Eintritt frei

China hat seine ehemalige Botschaft in Bonn wieder eröffnet und lädt einmal im Monat Besucher ein.

Eingang der ehemaligen Botschaft: Botschaftsrätin Zhu (links) empfängt ihre Gäste
Eingang der ehemaligen Botschaft: Botschaftsrätin Zhu (l.) empfängt ihre Gäste Ludger Kersting

Wenn Miaozhen Zhu vor Besuchern über die chinesisch-deutschen Beziehungen spricht, kommt sie schnell ins Schwärmen. So oft wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sei keiner ihrer Amtsvorgänger in China gewesen. Frau Zhu leitet die Außenstelle der Chinesischen Botschaft in Bonn, die 2015 wieder eröffnet wurde. Neuerdings dürfen einmal im Monat etwa 20 Besucher hinter die Kulissen der ehemaligen Botschaft schauen, die der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich war. Zur Begrüßung führt die Gastgeberin die Gruppe zunächst in den Konferenzraum, der von einem wuchtigen ovalen Tisch beherrscht wird. Kaum hat der Letzte in einem der breiten Lederstühle Platz genommen, referiert Miaozhen Zhu über die Geschichte des Hauses und den Stand der deutsch-chinesischen Beziehungen.

Zehn Jahre Leerstand

1984 bezog die Volksrepublik China das Anwesen, das bis 1999 als Botschaft diente. Der Komplex steht auf dem Boden des ehemaligen Schlosses Rigal, das der gleichnamige Seidenbaron Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommersitz errichten ließ. Heute dominieren Pagodendächer mit glasierten Ziegeln in den kaiserlichen Farben Gold und Gelb. Alles ist hervorragend erhalten, obwohl die Vertretung fast zehn Jahre lang leer stand. Das gilt auch für den 1,6 Hektar großen Garten, in den Frau Zhu ihre Gäste nach dem Vortrag einlädt. Wo eben noch ungedeckte Tische standen, schmückt jetzt eine kleine Tafel die grüne Kulisse. Der Botschaftskoch hat „Jiaozi“ vorbereitet, eine Teigköstlichkeit aus Chinakohl, Minze und Hackfleisch. „Wir lassen uns für jede Besuchergruppe etwas Neues einfallen“, sagt die Gastgeberin. Mal gibt es eine Teezeremonie, ein anderes Mal traditionelle chinesische Musik, diesmal eben Kulinarisches aus Nordchina.

Chinesische Tradition in Bonn: das Teehaus auf dem ehemaligen Schlossgelände
Chinesische Tradition in Bonn: das Teehaus auf dem ehemaligen Schlossgelände Ludger Kersting

45 Jahre diplomatische Beziehungen

Die eigentliche Aufgabe der insgesamt sieben chinesischen Mitarbeiter in der Außenstelle besteht allerdings darin, die Botschaft in Berlin zu unterstützen. „Bonn ist ein wichtiger Standort. Einige Bundesministerien haben hier ihren ersten Dienstsitz, viele internationale Organisationen sind gekommen und bedeutende Konferenzen wie der Klimagipfel finden im früheren Regierungsviertel statt“, sagt die Botschaftsrätin. Darüber hinaus organisieren die Mitarbeiter kulturelle Events – zum Beispiel zur Feier der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Im Jahr 2017 blicken China und Deutschland auf 45 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit zurück.

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