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Eine Frau mit Essenspaketen vor einer Trümmerlandschaft
Die Lebensmittelversorgung ist in vielen Gegenden weiterhin nicht gesichert. © picture alliance / Sipa USA | JNA PRESS

Langer Weg zur Normalität

Die Folgen des Erdbebens in Venezuela sind weiterhin dramatisch. Deutsche Hilfsorganisationen unterstützen und planen langfristig. 

04.09.2026Ralf Isermann Ralf Isermann

In Venezuela sind nach dem Erdbeben Ende Juni 2026 weiterhin viele Häuser unbewohnbar, zahllose Menschen haben ihre Existenzgrundlage verloren, und nach wie vor gibt es in manchen Gegenden keine sichere Wasser- und Lebensmittelversorgung. Deutschland stellt für Venezuela deshalb zusätzliche 5,5 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Verfügung. Die Mittel fließen teilweise in den Venezuela Humanitarian Fund der Vereinten Nationen, zum Teil an Caritas und Diakonie. 

Hilfe bis 2029 

Schon vor dem Erdbeben war Venezuela ein Schwerpunktland der Diakonie Katastrophenhilfe (DKH) in Lateinamerika. Nun werde ein zusätzliches Programm für die Betroffenen des Erdbebens geplant, das bis ins Jahr 2029 laufen soll, so ein Sprecher der Organisation in Berlin. Die DKH arbeitet dabei vor allem mit lokalen Partnerorganisationen zusammen.  

Zwei Männer verteilen Lebensmittel.
Lokale Partner der Hilfsorganisation „Help – Hilfe zur Selbsthilfe“ geben Essen aus. © Convite/Help – Hilfe zur Selbsthilfe

Auch private Hilfsorganisation aus Deutschland sind in Venezuela aktiv, etwa „Help – Hilfe zur Selbsthilfe“. Deren Nothilfekoordinatorin Simone Walter sagt: „Die Lage in Venezuela ist nach wie vor katastrophal. Gerade in Städten wie La Guaira, die im Epizentrum der Erdbeben lagen, liegt kein Stein mehr auf dem anderen.“ Viele Menschen stünden vor dem Nichts. An vielen Orten suchten Familien noch immer nach den Überresten ihrer seit dem Erdbeben vermissten Angehörigen – „zum Teil mit bloßen Händen“.  

Unsere Erfahrung zeigt, dass die Hilfe nach einer solchen Katastrophe viele Jahre in Anspruch nehmen kann.
Simone Walter, Nothilfekoordinatorin bei der Organisation Help

Help arbeitet ebenfalls mit lokalen Hilfsorganisationen zusammen. „Unsere Erfahrung in der Erdbebenhilfe – beispielsweise nach dem schweren Erdbeben in der Türkei und Syrien 2023 – zeigt, dass die Hilfe nach einer solchen Katastrophe viele Jahre in Anspruch nehmen kann“, sagt Walter. „Auch im Fall Venezuela müssen wir davon ausgehen, dass die Menschen noch sehr lange Unterstützung benötigen werden.“ 

Große Spendenbereitschaft 

Help gehört zur „Aktion Deutschland hilft“, einem Bündnis von Hilfsorganisationen. Die Spendenbereitschaft der Deutschen war nach der Katastrophe groß. Bis August 2026 gingen fast 15 Millionen Euro an Spendengeldern bei der Aktion ein. Von dem Geld wurden Sofortmaßnahmen zur Bergung und Rettung von Menschen sowie mobile Krankenstationen, die Verteilung von Trinkwasser und Mahlzeiten sowie Schutzräume und Zelte finanziert. 

Auch die deutsche Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“ ist in Venezuela aktiv. „Wir konzentrieren uns derzeit darauf, die Hilfe in La Guaira auszubauen und so auch Menschen in bislang schwer zugänglichen oder nur unzureichend versorgten Gemeinden zu erreichen“, sagt eine Sprecherin in Berlin. „Mit mobilen medizinischen Teams ist Ärzte ohne Grenzen in Caracas sowie in Maiquetía, Catia La Mar, Tanaguarena, Caraballeda und Naiguatá im Bundesstaat La Guaira im Einsatz.“  

Psychologische Erste Hilfe 

Viele Menschen litten außerdem noch immer unter Trauer, Angst und den Folgen der Flucht nach dem Erdbeben. Deshalb biete die Organisation Einzelgespräche, psychologische Erste Hilfe und Gruppenangebote an, auch speziell für Kinder. Zusätzlich leiste die Organisation in einer Leichenhalle in La Guaira gezielte psychosoziale Hilfe für Familien, die nach vermissten Angehörigen suchen.