Gemeinsam stärker: Deutschland und Kanada vertiefen ihre Partnerschaft
Von der Verteidigungspolitik bis zur Künstlichen Intelligenz: Deutschland und Kanada setzen mit ihrer neuen Partnerschaft deutliche Akzente.
Eine enge politische Zusammenarbeit und Investitionen in wichtige Wirtschaftsbereiche: Das sind die wesentlichen Ziele der im Juli 2026 vereinbarten strategischen Partnerschaft zwischen Deutschland und Kanada, die bis Ende 2026 mit einem „Partnership Agreement” besiegelt werden soll. Das Vorhaben fügt sich ein in die traditionsreichen Beziehungen beider Länder: Nach britisch- und französischstämmigen Kanadierinnen und Kanadiern stellen Menschen deutscher Herkunft eine der größten Bevölkerungsgruppen des Landes. Umgekehrt leben rund 45.000 Kanadierinnen und Kanadier in Deutschland. Die beiden Staaten feiern 2026 75 Jahre diplomatische Beziehungen: 1951 eröffneten die Bundesrepublik Deutschland und Kanada ihre Botschaften in Ottawa beziehungsweise Bonn.
Für die kommenden Jahre legt die strategische Partnerschaft folgende Schwerpunkte:
Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Beide Länder teilen demokratische Grundwerte und arbeiten innerhalb der NATO und der G7-Staaten eng zusammen.
Ein Meilenstein ist die geplante Beschaffung von bis zu zwölf U-Booten durch Kanada. Das von Deutschland und Norwegen entwickelte Modell beschert dem deutschen Unternehmen Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) den größten U-Boot-Auftrag in der Firmengeschichte. Zugleich sehen Beobachter in der Entscheidung einen strategischen Wandel: Deutschland wird für Kanada zum zentralen sicherheitspolitischen Partner in Europa.
Dieses YouTube-Video kann in einem neuen Tab abgespielt werden
YouTube öffnenInhalte Dritter
Wir verwenden YouTube, um Inhalte einzubetten, die möglicherweise Daten über deine Aktivitäten erfassen. Bitte überprüfe die Details und akzeptiere den Dienst, um diesen Inhalt anzuzeigen.
Einverständniserklärung öffnenInvestitionen
Wirtschaftlich bietet Kanada deutschen Unternehmen attraktive Rahmenbedingungen. Das Land ist politisch stabil, verfügt über verlässliche Institutionen und einen starken Rechtsstaat. Im „Rule of Law“-Index des World Justice Projects zählt Kanada regelmäßig zu den bestplatzierten Staaten weltweit. Für Investoren bedeutet das hohe Planungssicherheit und einen wirksamen Schutz vor staatlicher Willkür.
Zusätzliche Sicherheit für Investoren und für den Handel schafft das Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada. Seit dem vorläufigen Inkrafttreten im Jahr 2017 wurden nahezu alle Zölle auf Industriegüter sowie zahlreiche Agrarzölle abgeschafft.
Industriepolitik und Automobilwirtschaft
Ein weiterer Schwerpunkt der Partnerschaft ist die Industriepolitik. Im Februar 2026 vereinbarten beide Länder eine verstärkte Zusammenarbeit in der Automobil- und Mobilitätsbranche, um Lieferketten zu stabilisieren und die Transformation zur emissionsarmen Mobilität zu beschleunigen.
Obwohl es keinen großen kanadischen Automobilhersteller gibt, zählt das Land zu den wichtigsten Produktionsstandorten Nordamerikas. Vor allem US-amerikanische Hersteller und ihre Zulieferer produzieren dort. Deutsche Hersteller beschäftigen rund 15.000 Menschen in Kanada. Mercedes-Benz unterhält mehrere größere Standorte, BMW und Audi steuern den Vertrieb ihrer Marken von der kanadischen Provinz Ontario aus. Und Volkswagen errichtet dort derzeit eine der größten Batteriezellfabriken Nordamerikas, deren Produktion 2027 starten soll.
Für deutsche Unternehmen gewinnt Kanada zudem als Markt für Elektromobilität an Bedeutung. Die kanadische Industriepolitik setzt zunehmend auf E-Mobilität und entsprechende Wertschöpfungsketten. Davon könnten auch deutsche Zulieferer, Softwareunternehmen und Anbieter von Ladeinfrastruktur profitieren.
Rohstoffe und Energie
Eine Schlüsselrolle fällt Kanada als Lieferant kritischer Rohstoffe zu. Das Land verfügt über bedeutende Vorkommen an Lithium, Nickel, Kobalt, Graphit und Kupfer – und will künftig auch seltene Erden verarbeiten. Diese Rohstoffe sind unverzichtbar für Batterien, Elektromotoren, Windkraftanlagen und zahlreiche Hightech-Anwendungen. Eine 2025 geschlossene deutsch-kanadische Rohstoffpartnerschaft soll Projekte finanzieren und die Kreislaufwirtschaft fördern.
Flankiert wird sie von einer Energiepartnerschaft und einer Wasserstoffallianz. Gemeinsam wollen Deutschland und Kanada den Hochlauf einer internationalen Wasserstoffwirtschaft beschleunigen.
Digitalisierung und KI
Auch bei den Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz rücken beide Länder enger zusammen. So gründeten Deutschland und Kanada im Dezember 2025 in Montréal die Deutsch-Kanadische Digitalallianz. Wenige Wochen später folgte eine gemeinsame Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bereich KI.
Damit wollen die Länder ihre digitale Souveränität stärken und weniger abhängig von den großen US-Technologiekonzernen werden. Geplant sind gemeinsame Investitionen in digitale Infrastruktur und KI-Rechenkapazitäten, ein verstärkter Austausch von Forschenden und Fachleuten aus der Industrie sowie eine engere Abstimmung bei Regulierung, Sicherheit und verantwortungsvoller KI-Nutzung.
Im September 2026 ist Deutschland Gastland der größten kanadischen KI-Konferenz „All In“ in Montréal und präsentiert dort seine KI-Kompetenzen.