Forum für Erneuerbare Energien

Das German-Israeli Renewable Energy Committee bringt Marktführer und Startups zusammen.

picture-alliance/Keystone - Energy Research
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Solarenergie ist Trumpf: Diesen Eindruck gewinnt man zunächst bei einer Reise durch Israel. Auf den Dächern nimmt man Tanks wahr, die als Solar-Heißwasserbereiter eingesetzt werden. Rekordverdächtige 95 Prozent des Heißwasserverbrauchs werden mit Hilfe der Sonneneinstrahlung aufbereitet –- dafür sorgt ein Gesetz aus den 1960er-Jahren. Und mehrere Kibbuzim im Süden verwandeln die Sonne mit Hilfe von Kollektoren in Strom.

Doch im Vergleich zu anderen Ländern, ist Israel noch im Rückstand. Das Land hat zwar einen innovativen Hightech-Sektor - aber die Industrie hat Mühe, Solarenergie kosteneffizient in Strom umzuwandeln. Derzeit werden nicht einmal zwei Prozent des israelischen Strombedarfs mit Hilfe der Sonne hergestellt – deutlich weniger als das ursprüngliche Regierungsziel von fünf Prozent. Experten bezweifeln, dass das neue Ziel – 10 Prozent Solaranteil bis 2020 – erreicht werden kann. Israels früherer Innen- und Wissenschaftsminister Ophir Pines-Paz sieht als Grund dafür einen relativ späten Start. „Wir begannen erst vor fünf Jahren, Sonnenenergie ernsthaft zu fördern, denn wir hatten andere Prioritäten“, sagt sagt Pines-Paz. Der Staat habe sich lange nicht um alternative Energien gekümmert. Zudem verschieben reichliche Gasfunde vor der israelischen Küste die Konkurrenzverhältnisse deutlich zuungunsten der Erneuerbaren Energien. Zudem sei es – so merkwürdig dies klingen mag – in Israel oft zu heiß. Bei gleicher Sonnenintensität würden Anlagen bei höherer Temperatur eine geringere Leistung zeigen.

Auch bei der Solartechnologie hat die israelische Innovationsszene einiges zu bieten, ist aber immer wieder auf Kooperationen mit ausländischen Partnern angewiesen, zum Beispiel aus China oder aus Deutschland. Um den deutsch-israelischen Austausch zu fördern, hat die Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer ein offenes Forum von interessierten Parteien ins Leben gerufen: GIREC, das German-Israeli Renewable Energy Committee, dessen Vorsitzender Pines-Paz ist. Das 2012 gegründete Komitee soll die Geschäftskontakte zwischen israelischen und deutschen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fördern und bestehende Hindernisse orten. Besonders soll durch das GIREC-Netzwerk der Austausch zwischen etablierten Marktführern und forschungsaktuellen Start-ups gefördert werden. Man trifft sich drei bis vier Mal im Jahr, meist am Rande von Konferenzen oder Messen, zum Beispiel zur Intersolar Europe im Juni 2014 in München. An dem Netzwerk sind derzeit 60 Firmen beteiligt, davon ein Drittel aus Deutschland.

Weil mit dem israelischen Einspeisegesetz von 2008 der Markt für Erneuerbare Energien lukrativer geworden ist, sind deutsche Firmen wie Siemens, Schott Solar oder SMA Solar Technology mit Israel im Geschäft. GIREC sei dazu da, die Probleme der KMU im deutsch-israelischen Sonnenenergiegeschäft zu erörtern und nach Lösungen zu suchen. Zudem sollen Informationen über Marktentwicklungen und Marktlücken in beiden Ländern ausgetauscht werden. Besonderes Gewicht legt Pines-Paz auf die Verbesserung der Energieeffizient in Israel: „Israel kann vom deutschen Know-how und von deutschen Erfahrungen profitieren.“ Die einzelnen Kommunen hätten zwar großes Interesse an einer höheren Energieeffizienz, würden aber kaum über die entsprechende Erfahrung verfügen. Deshalb organisiert GIREC runde Tische, an denen mit Experten über die Methodologie des Effizienzprozesses diskutiert wird. Freuen würde sich Pines-Paz, wenn sich auch Palästinenser dem Forum anschließen würden. Seine Antwort auf eine entsprechende Anfrage wäre ein klares „Ja“. ▪

www.girec.eu