012 mit Kunden aus China gemacht. Rund eine Million von ihnen konnte der Frankfurter Flughafen auf den China-Verbindungen im Jahr 2012 verzeichnen. Die meisten gehören einer wohlhabenden Mittelschicht an, deren Kaufkraft die Asiatische Entwicklungsbank im Jahr 2011 auf rund 641 Milliarden Dollar bezifferte. Global Blue, der weltweit führende Anbieter, der den Nicht-EU-Reisenden hilft, die gezahlte Mehrwertsteuer rückerstattet zu bekommen, gibt an, dass Chinesen von Januar bis Oktober 2012 rund 339 Millionen Euro in Deutschland ausgegeben haben.

Begehrt sind bei den chinesischen Einkaufstouristen aufgrund der hohen Luxussteuer in China vor allem Schmuck und Uhren. Das Vertrauen in die Qualität europäischer Produkte sei groß, sagt Leng, vor allem bei den Siegeln „made in Germany“ oder „swiss made“. So wünscht sich der nächste Kunde, den Leng im sich langsam füllenden Duty Free Shop höflich-zurückhaltend ihre Unterstützung anbietet, auch gleich Schweizer Schokolade. Und zwar die mit der Milchfüllung. Leng zeigt ihm das entsprechende Produkt, erklärt die Packungsaufschrift und füllt seinen Einkaufskorb mit den süßen Maxi-Packungen. Dass chinesische Einkäufer oft genau wissen, was sie wollen, bestätigt ihr Kollege Stau. Gerade hat er ein rund zwanzigminütiges Beratungsgespräch mit einem älteren chinesischen Herrn in Freizeitkleidung vor dem Weinregal geführt. „Trockener französischer Bordeaux sollte es sein. Darüber hinaus wollte er wissen, was die häufige Aufschrift ‚Chateau‘ auf dem Flaschenetikett zu bedeuten hat.“ Der Kunde erhält einen kurzen Exkurs über französische Weingüter und zieht schließlich zufrieden mit fünf Flaschen Bordeaux weiter. Ein anderer möchte zwei Flaschen Cognac, Zigarillos sind ebenfalls ein Verkaufsschlager, vor allem als Mitbringsel für die ältere Generation.

Das chinesische Shopping-Vergnügen in Frankfurt beschränkt sich aber nicht nur auf den Flughafen. Die Mainmetropole ist die deutsche Lieblingsstadt der Chinesen. Laut der städtischen Tourismus- und Congress GmbH ist die Zahl der Frankfurt-Übernachtungsgäste aus Fernost von 2009 bis 2012 von 50.000 (Januar bis Oktober) auf 88.000 gestiegen. In Frankfurt geben die Chinesen rund 38 Prozent ihres Geldes aus, das waren im Jahr 2012 616 Euro pro Person, gefolgt nur noch von München. Hoch im Kurs stehen nicht nur Luxusgüter, sondern auch deutsche Edelstahlprodukte für den Alltag. Ob im Messerfachgeschäft Zwilling oder bei WMF in der Innenstadt – Chinesen gehören zur Stammkundschaft. Große Mengen Taschenmesser oder mehrere Schnellkochtöpfe auf einmal sind schnell verkauft.

Einkaufsliebling in der Frankfurter Innenstadt ist das Warenhaus Galeria Kaufhof. Die Lage mitten in der Stadt ist das eine, darüber hinaus hat sich das Geschäft aber auch wie kaum eine anderes deutsches Kaufhaus auf die chinesischen Touristen eingestellt. Das beginnt mit den chinesischen Hauswegweisern und Mitarbeitern, die Mandarin sprechen und sich neben der Beratung im Verkauf auch um das Ausfüllen von Tax-Free-Formularen und Ausfuhrbescheinigungen kümmern. Gemeinsam mit der Serviceagentur EastSong, die beste Kontakte zu chinesischen Reiseleitern unterhält, werden diese Mitarbeiter regelmäßig in den kulturellen Gepflogenheiten der Kunden aus Fernost geschult.

Wieder fällt im Gespräch das Wort „Vertrauen“. „Wir erwidern natürlich dieses Vertrauen“, so Frank Bertsch, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof. Der Kaufhof akzeptiert zum Bezahlen sogar die Karte von China Union Pay (CUP), der einzigen Kreditkartenorganisation der Volksrepublik. Statt in das bei Kaufhof übliche weiße Geschenkpapier werden die Messerblöcke oder Uhren für chinesische Einkäufer übrigens farbig verpackt. Weiß steht in China schließlich für Trauer, und die Geschenke aus Deutschland geben sicher eher Anlass zur Freude. ▪

Petra Schönhöfer