Auf den Spuren des Bauhaus

100 Jahre nach Gründung der Kunstschule ist das Bauhaus in Deutschland an vielen Orten noch erlebbar. Wir zeigen die wichtigsten Stationen.

Das Bauhaus Dessau
Das Bauhaus Dessau dpa

Alfeld

Alfeld an der Leine liegt im Westen Deutschlands. Die niedersächsische Stadt ist zwar von Fachwerkbauten geprägt, doch bekannt ist Alfeld für den Fabrik-Bau der Fagus-Werke. Damit gelang Walter Gropius 1911 der Schritt in die Selbstständigkeit als Architekt. 100 Jahre später wurde dieser Ursprungsbau der Moderne zum Welterbe der UNESCO erklärt.

Die Fargus-Werke in Alfeld
Die Fargus-Werke in Alfeld dpa

Weimar

Die Revolution des Designs begann hier, in der Stadt von Goethe und Schiller. 1919 wurde in Weimar das Staatliche Bauhaus vom Architekten Walter Gropius gegründet. Weltberühmte Künstler wie Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lászlo Moholy-Nagy lehrten in der von Henry van der Velde entworfenen Bauhaus-Universität. Als wichtigstes Objekt der Bauhausausstellung von 1923 gilt das Musterhaus „Haus Am Horn“, das seit 1996 zum UNESCO-Welterbe gehört. Und es gibt noch mehr zu sehen: Im Bauhaus-Museum am Theaterplatz.

Die Bauhaus-Universität Weimar
Die Bauhaus-Universität Weimar dpa

Gelmeroda

Das Dorf im Weimarer Land ist untrennbar mit dem Bauhauskünstler Lyonel Feininger verbunden. Heute kann man auf dem Feininger-Radwanderweg seinen Spuren folgen, etwa zur Feininger-Kirche. Sie war das absolute Lieblingsmotiv des deutsch-amerikanischen Malers.

Ein Gemälde der „Feininger-Kirche“ in Gelmeroda
Ein Gemälde der „Feininger-Kirche“ in Gelmeroda dpa

Probstzella

Schwer auszusprechen, aber hier im Thüringer Wald, 70 Kilometer südlich von Weimar, steht eines der bedeutendsten Bauhaus-Ensembles Thüringens: Der Architekt Alfred Arndt schuf das Haus des Volkes (1925 bis 1927), das komplett im Sinne des Bauhauses ausgestattet ist. Selbst Stoffe, Möbel, Lampen und Türgriffe wurden in den Bauhauswerkstätten erstellt.

Das Haus des Volkes in Probstzella
Das Haus des Volkes in Probstzella picture alliance

Jena

Hier hatten die Bauhauskünstler schon früh einen Ort zur Umsetzung und Darstellung ihrer Ideen gefunden. In der nahe Weimar gelegenen Universitätsstadt wurde auch das erste Bauwerk realisiert, bei dem die Ideen des Bauhauses zum Tragen kamen: das Jenaer Stadttheater (1921/22). Auch wenn es heute nicht mehr in der von Walter Gropius geplanten Gestalt existiert, zeugen die beiden im Original erhaltenen und sorgfältig sanierten Gebäude „Haus Auerbach“ und „Haus Zuckerkandl“ vom Bauhaus in Jena.

Das Haus Zuckerkandl in Jena
Das Haus Zuckerkandl in Jena picture alliance / Arco Images GmbH

Dessau

Ein Meilenstein der Architektur der Moderne ist das von Gropius entworfene und 1926 in Dessau eröffnete Bauhausgebäude. Heute ist das „Bauhaus Dessau - Zentrum für Gestaltung" wieder ein lebendiger Ort der experimentellen Gestaltung, Forschung und Lehre. Auch die Dessauer Meisterhäuser wurden 1925/26 nach Entwürfen von Gropius erbaut. Vom Kornhaus über das Historische Arbeitsamt bis hin zur Bauhaussiedlung Törten mit Konsumgebäude, Laubenganghäusern und Stahlhaus reichen die Bauhaus-Spuren.

Das Bauhaus Dessau
Das Bauhaus Dessau dpa

Berlin

Einen Überblick über die bedeutendste Schule für Design, Architektur und Kunst im 20. Jahrhundert bietet das Bauhaus-Archiv in Berlin. Es besitzt weltweit die größte Sammlung zur Geschichte und Wirkung des Bauhauses – von der „Bauhausleuchte“, über den Stahlrohrsessel von Marcel Breuer bis zur „Bauhaus-Tapete“. In der Stadt gibt es noch mehr Beispiele des Neuen Bauens, etwa die Gropius-Häuser am Zehlendorfer Fischtal (1928) oder das letzte von Mies van der Rohe entworfene Wohnhaus in Deutschland vor seiner Emigration in die USA: das Haus Lemke (1933) im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen.

Krefeld

Auch das Villenensemble Haus Lange und Haus Esters (Ludwig Mies van der Rohe, 1927) in Krefeld vermittelt noch heute auf beeindruckende Weise den Bauhaus-Gedanken. Die eleganten Zwillingsvillen gehören zu den Kunstmuseen der Ruhrgebietsstadt.

Stuttgart

Im Süden Deutschlands liegt die renommierte Weißenhofsiedlung, die 1927 vom Deutschen Werkbund unter der Leitung von Ludwig Mies van der Rohe errichtet wurde. Das Stuttgarter Weißenhofmuseum bietet neben Architekturgeschichte auch ein „begehbares Exponat“ in dem von Le Corbusier entworfenen Doppelhaus.