PASCH: Ein vielfältiges Netzwerk

Die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) ist auch in der Türkei sehr aktiv.

Für mich klingt Deutsch super!“ So antwortet eine Elftklässlerin in einem Videoclip auf die Frage, warum sie Deutsch lernt. Ihre Begeisterung ist unüberhörbar. Nüchterner klingt ihr Mitschüler, der erklärt, warum er Deutsch als erste Fremdsprache gewählt hat: „Vielleicht werde ich ja mal nach Deutschland gehen.“ Die beiden Jugendlichen sind Schüler des İzmir Kız Lisesi. Sie haben ein deutschsprachiges Theaterstück geschrieben und sich damit an einem Wettbewerb der PASCH-Schulen beteiligt.

PASCH: Dieses Kürzel steht für „Schulen: Partner der Zukunft“. Ins Leben gerufen hat dieses Netzwerk Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier im Jahr 2008. Seitdem haben sich ihm weltweit mehr als 1800 Schulen in 129 Partnerländern angeschlossen. In der Türkei gehören inzwischen 20 Schulen dazu, darunter elf staatliche und neun private Bildungseinrichtungen in Adana, Alanya, Ankara, Antalya, Eskişehir, Erzurum, Gölcük, Istanbul, Izmir, Kayseri, Samsun und Trabzon. Das İzmir Kız Lisesi war die erste PASCH-Schule in der Türkei, als jüngstes Mitglied trat dem Netzwerk im Herbst 2013 das naturwissenschaftliche Çapa Fen Lisesi in Istanbul bei. Die türkischen Partnerschulen bieten nicht nur Deutsch als Fremdsprache an, sondern beteiligen sich auf unterschiedliche Weise an unterrichtsbegleitenden Projekten. Mal erforschen Schüler die Umwelt, mal drehen sie Filme, musizieren zusammen oder schreiben eigene Theaterstücke und bringen sie auf die Bühne. Das İzmir Kız Lisesi beispielsweise gehört zu den Schulen, die regelmäßig Sommercamps veranstalten. 2016 nehmen daran mehr als 50 Schüler teil, darunter auch elf Jugendliche aus Deutschland.

Ein zweiwöchiges Sommercamp veranstaltet auch das Trabzon Fen Lisesi. Das naturwissenschaftlich ausgerichtete Gymnasium bietet ein Projekt an, das sich mit der Umweltverschmutzung beschäftigt. „Ich und Plastik“ lautet das Motto der Workshops, an dem 43 türkische und 12 deutsche Schüler teilnehmen werden. Während vormittags die türkischen Jugendlichen Deutsch und die deutschen Jugendlichen Türkisch lernen, widmen sie sich nachmittags gemeinsam der Projektarbeit. „Das Thema Umweltschutz soll Schüler der Partnerschulen als Gestalter der künftigen Welt im Rahmen von internationalen Begegnungsprojekten an globale Probleme heranführen“, sagt Zarife Soyluçiçek. Sie ist Mitarbeiterin des Goethe-Instituts in Ankara und koordiniert im Auftrag des Auswärtigen Amts das türkische PASCH-Netzwerk, für das die Spracharbeit eine besondere Rolle spielt. So beteiligten sich 2016 zum Beispiel zehn Schüler aus mehreren türkischen Partnerschulen an der Vorrunde für die internationale Deutscholympiade, die das Goethe-Institut und der Internationale Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband ausrichten. Die 16-jährige Deren Esencan hat sich in der Niveaustufe A2 für den Wettbewerb qualifiziert. Sie ist Schülerin des privaten Adana Gündoğdu Koleji und fliegt im Juli zum Finale nach Berlin.

Dem PASCH-Netzwerk anzugehören biete insbesondere den Privatschulen die Möglichkeit, das eigene Schulprofil zu schärfen, erklärt Zarife Soyluçiçek. Den Jugendlichen, deren Eltern keine Auslandsaufenthalte finanzieren könnten, öffne der Besuch einer PASCH-Schule wiederum „ein Tor zu Welt“. Konkrete Eindrücke vom Studium und Leben in Deutschland bekommt eine Gruppe türkischer PASCH-Schüler im Herbst 2016. Die Teilnehmer der „Schnupperstudienreise“ fliegen für zwei Wochen nach Bayern, besuchen dort mehrere Universitäten und lernen Studienangebote kennen. Die Schüler der Partnerschulen seien extrem motiviert, Deutsch zu lernen, berichtet Projektkoordinatorin Soyluçiçek – nicht zuletzt, weil sich viele für ein Studium in Deutschland interessierten. ▪

Canan Topçu