Die US-Armee in Deutschland

Warum in Deutschland das größte amerikanische Truppenkontingent in Europa stationiert ist.

Ein Generalleutnant vom US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Spangdahlem
Ein Generalleutnant vom US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Spangdahlem dpa

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sind Mitglieder der US-amerikanischen Streitkräfte an mehreren Standorten in Deutschland stationiert. Waren es 1985, also sechs Jahre vor Ende des Kalten Krieges, noch 246.875 Soldaten, ist die Zahl bis zum Dezember 2018 auf 35.220 gesunken. Neben den aktiven Militärangehörigen befinden sich heute 440 Nationalgardisten beziehungsweise Reservisten sowie 11.096 Zivilangestellte der US-Armee im Land. In Deutschland ist damit weiterhin das größte amerikanische Truppenkontingent in Europa stationiert.

Grundlage für die Stationierung war nach Kriegsende zunächst das Besatzungsrecht. Heute ergibt sie sich aus dem sogenannten Aufenthaltsvertrag, der im Oktober 1954 zwischen Deutschland und acht Vertragspartnern abgeschlossen wurde. Die Rechte und Pflichten der Soldaten, zu denen unter anderem zahlreiche Privilegien und Immunitäten zählen, ergeben sich aus dem NATO-Truppenstatut von 1951 sowie dem Zusatzabkommen zum NATO-Truppenstatut von 1959.

Das amerikanische Truppenkontingent in Deutschland verteilt sich heute auf elf Haupt- und mehrere kleine Standorte, der Großteil davon liegt in Rheinland-Pfalz. Während die kleineren Stützpunkte vor allem für logistische Aufgaben und Ausbildung zuständig sind, besitzen die Hauptstandorte wichtige Bedeutung für aktuelle Kampfeinsätze der US-Streitkräfte. Der Luftwaffenstützpunkt in Ramstein etwa fungiert als logistischer Knotenpunkt fast aller Auslandseinsätze der US-Armee im Nahen Osten und spielt als Fernmelderelaisstation darüber hinaus eine wichtige Rolle für den Datenverkehr mit unbemannten Luftfahrzeugen. In Weilerbach bei Kaiserslautern entsteht aktuell das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten, es soll 2022 fertig sein. Und die Heeresgarnison Stuttgart beinhaltet das Hauptquartier von AFRICOM, das alle US-Operationen in Afrika koordiniert.

Das zukünftige Militärkrankenhaus der USA in Weilerbach
Das zukünftige Militärkrankenhaus der USA in Weilerbach HOK/HWP Architekten/dpa

Aufgrund ihrer geographischen Lage besitzt die Bundesrepublik besondere strategische Bedeutung für die amerikanischen Streitkräfte. Trotzdem sank die Zahl der US-Truppen in Deutschland in den vergangenen Jahren tendenziell und mehrere Standorte wurden geschlossen. Ein Grund dafür ist die Verschiebung der sicherheitspolitischen Bestrebungen der Vereinigten Staaten, die sich zunehmend auf den asiatisch-pazifischen Raum konzentrieren. Trotzdem kündigte das US-Hauptquartier in Wiesbaden im September 2018 an, dass rund 1.500 zusätzliche Soldaten bis 2020 aus den USA nach Deutschland verlegt werden sollen. 2019 sollen zudem 570 Millionen Dollar in den Ausbau der Armee-Standorte in Rheinland-Pfalz fließen.

Für die Wirtschaft der Regionen hat die Präsenz der US-Armee einen positiven Effekt: Soldaten und ihre Angehörigen mieten und kaufen Wohnungen, nutzen örtliche Freizeitmöglichkeiten und kaufen in den Geschäften der deutschen Städte ein. Zudem entstehen auch Arbeitsplätze für Nicht-Amerikaner: 2014 waren 6.154 deutsche Zivilangestellte für die US-Armee tätig. Andererseits investiert der Bund auch in die militärischen Einrichtungen: Beim Bau der Armeeklinik in Weilerbach ist er mit rund 151 Millionen Euro an den Planungskosten beteiligt