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Nachhaltiges Handeln zeigt Wirkung

Deutschland nimmt seine internationale Verantwortung in unterschiedlichen Bereichen wahr. In Asien liegt ein Schwerpunkt auf Sozial- und Umweltstandards.

Gunda Achterhold, 13.01.2016

Der Einsturz des achtstöckigen „Rana Plaza“ 2013 in Bangladesch, in dem mehrere Textilfirmen unterbracht waren, warf einen Schatten auf die Produktionsverhältnisse in Asien und markierte einen Wendepunkt in der weltweiten Debatte über Sozial- und Umweltstandards. Die deutsche Industrie hat nach dem Unglück schnell reagiert. Auf Anregung von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller gründeten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft 2014 das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ mit dem Ziel, die Arbeits- und Umweltbedingungen in den Herstellerländern vor allem in Asien zu verbessern. Mehr als 700 der rund 5500 Textilfabriken in Bangladesch sind diesem Weg inzwischen gefolgt. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) erwartet, dass die Initiative einen weiteren Schub in Richtung Nachhaltigkeit bringt. Fast die Hälfte der deutschen Textilunternehmen ist inzwischen Mitglied im Textilbündnis, in dem neben dem Entwicklungsministerium auch Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus dem Entwicklungs- und Umwelt-Bereich sitzen. Sie verpflichten sich per „Aktionsplan“, die sozialen, ökologischen und ökonomischen Produktionsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette zu verbessern und Mindeststandards einzuhalten.

Das Besondere daran ist, dass erstmalig wichtige Vertreter verschiedener Interessengruppen an einem Tisch sitzen. Große Bekleidungsfirmen wie adidas, Gery Weber und C&A zählen ebenso dazu wie der Handelsverband Deutschland (HDE), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) oder die Standardorganisation GOTS (Global Organic Textile Standard). In Fachgruppen werden konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Produktionsbedingungen erarbeitet, etwa im Hinblick auf die Verarbeitung von Chemikalien und Naturfasern oder die Zahlung existenzsichernder Löhne. Eine Liste gefährlicher und daher zu vermeidender chemischer Substanzen ist bereits verabschiedet worden. „Dem Bündnis für nachhaltige Textilien geht es nicht um kurzfristige Projekte, sondern um dauerhafte und systemische Veränderungen in der Branche“, betont Pressesprecherin Andrea Burkhardt. Facharbeitsgruppen prüfen, ob bereits existierende Textilsiegel wie BCI (Better Cotton Initiative) oder GOTS beispielsweise in Bezug auf Kinderarbeit, Vermeidung von gefährlichen Chemikalien oder Arbeitsschutz den Zielen des Aktionsplans entsprechen. Ist dies der Fall, werden sie als Bündnisstandards anerkannt und bieten Verbrauchern verlässlich Orientierung.

Zertifikate sind auch beim Schutz der Tropenwälder ein wichtiges Instrument. Die rund 40 Mitglieder des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP) mit Sitz in Bonn – neben Konzernen aus der Konsumgüterindustrie sind auch viele Unternehmen aus dem Mittelstand vertreten – verwenden seit Ende 2014 ausschließlich als nachhaltig zertifiziertes Palmöl in ihren Produkten. „Damit wird ein klares Signal an die Produzenten gesendet“, stellt Projektleiter Daniel May fest. Ziel des Vereins ist es, den Anteil von zertifiziertem Palmöl, Palmkernöl sowie Derivate, die aus Palmkernöl gewonnen werden, im deutschen, österreichischen und auf dem Schweizer Markt signifikant zu erhöhen. Palmöl wird bei der Produktion vieler Lebensmittel verwendet und auch in der Kosmetikindustrie eingesetzt. Rund 90 Prozent der Weltproduktion kommen aus Indonesien und Malaysia. Auswertungen der NASA zeigen, dass zertifizierte Plantagen von Brandrodungen deutlich seltener betroffen sind als nichtzertifizierte. Auf die Artenvielfalt und den Umweltschutz wirken sich eine nachhaltige Bewirtschaftung und der Verzicht auf Pestizide ebenso positiv aus, wie auf die Erträge. So wurden in Thailand Kleinbauern von zertifizierten Plantagen in nachhaltigeren Anbaumethoden geschult – und steigerten ihre Einkommen um 25 Prozent. Wichtige nächste Schritte sind die Transparenz und Überprüfbarkeit der Zertifikate zu verbessern und gemeinsam mit dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) und den Unterzeichnern der indonesischen Erklärung für nachhaltiges Palmöl (Indonesian Palm Oil Pledge, IPOP) hier zu einheitlichen Standards zu kommen und einen Überprüfungsmechanismus zu vereinbaren.

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat sich schon früh zu Nachhaltigkeit bekannt: Bereits 2009 engagierte sich der Konzern in Bangladesch für die Erreichung der Millenniumsziele und gründete mit Nobelpreisträger Mohammad Yunus das Unternehmen BASF Grameen zur Gesundheitsvorsorge. Aktuell treibt BASF in Indien verschiedene Projekte voran, die den Zugang zu sauberem Trinkwasser erleichtern sollen. Wasserknappheit ist in mehreren Bundesstaaten ein Grund zur Sorge: Zwar lebt fast ein Fünftel der Weltbevölkerung in Indien, das Land hat jedoch lediglich Zugang zu vier Prozent des weltweiten Frischwasservorkommens. In Kooperation mit Waterlife India hat BASF in Chennai eine Anlage zur Aufbereitung und Verteilung von Trinkwasser mit einer Kapazität von 24.000 Litern pro Tag aufgebaut. Die Partnerschaft ist für die nächsten zehn Jahre gesichert. Ebenso wie in Mangalore, wo neue sanitäre Anlagen für 2000 Schulkinder eingerichtet wurden, setzt BASF auch in Chennai auf ein flankierendes Programm, das die persönlichen Kompetenzen hinsichtlich Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH) stärken soll. Ziel ist es, über anschauliche Maßnahmen für das Thema zu sensibilisieren und zu zeigen, wie sich die eigene Gesundheit besser schützen lässt.

 

Eine andere große Herausforderung der Zukunft lässt sich heute bereits in Bangladesch beobachten. Das Land ist stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Regenfälle lassen Flüsse über die Ufer treten und vernichten Land, das Bauern bewirtschaften. Sturmfluten an der Küste führen nicht nur zu Verwüstungen sondern auch dazu, dass die Ackerböden versalzen und damit unfruchtbar werden. Ihrer Existenz beraubt, machen sich viele Menschen auf den Weg in die Städte. Im Rahmen der „Sonderinitiative Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren“ unterstützt die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Städte darin, ihren Einwohnern neue Perspektiven bieten zu können. Im nordwestlichen Rajshahi beispielsweise über Fortbildungen im Bereich der Seidenproduktion, die in der Stadt ein starker Wirtschaftszweig ist. In Kulna sind es Fortbildungen in der Fischindustrie und der Zulieferindustrie für den Schiffbau, die den Menschen ein Einkommen ermöglichen sollen – und sie so zum Bleiben bewegen. ▪