Zukunftsberuf: Solarfachkraft

Die Berliner Renewables Academy (RENAC) bietet weltweit Schulungen für die Installation Erneuerbarer Energien an. Ein Beispiel aus Malaysia.

picture-alliance/dpa - Smog over Kuala Lumpur

Sechs Stunden scheint die Sonne in Malaysia jeden Tag im Durchschnitt. Das bedeutet auch: Sechs Stunden Energie, mit der viele Menschen versorgt werden könnten. Bislang wird diese Energie kaum genutzt – Photovoltaikanlagen sind noch selten. Für Strom sorgen vor allem Kohlekraftwerke und – insbesondere in Gebieten fern der allgemeinen Stromversorgung – Dieselgeneratoren. Die aber sind teuer und schaden der Umwelt. Photovoltaikanlagen wären nicht nur eine günstige, sondern auch eine nachhaltige Alternative. Die Solarmodule könnten innerhalb kürzester Zeit auf Dächern oder anderen Flächen aufgebaut werden. Die Technologie ist inzwischen weltweit verfügbar – und das zu günstigen Preisen.

„Für den Erfolg der Solartechnik ist neben der Sonne die wichtigste Ressource der Mensch“, sagt Jens Altevogt. Er ist Projektleiter bei der Berliner Renewables Academy (RENAC) und verantwortet die Solarkurse der privaten Bildungseinrichtung. Seit einiger Zeit steigt in Malaysia das Interesse für alternative Energiequellen. Das Problem: „Noch gibt es in Malaysia nur wenige Menschen, die sich mit der Technik auskennen und eine Anlage planen, installieren, reparieren oder warten können“, erläutert Altevogt. Eine spezielle Ausbildung für neue Berufsbilder in der Energiebranche gab es lange nicht. Das soll sich nun ändern: Das Selangor Human Resource Development Centre, eine Art Handwerkskammer, hat die RENAC und ihre Projektpartnerin, die Handwerkskammer Aachen, beauftragt, Solartrainer in Malaysia auszubilden. Sie sollen solares Know-how bündeln und später selbständig im Land in enger Anlehnung an die Standards der deutschen Weiterbildung zur Fachkraft für Solartechnik an lokale Handwerker weitertragen.

Welches Material und welche Kenntnisse benötigen die Ausbilder? Wie sollte ein handwerklich orientiertes Trainingszentrum aufgebaut sein? Welche Gesetze und Normen gibt es für Photovoltaikanlagen in Malaysia? Wie hält man einen guten Vortrag? Diese und weitere Fragen haben Altevogt und seine Berliner Kollegen 2013 in dem „Train-the-Trainer“-Projekt beantwortet. Mit Hilfe der neuen Ausbilder soll sich die Photovoltaik nun so schnell wie möglich in Malaysia etablieren.

Die Berliner Renewables Academy (RENAC) bietet seit 2008 weltweit Schulungen und Dienstleistungen für öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und Organisationen an. In Onlinekursen, Workshops und Seminaren informieren sich die Teilnehmer über Erneuerbare Energien. Neben der Technologie geht es um Themen wie Projektmanagement, Finanzierung, Recht oder Standards. Die unabhängige Akademie arbeitet mit zahlreichen Institutionen wie Handwerks- und Außenhandelskammern zusammen und möchte diese Kooperationen in Zukunft ausbauen. Darüber hinaus bietet die RENAC in Zusammenarbeit mit Berliner Hochschulen zwei Masterstudiengänge an. Neben dem Projekt in Malaysia betreuen die 24 Berliner Mitarbeiter der RENAC zahlreiche weitere Initiativen rund um alternative Energiequellen – in 134 Ländern und mit insgesamt 3400 Teilnehmern. „Unser Ziel ist es, weltweit Wissen über Erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu vermitteln. Und zwar zugeschnitten auf die unterschiedlichen Zielgruppen und in den jeweiligen Sprachen“, erläutert Berthold Breid, Geschäftsführer der RENAC.

Als er die Akademie gründete, gab es keine vergleichbare Einrichtung – weder in Deutschland noch international. Dabei war der Bedarf an beruflicher Weiterbildung in diesem Bereich groß. Das wusste Breid, weil er zuvor für die Deutsche Energieagentur und die Europäische Union Projekte zur Förderung der Photovoltaik und Solarthermie in Berlin und weltweit betreut hatte. „Der technische Fortschritt im Energiebereich erfordert neue Ausbildungskonzepte, aber diese waren 2008 kaum entwickelt.“ Heute belegen die Teilnehmer Onlinekurse und treffen in Praxiseinheiten aufeinander, in denen sie zum Beispiel Solarmodule zusammenschrauben. Bei diesen Präsenzterminen arbeiten sie unabhängig von institutionellen oder geographischen Grenzen zusammen und profitieren von der Erfahrung der anderen Teilnehmer. „Ich bin immer wieder überrascht, zu welchen Synergieeffekten das führt“, so der RENAC-Chef. ▪

Clara Görtz