Für eine bessere Zukunft

Visionen für nachhaltiges Bauen: Wir stellen drei Sieger des Wettbewerbs „beyond bauhaus – prototyping the future“ vor.

"beyond bauhaus - prototyping the future": exhibition in Berlin
Deutschland – Land der Ideen

Zum 100. Jahrestag des Bauhaus suchte die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ weltweit zukunftsweisende Gestaltungsideen, die dazu beitragen, unsere Welt in Zukunft fairer, nachhaltiger oder schlicht besser zu gestalten. Über 1.500 Bewerber aus 50 Ländern reichten ihre Projekte ein. Wir stellen drei Preisträger vor.

Nanocellulose Desert Shelter

In der israelischen Negev-Wüste entsteht ein Gebäude aus Nanocellulose, einem nachhaltigen Baumaterial aus recycelten Naturfasern. Nanocellulose steht als neuartiges Biomaterial im Fokus von Wissenschaft und Industrie. Die Einsatzmöglichkeiten der Naturfasern reichen von der Werkstoff- und Medizintechnik bis hin zur Lebensmittel- und Pharmaindustrie.

Auf Basis der wissenschaftlichen Arbeit von Professor O. Shosayov untersuchen das israelische Architekturbüro NCA Architects und Dr. Guy Austern das Potenzial von Nanocellulose für die Gebäudekonstruktion. In ihrem Projekt „Nanocellulose Desert Shelter“ konzipieren sie ein Bildungs- und Kulturzentrum für die Beduinengemeinschaft in der Negev-Wüste komplett aus den recycelten Naturfasern in unterschiedlicher Zusammensetzung – von der tragenden Konstruktion über die Dämmung bis hin zur Befensterung. Die Architekten legen dabei nicht nur Wert auf den recycelbaren, umweltfreundlichen Baustoff, sondern auch auf ein Design, das sich harmonisch in die Wüstenumgebung einfügt und die Tradition der Beduinenkultur ehrt. Inspiriert von der organischen Form der Düne ist die Architektur die moderne Interpretation einer traditionellen Beduinen-Behausung unter Verwendung modernster Technologie.

Jajja's House: Dieses Haus macht Frauen stark

Frauen in einem Dorf in Uganda können jetzt Häuser nach ihren Bedürfnissen konstruieren.

Feuer machen, kochen, Wäsche waschen - obwohl die Hausarbeit im Dorf Kikajjo in Uganda von Frauen gestemmt wird, wird ihr häusliches Umfeld traditionell von Männern geplant und gebaut. Die Studenten der Universität Presbiteriana Mackenzie aus Brasilien möchten das ändern und Frauen dazu befähigen, ihr Heim nach ihren Bedürfnissen zu gestalten. Mit ihrem Projekt „Jajja´s House“ entwickelten sie während eines mehrmonatigen Studienaufenthalts gemeinsam mit der 75-jährigen Jajja Imaculate ein Haus, das sowohl die lokalen Ressourcen und traditionalen Bauweisen berücksichtigt als auch die Bedürfnisse und Perspektive ihrer Bewohnerin in den Mittelpunkt stellt.

Von den ersten Zeichnungen bis hin zur Konstruktion wurden Jajja und weitere die Frauen vor Ort in Workshops miteinbezogen. Gemeinsam wurde zum Beispiel eine zentrale Küche erdacht, die mit beweglichen Paneelen vom Wohnraum abgetrennt werden kann. Das Dach wurde so konstruiert, dass die Trägersäulen Wasser auffangen können. Das gemeinsam geplante Haus wird nun das neue Heim von Jajja und kann zugleich Modell und Inspiration für weitere Bauten in Kikajjo und ganz Afrika sein.

Soft-Urb: Die Stadt als Garten für alle

Laut einer Statistik der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Es ist also unabdingbar, den urbanen Raum von morgen nachhaltig, ökologisch belastbar und lebenswert zu gestalten. Dieses Ziel verfolgt das Open-Source- Projekt „Soft-urb", das sich aus den beiden preisgekrönten Initiativen „Make the streets green again“ und „Take a Grow“ zusammensetzt.

Die Initiatoren wollen Städte nicht radikal umgestalten, sondern einen vielschichtigen und mehrdimensionalen Prozess in Gang setzen, der die Gesellschaft auf die kommenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen vorbereitet. Gemeinsam mit Bürgern sollen Lösungsvorschläge erarbeitet, getestet und adaptiert werden. „Soft-urb" ist dabei die physische sowie virtuelle Schnittstelle und möchte mithilfe von mobilen Apps, Placemaking oder Taktischem Urbanismus nachhaltiges und kreatives Potenzial in Städten freisetzen und den urbanen Lebensraum in einen umweltfreundlichen Organismus transformieren.

„Lösung weltumspannender Herausforderungen“

Andreas Görgen, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, über die prämierten Projekte: „Vom Lebensmittelanbau auf dem Wasser über ein tragbares Navigationssystem für Sehbehinderte bis hin zu neuen Baumaterialien aus Pilzkulturen: die Gewinner beweisen mit ihren innovativen Konzepten, dass das Bauhaus nie nur ein Stil war, sondern immer auch eine Haltung, der Versuch, die Lebensbedingungen der Menschen mit Design zu verbessern. Im Jubiläumsjahr zeigen sie eindrucksvoll, dass dieser Bauhausgedanke für die Lösung weltumspannender Herausforderungen von heute eine hohe Relevanz besitzt.“

Vom 16. August bis zum 1. September 2019 präsentieren die Gewinner ihre Projekte in einer Ausstellung im Aufbau Haus Berlin.

„beyond bauhaus – prototyping the future“: Alle 20 Gewinner auf einen Blick