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Zum Tod von Rupert Neudeck

Der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur hat sich über Jahrzehnte für Notleidende und Flüchtlinge eingesetzt.

01.06.2016
© dpa/Britta Pedersen - Rupert Neudeck

Der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 77 Jahren, wie ein Sprecher der Organisation mitteilte. Neudeck hatte 1979 Cap Anamur und 2003 das Friedenskorps Grünhelme ins Leben gerufen. Mehr als 11 000 vietnamesische Boat People retteten die Aktivisten von Cap Anamur in den 80er Jahren aus dem Chinesischen Meer. Über Jahrzehnte hinweg setzte sich der Journalist für Notleidende und Flüchtlinge ein. In der aktuellen Flüchtlingsdebatte forderte er 2015 den Einsatz der deutschen Marine und eine langfristige Seenotrettung im Mittelmeer. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte am Dienstag: „Rupert Neudeck hat vielleicht das Größte geleistet, was ein Mensch überhaupt tun kann: Menschenleben retten.“

Sein Freund und Weggefährte Günter Wallraff sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Er war ein Heiliger unserer Tage. Bei Rupert Neudeck war Reden und Handeln eine Einheit. Es gibt für ihn keinen Ersatz.“ Die Grünhelme gründete Neudeck auch als Reaktion auf den 11. September 2001 – „damit wir nicht in Frontstellung gegen Muslime kommen“. Christen und Muslime arbeiten in der Organisation zusammen, errichten gemeinsam Schulen, auch in muslimischen Ländern wie Afghanistan. „Wir werden zeitlebens nicht loskommen von der schönen Bürde, Eltern von Cap Anamur und den Grünhelmen zu sein“, hatte er 2014 zu seinem 75. Geburtstag der dpa gesagt. Mit seiner Frau Christel lebte Neudeck bescheiden in Troisdorf bei Bonn.

Bis zuletzt blieb Neudeck aktiv, warb für seine Initiativen und sammelte Spenden. Sein Engagement wurzelte in seinem christlichen Glauben - und in der eigenen Vergangenheit: Gegen Kriegsende war er mit seiner Familie von Danzig nach Westfalen geflohen, also selbst ein Flüchtling in Not gewesen. Viele Auszeichnungen hat der dreifache Vater und mehrfache Großvater für sein beherztes Engagement erhalten. Darunter waren der europäische Sozialpreis (2006) und der Verdienstorden des Landes Nordrehin-Westfalen (2007).

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte zum Tod von Rupert Neudeck: „Wir trauern um einen großen deutschen Aktivisten für die Menschlichkeit, dem tausende Menschen in der ganzen Welt ihr Leben verdanken. Rupert Neudeck engagierte sich überall dort, wo die Not am größten und die Hilfe am schwierigsten war, von Vietnam bis Syrien. Zu schwierig, zu gefährlich, zu kompliziert - solche Einwände ließ er nicht gelten. Rupert Neudeck war aus Überzeugung unbequem und scheute keinen Konflikt für die gute Sache. Mit seinem unermüdlichem Engagement bleibt er als Beispiel für viele Menschen in Erinnerung."

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung würdigte Rupert Neudeck „als Migrant ohne Gepäck“. „Bei Reisen kam er stets mit einem kleinen Köfferchen aus, stieg immer in den bescheidensten Herbergen ab und fühlte sich besonders wohl bei Migranten, in denen er Gefährten der Not wiedererkannte, in Gaza oder in Amman.“ Dem Tagesspiegel sagte er vor gut einem Jahr: „Ich setze darauf, dass es jetzt einen Knall gibt wie nach dem Atomunfall von Fukushima und man eine Entscheidung trifft, mit der man der Flüchtlingskrise langfristig begegnen kann. Die meisten Flüchtlinge, die aus afrikanischen Ländern kommen, suchen kein Asyl, sondern Ausbildung und Arbeit. Wenn wir in bestimmten Staaten, etwa in Marokko oder Tunesien, Ausbildungszentren aufbauen, in denen sie Berufe lernen können, werden sie in ihre Heimatländer zurückgehen.“ Kleine Lösungen waren seine Sache nicht. 

Quellen: dpa, AA, F.A.Z., Tagesspiegel

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