Bio statt Plastik

In Skihelmen und sogar im Porsche stecken nachwachsende Rohstoffe. Wie sich die deutsche Wirtschaft zu einer Bioökonomie wandelt.

Bioökonomie: Diese Skiausrüstung enthält nachwachsende Rohstoffe.
Diese Skiausrüstung enthält nachwachsende Rohstoffe. Messe Berlin

Deutschland. Die Nachricht klang fantastisch: 2011 verkündete der deutsche Automobilzulieferer Continental, Löwenzahn könne in Zukunft Kautschuk bei der Reifenherstellung ersetzen. Bislang wird Kautschuk in Südostasien aus dem Milchsaft des gleichnamigen Baumes gewonnen oder petrochemisch hergestellt.

Gelingt das Vorhaben?

Die Vision nimmt konkrete Formen an: In Anklam in Mecklenburg-Vorpommern baut Continental ein Forschungs- und Versuchslabor für Löwenzahnkautschuk. Ab Herbst 2018 wird dort der Anbau und die Verarbeitung von russischem Löwenzahn erforscht. Boris Mergell, Leiter der Forschung und Entwicklung Pkw-Reifen von Continental sieht zwei große Vorteile: „Die Pflanzen für unseren Löwenzahnkautschuk wachsen auch in gemäßigten Breiten. So können Monokulturen und Brandrodung in den Tropen vermieden und die Transportwege zu unseren Reifenwerken verkürzt werden.“ Gelingt das Vorhaben, wäre es ein weiterer großer Schritt auf dem Weg zur Bioökonomie.

Was heißt Bioökonomie?

Im Konzept der Bioökonomie werden fossile Ressourcen durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt. Die Bundesregierung hat als eines der ersten Länder 2010 eine „Nationale Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“ entwickelt und damit die Weichen für den Wandel von Industrie und Gesellschaft gestellt. Inzwischen gibt es in Deutschland Biodiesel aus Raps, Shampoo-Flaschen aus Weizen, Dämmstoffe aus Hanf und Skiausrüstungen aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Grüne Woche Berlin 2018 nimmt diesen Trend auf und zeigt in der Sonderschau „Nachwachsende Rohstoffe“, was ein Kugelschreiber und die Karosserie eines Porsche gemeinsam haben: Beide sind aus biobasierten Rohstoffen hergestellt.

Wie entwickelt Deutschland die Bioökonomie weiter?

Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern bietet die Universität Hohenheim den Masterstudiengang Bioeconomy. Darüber hinaus fördert sie Promotionen mit dem Schwerpunkt Bioökonomie. Der Bioökönomierat, der die Bundesregierung auf dem Weg zu einer biobasierten Wirtschaft berät, richtet am 19./20. April 2018 den Global Bioeconomy Summit in Berlin aus. Dort sollen internationale Kooperationen angestoßen und eine globale Agenda entwickelt werden.

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