Lernen für eine bessere Zukunft

Das Goethe-Institut will Flüchtlingen mit zahlreichen Sprachangeboten helfen – auch in Istanbul.

Goethe-Institut - Sprachkurs

Eine Geschichte zum Lernen: „Isabella hat lange braune Haare. Ihre Augen sind schwarz wie die Nacht. Jordan denkt: ‚Isabella sieht sehr hübsch aus.‘ Und Cem könnte stundenlang in ihre schwarzen Augen schauen. Das alte Problem: Eine schöne Frau – zwei Männer!“

„Liebe in Deutschland“ heißt das online verfügbare Spiel, in dem Sprachschüler wahlweise in die Rolle des jungen Türken Cem, der Brasilianerin Isabella oder des Südafrikaners Jordan schlüpfen und einfache Dialoge üben können. Entwickelt wurde es vom Goethe-Institut als Teil des mobil nutzbaren Selbstlernprogramms „Mein Weg nach Deutschland“, das verschiedene Alltagssituationen sprachlich aufarbeitet und mittlerweile in 17 Sprachen verfügbar ist. Kostenfrei, jedem zugänglich und auch in arabischer Sprache sind die digitalen Angebote – und damit auch nutzbar für all jene Menschen, die täglich zu Tausenden aus ihrer Heimat Syrien und Irak nach Europa fliehen. Um ihnen den Einstieg ins Deutsche zu erleichtern, sind seit Kurzem auf der neuen Website http://www.goethe.de/willkommen verschiedene für Flüchtlinge gebündelte und angepasste Selbstlernkurse, Sprechübungen und Videos kostenfrei abrufbar.

„Flüchtlinge sind zwar eine besondere Gruppe von Deutschlernenden, aber letztlich eignen sie sich die Sprache an wie alle anderen auch“, sagt Manuela Beck, die als Leiterin des Bereichs Sprachkurse und Fortbildungen des Goethe-Instituts die Kurse mitentwickelt hat. Vor allem in den ersten Monaten, solange Flüchtlinge noch keinen Zugang zu Präsenzsprachkursen haben, sollen die massentauglich nutzbaren digitalen Optionen helfen, sich auf die erste Alltagskommunikation vorzubereiten. In einer Pilotphase bringen 15 verschiedene ehrenamtliche Gruppen die Angebote den Schutzsuchenden näher. Sprachunterricht in der Klasse, das ist Fortbildungsleiterin Beck wichtig, sollen diese Onlinemöglichkeiten aber nicht ersetzen. „Gedacht sind die Kurse vielmehr als Brückenangebot, bis die Asylsuchenden in einen Integrationskurs kommen.“

Hoffnung auf Ausbau des Programms

Genutzt werden die Angebote inzwischen auch als begleitendes Lehrmaterial in der Türkei, wo das Goethe-Institut in Istanbul seit Juni Intensiv-Deutschkurse speziell für syrische Flüchtlinge anbietet. Syrer, die bereits wissen, dass sie nach Deutschland einreisen können – etwa als Kontingentflüchtling, zur Familienzusammenführung, für ein Studium oder als gut ausgebildete Fachkräfte mit einer „Blue Card“ – können dort zwei Monate lang kostenfrei Grundkenntnisse in Deutsch erwerben. „Obwohl die Teilnehmer unserer Kurse sehr heterogen sind, machen junge Leute mit gutem Bildungsniveau und der Zusage zum Studium an einer deutschen Universität oder zur Einschreibung an einem Studienkolleg bislang die größte Gruppe aus“, sagt Wolf von Siebert, Leiter der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Istanbul. Etwas aber hätten sie gemein: „Sie alle kommen aus einer zerstörten Existenz im Bürgerkriegsland Syrien und hoffen auf ein besseres Leben und eine Arbeit in Deutschland.“ Weil die Möglichkeit von traumatischen Störungen bei einigen Schülern von Siebert zufolge nicht auszuschließen ist, wurden die Lehrkräfte in einem zweitägigen Workshop zum Thema Trauma-Pädagogik darin geschult, damit sensibel umzugehen.

Um die Schüler umfassend auf das Leben in Deutschland vorzubereiten, lernen sie am Goethe-Institut nicht nur Deutsch, sondern üben unter der Leitung eines Theaterpädagogen Alltagssituationen spielerisch ein, trainieren in der Bibliothek, ihr Leben in Deutschland betreffende Fragen zu recherchieren. Im Januar 2016 sollen sie zudem eine Sozialberatung zu ihren künftigen Rechten und Pflichten erhalten.

Dieses Jahr werden etwa 200 Teilnehmer diesen Kurs durchlaufen, 2016 sollen es mindestens 400 sein. „Aber natürlich hoffen wir, das Programm weiter vergrößern zu können“, sagt von Siebert. „Denn von den Hunderttausenden Flüchtlingen, die momentan in der Türkei ausharren, machen einige hundert Menschen natürlich nur einen minimalen Bruchteil aus.“ ▪