Ein realistisches Deutschlandbild vermitteln

Schleuser streuen falsche Behauptungen über die Lebensumstände und Aufnahmechancen in Deutschland und spielen die Gefahren des Fluchtwegs herunter. Mit Kampagnen wie „Rumours About Germany“ will die Bundesregierung den Gerüchten entgegenwirken.

dpa/Sumy Sadurni - Refugees

Die Gerüchte klingen verlockend: Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, habe  Anspruch auf ein Haus, lautet das eine. Die Bundesregierung biete allen Zuwanderern eine Willkommenszahlung und einen Job, so eine andere Behauptung. Doch so interessant diese Gerüchte auch klingen, so falsch sind sie. „Schleuser streuen bewusst solche Behauptungen, aufgrund derer sich Menschen auf gefährliche Fluchtrouten begeben und dabei viel Geld an Schleppernetzwerke zahlen“, sagt die Beauftragte für Flucht und Migration im Auswärtigen Amt, Beate Grzeski. Viele Menschen aus Krisenländern haben dadurch falsche Vorstellungen über die Einreisebedingungen nach Europa, ihre Aufnahmemöglichkeiten und die Lebensbedingungen in Deutschland.

Die Bundesregierung versucht deshalb mit Kampagnen wie „Rumours About Germany“ den Gerüchten entgegenzuwirken. Die Kampagne startete in Afghanistan. Mittlerweile informiert die Bundesregierung gezielt auch Menschen in Afrika. „Wir möchten damit ein realistisches Bild von den tatsächlichen Lebensumständen in Deutschland und den Aufnahmechancen vermitteln. Zugleich stellen wir unser umfassendes Engagement für Bleibeperspektiven vor Ort dar“, sagt Beate Grzeski. Dazu gehört zum einen, über das Asylrecht aufzuklären. Eine häufige Behauptung lautet, jeder Flüchtling erhalte bei seiner Ankunft die deutsche Staatsbürgerschaft. Auch auf die Gefahren der Fluchtwege macht die Kampagne aufmerksam und stellt falsche Informationen richtig. Beispielsweise behaupten die Schleuser unter anderem, die Sahara ließe sich an einem Tag durchqueren. „Wir wollen verhindern, dass sich Menschen in ohnehin schwieriger Lage unter falschen Erwartungen entscheiden, ihre Heimat zu verlassen und unter widrigsten Bedingungen den Weg nach Europa auf sich zu nehmen“, sagt Beate Grzeski. „Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen diese Vorstellungen mit Fakten aus erster Hand abgleichen und sich über legale Migrationsmöglichkeiten informieren können.“

Nicht nur auf positive Aspekte eingehen

Journalisten in Afrika spielen eine wichtige Rolle dabei, ein realistisches Bild über die Lebensumstände und Aufnahmechancen in Europa zu vermitteln. Bei einer Konferenz in der kenianischen Hauptstadt Nairobi tauschten sich die Teilnehmer Ende November 2016 darüber aus. „Bei der Konferenz ging es unter anderem darum, die Journalisten dafür zu sensibilisieren, ausgewogen zu berichten und nicht nur auf die die positiven Aspekte einzugehen“, sagt Veye Tatah, Chefredakteurin des Magazins Africa Positive, die die Konferenz mit organisiert hat. „Die Leute sollen wissen, ob es sich für sie wirklich lohnt, ihr Land zu verlassen“, sagt sie. Im Nachgang zu der vom Auswärtigen Amt finanzierten Konferenz arbeiten nun viele der Teilnehmer an Artikeln und Radiobeiträgen über das Thema Flucht und Migration.

Migrationszentren entlang von Fluchtrouten

Auf eine andere Weise kommt die in Burkina Faso geborene Filmemacherin Nadège Naré mit den Menschen zum Thema Migration ins Gespräch. Sie besuchte mit ihrem Ciné Bus eine Woche lang Dörfer in Burkina Faso. Dort zeigte sie mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts Spielfilme und Dokumentationen über die Themen Migration und inneren Frieden und diskutierte mit den Dorfbewohnern.

Deutschland unterstützt zudem eine neue Initiative der EU und der Internationalen Organisation für Migration. Die Initiative soll Fluchtrouten sicherer machen und bei der Rückkehr in die Heimatländer helfen. Zum einen sind entlang der Hauptfluchtrouten Migrationszentren geplant, die Flüchtende informieren und unterstützen. Hier erhalten die Flüchtenden nicht nur Lebensmittel sowie gesundheitliche und psychosoziale Hilfe. Sie bekommen hier auch Zugang zu Informationen über die Zielländer und Themen wie die Reintegration vor Ort. Auch bei der Suche nach Familienangehörigen sollen die Zentren helfen. Deutschland will sich mit 48 Millionen Euro an den Programmen beteiligen.