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Wasser fließt aus einem Hahn in ein Glas.
Anlagen von Boreal Light sind weltweit im Einsatz – hier in der Ukraine. © picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow ALTERNATIV: privat

Trinkwasser für Gaza

Nach der Zerstörung wichtiger Infrastruktur ist Trinkwasser in Gaza knapp. Ein deutsches Unternehmen liefert solarbetriebene Entsalzungsanlagen.  

19.08.2026Charlotte Schmitz

Der „Bingo-Moment“, wie Hamed Beheshti es nennt, kam mit einem Anruf aus Tansania. Der Kunde stornierte die Bestellung einer Pumpe, die mit Solarenergie betrieben werden sollte, da sein Brunnen versalzen war. 

„Ich kenne mich mit Wasserförderung und Solarenergie aus“, sagt Beheshti, der in Berlin Renewable Energy Planning studiert hat. „Da kam mir die Idee, die Solartechnik auch auf Entsalzungsanlagen anzuwenden.“ Zusammen mit seinem Geschäftspartner Ali Al-Hakim, studierter Maschinenbauer, gründete er 2014 Boreal Light, um mit Solarkraft betriebene Entsalzungsanlagen zu fertigen. 

Hamed Beheshti zeigt den Unterschied zwischen ungefiltertem Wasser und Trinkwasser in Kenia.
Hamed Beheshti zeigt den Unterschied zwischen ungefiltertem Wasser und Trinkwasser in Kenia. © privat

Inzwischen sind die Anlagen aus Berlin weltweit gefragt, zum einen wegen der zunehmenden Dürreperioden, zum anderen, weil durch Kriegshandlungen bestehende Anlagen zerstört wurden, etwa im Gazastreifen. Die Infrastruktur der Wasserver- und -entsorgung ist zu großen Teilen beschädigt. Laut einem UN-Bericht von 2025 sind über 90 Prozent der Haushalte in Gaza von Wassermangel betroffen. Unicef berichtete im Juni 2025, dass über 60 Prozent der 196 von staatlichen Stellen und Nichtregierungsorganisationen betriebenen Entsalzungsanlagen beschädigt seien.  

Die Menschen im Gazastreifen leiden weiterhin unter akutem Mangel an sauberem Trinkwasser.
Die Menschen im Gazastreifen leiden weiterhin unter akutem Mangel an sauberem Trinkwasser. © picture alliance / Middle East Images | Ahmed Al Arini

Besondere Herausforderungen in Gaza  

Nachdem Boreal Light bereits Anlagen in 25 Ländern installiert hat, darunter Jemen, Somalia und die Ukraine, lieferte das Unternehmen 2025 eine erste Entsalzungsanlage für eine Nichtregierungsorganisation (NGO) in Gaza. Dafür war die Unterstützung mehrerer Stellen nötig. Unter anderem lieferte die Palästinensische Wasserbehörde eine komplette Kartierung der Brunnen in Gaza, einschließlich der Angaben zum Salzgehalt des Wassers und den Fördermengen. „Da wir die Datenbank der Brunnen hatten, konnten wir maßgeschneiderte Angebote machen, um das gesamte Gebiet mit Entsalzungsanlagen zu versorgen“, sagt Beheshti. 

Die Geschäftstätigkeit in Gaza ist mit besonderen Herausforderungen verbunden. „Am schwersten zu erfüllen waren die Auflagen des israelischen Militärs“, erinnert sich Beheshti. Das Berliner Unternehmen musste Alternativen für mehrere Bauteile seiner Anlagen finden, da diese vom Militär als Dual-Use-Güter eingeschätzt wurden, also als Teile, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.  

Projektvergabe und Umsetzung 

Dank seiner Erfahrung gewann Boreal Light eine weltweite Ausschreibung einer deutschen NGO für 100 Entsalzungsanlagen in Gaza. „Wir hatten durch die Lieferung der ersten Anlage bereits die Zulassung des israelischen Militärs für unsere Systeme.“  

Boreal Light liefert seine Maschinen nicht direkt nach Gaza, sondern nach Amman oder Kairo, wo lokale Ingenieure in Betrieb und Wartung eingewiesen werden und ihr Wissen anschließend an Techniker in Gaza weitergeben. „Die palästinensischen Ingenieure sind sehr gut geschult,“ sagt Beheshti. 

Hamed Beheshti, Mitbegründer von Boreal Light, vor einer Entsalzungsanlage.
Hamed Beheshti, Mitbegründer von Boreal Light, vor einer Entsalzungsanlage. © privat

Die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan rief bei einer Veranstaltung in Berlin im Dezember 2025 dazu auf, sich am Wiederaufbau Gazas zu beteiligen, sobald dort Frieden herrsche: „Es ist eine Generationenaufgabe, an der sich möglichst viele beteiligen müssen: Staaten, Zivilgesellschaft, internationale Organisationen und Privatwirtschaft.“ Hier will sich Boreal Light einbringen. Die Entsalzungsanlagen sind weitgehend autonom, vollständig automatisiert und können auch ohne Anschluss an ein Stromnetz betrieben werden. Gleichzeitig ermöglicht ihre mobile Bauweise einen schnellen und sicheren Standortwechsel. Sie variieren in der Größe zwischen den Dimensionen eines Schrankes und eines Containers. Die Solarmodule, die sie mit Energie versorgen, werden entweder als Beschattung direkt über den Pumpen angebracht oder auf benachbarten Gebäuden, etwa Schulen. 

Nächster Schritt: Serienfertigung 

Dass sein Unternehmen den Auftrag gewinnen konnte, schreibt Beheshti auch den guten Standortbedingungen in Deutschland zu. Seiner Meinung nach sind die vergleichsweise hohen Kosten in Deutschland kein Hindernis, „Made in Germany“ erfolgreich am Weltmarkt zu vertreiben. „Die Förderungen in Berlin sind gut, außerdem haben wir viele Kontakte und sind bestens vernetzt.“  

Auch aus anderen Regionen kam Nachfrage. Auf Kundenwunsch fand Boreal Light einen Weg, die Energieversorgung der Anlagen hybrid zu gestalten – sowohl mit Solarenergie als auch mit einem Anschluss an das konventionelle Stromnetz oder Generatoren. Das ist wichtig für Einsätze, in denen extremer Wasserbedarf herrscht oder ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb erforderlich ist, etwa für Krankenhäuser. 

Beheshti und sein Partner planen bereits den nächsten großen Schritt: „Bisher stellen wir die Maschinen nur auf Einzelbestellung her, als nächstes wollen wir die Serienfertigung angehen.“