Dynamisch für Deutsch

Das Netzwerk der Partnerschulinitiative PASCH fördert das Lernen der deutschen Sprache mit innovativen Projekten.

Nach jüngsten Erhebungen des Auswärtigen Amts gab es 2010 etwa 2,2 Millionen Deutschlerner in Russland; 2015 waren es noch 1,8 Millionen. Doch auch heute ist Deutsch nach Englisch die zweitbeliebteste Fremdsprache. Und bis 2020 wird in russischen Schulen eine obligatorische zweite Fremdsprache eingeführt. Für die deutsche Sprache ist das eine große Chance – und die Partnerschulinitiative PASCH will dabei eine wichtige Rolle spielen.

Dabei hilft eine große Projektvielfalt, zu der auch die mobile Kinderuni zählt. Sie zog 2016 etwa in Nischnij Nowgorod, Samara und Nowosibirsk insgesamt rund 1000 Besucher an. Ab Herbst 2016 wird sie auch online erreichbar sein, um den Schülerinnen und Schülern experimentell-spielerisch einen Grundwortschatz zu vermitteln, auf dem sie dann im Unterricht weiter aufbauen können. Die Deutsche Schule in Moskau (DSM) gehört von Anfang an zum PASCH-Netzwerk in Russland; hier entstand eines der ersten sogenannten Ressourcenzentren, ausgestattet mit Bibliothek, Lehr- und Lernmaterialien und Medientechnik. Viele PASCH-Projekte werden von der DSM koordiniert: Sportveranstaltungen, Theatertage, Vorlesewettbewerbe und zuletzt Ende April 2016 der Grand PASCH, der Deutschlerner-Grandprix. Die Aula der DSM war übervoll, Teilnehmer waren auch aus dem Umland angereist. Deutsche und russische Schüler performten gemeinsam deutschsprachige Songs. Violeta Schauff, Leiterin des DSM-Ressourcenzentrums, betont: „Projekte gibt es ja viele, aber die Begegnungen müssen intensiviert werden – sowohl sprachlich als auch menschlich.“ Das beliebteste Projekt sei dabei der mehrmals pro Halbjahr stattfindende Schüler-Unterrichtsbesuch, sagt Schauff. Schüler der 9. und 10. Klassen anderer Schulen kommen für einen Tag in den Unterricht an der DSM, erleben ihre Wunschfächer auf Deutsch und auch eine neue Kultur. „Für viele ist es das erste Stück Deutschland, das sie kennenlernen“, erzählt Schauff.

Neben den Schülern stehen natürlich auch die Lehrkräfte im Fokus der PASCH-Initiative. Die Zahl der Deutschlehrerinnen und -lehrer in Russland ist in den vergangenen zehn Jahren von 36 000 auf 14 000 zurückgegangen, über ein Drittel ist im Rentenalter. Darum fördert PASCH immer auch die Weiterbildung der Lehrer. Dazu gehören regelmäßige Fortbildungen, wie der jährliche „Methodentag“ an der DSM, aber auch Pilotprojekte wie „Umwelt macht Schule“, welches gemäß dem CLIL-Prinzip (Content and Language Integrated Learning) Fachlehrer darin ausbildet, Chemie, Biologie oder Geografie auch in der Fremdsprache vermitteln zu können. „PASCH ‚pilotiert‘ oft neue Konzepte“, sagt Anne Schönhagen, stellvertretende Institutsleiterin des Goethe-Instituts Moskau und als Leiterin der Sprachabteilung auch mit PASCH betraut. Erst im April 2016 fand eine Fachkonferenz in Berlin statt, wo sich die Teilnehmer aus Belarus, Kirgisien, Kasachstan, der Ukraine, Georgien, Russland und Deutschland zu Umweltthemen austauschten. „Sie waren wie beseelt davon, wie sie zusammen eine bessere Welt schaffen können“, berichtet Anne Schönhagen.

Als krönender PASCH-Abschluss für Schüler gilt übrigens die „Studienbrücke“: Mit Unterstützung von Volkswagen und der Universitätsallianz Ruhr bekommen besonders erfolgreiche Absolventen einer PASCH-Schule einen Studienplatz in Deutschland – ganz ohne Vorstudium oder Studienkolleg. Eine wichtige Motivation: Laut einer Umfrage des Goethe-Instituts möchte von 10 000 befragten Deutschlernern die Hälfte in Deutschland studieren. „Investiert man nachhaltig in innovative Projekte, dann wächst die Nachfrage nach Deutsch“, betont Anne Schönhagen. PASCH sei dafür das beste Beispiel. ▪

Peggy Lohse