„Wir sind Vorbilder“

Satou Sabally sorgt für Aufsehen: Als deutsche Spielerin in der US-Basketballliga WNBA und als Athletin mit politischem Bewusstsein.

Mit Zug zum Korb: Satou Sabally (l.), hier noch im Oregon-Trikot
Mit Zug zum Korb: Satou Sabally (l.), hier noch im Oregon-Trikot picture alliance/dpa

Das zwölfjährige Mädchen auf dem Foto mit Basketballerinnen ihrer Altersgruppe sieht noch ziemlich schüchtern aus. Die Haare zu einem langen Zopf geknotet, blickt sie im Frühjahr 2011 in die Kamera, als sei sie unsicher, ob sie bei diesem Talent-Lehrgang im westdeutschen Oberhausen richtig ist.

Neun Jahre später, eine Szene im amerikanischen Sommer in einer Sporthalle in Bradenton, Florida: Satou Sabally, inzwischen 1,89 Meter groß und die überragende Schaltstelle im Spiel der Dallas Wings, wirkt alles andere als zurückhaltend, bewegt sich selbstbewusst im Getümmel ihres ersten Spiels als Profi-Basketballerin in den USA.

Satou Sabally hat das wichtigste Zwischenziel ihrer Karriere erreicht. Sie spielt in der Women’s National Basketball Association, kurz WNBA, der besten Profi-Liga der Welt. Dort pusht sie ihr Team, das in der letzten Saison noch am Tabellenende stand, im Kampf um die Meisterschaft in der wegen der Corona-Pandemie abgeschotteten Quarantäne-Atmosphäre in Florida. Jedes Spiel wird live vom Fernsehen ausgestrahlt. 68.000 Dollar verdient Satou Sabally in der nur viermonatigen Saison, die es ihr zudem gestattet, im Laufe des Winters in der Türkei für Fenerbahçe Istanbul anzutreten.

Geboren in New York, aufgewachsen in Berlin

Wer wissen will, wie das alles so schnell gehen konnte mit der Tochter eines gambischen Vaters und einer deutschen Mutter, die in New York geboren wurde, in Berlin aufwuchs und an der Universität in Oregon zu einer brillanten Basketballerin ausgebildet wurde, sollte sich anschauen, wie sie mit dem Ball hantiert. Ihr College-Trainer Kelly Graves hatte das schon früh gewusst: „Wenn du beobachtest, wie sie spielt, bist du davon hypnotisiert.“ Basketballerinnen wie Sabally sind selten: Sie ist groß, athletisch und verfügt zugleich über eine beachtliche Grundschnelligkeit sowie ein besonderes Geschick im Umgang mit dem Ball. Und sie verfeinerte in Oregon ihr spielerisches Repertoire und kultivierte ihren Korbwurf von jenseits der Drei-Punkte-Linie.

In ihrer deutschen Heimat wurde Sabally bislang gerne mit Europas bestem Basketball-Export, dem Würzburger Dirk Nowitzki verglichen. Erst recht, als der WNBA-Klub Dallas Wings sie im Frühjahr 2020 als Zweite bei der Draft der besten Nachwuchstalente auswählte. Abgesehen von ihrem neuen Arbeitsplatz – Nowitzki spielte während seiner gesamten US-Karriere für die Dallas Mavericks – gibt es aber keine Überschneidungen. Zumal sich Sabally deutlich als politische Person definiert. Das machte sie bereits als Studentin in Oregon über die Sozialen Medien, als schwarze Athleten Polizei-Brutalität gegen Afro-Amerikaner anprangerten. „Mehr Athleten sollten sich zu sozialkritischen Themen äußern“, sagte sie in einem Interview mit dem Deutschlandfunk im April 2020. Im Juli wurde Sabally als führendes Mitglied des neuen Social Justice Council der WNBA ernannt, der sich unter anderem gegen Rassismus einsetzt. Zu Satou Saballys Anliegen zählt auch die Gleichberechtigung von Frauensport, den mehr männliche Athleten lautstark unterstützen sollten. „Wir Sportler sind in einer guten Position. Wir sind Vorbilder“, hebt die 22-Jährige hervor. Ihre jüngere Schwester Nyara scheint übrigens ähnlich talentiert und hat mit ihrem Wechsel zur Universität Oregon den gleichen Schritt Richtung Profi-Basketball vollzogen.

Ich bin stolz, schwarz zu sein. Jetzt genieße ich es herauszustechen.

Satou Sabally

Ihre sportliche Erfahrung in den USA hat Saballys Selbstbewusstsein erheblich gefördert. Damals, als sie als Teenager und Nachwuchshoffnung des deutschen Basketballs zu Lehrgängen fuhr, fühlte sie sich unwohl. „Ich wollte meine Haare glätten. Ich wollte meine Locken nicht zeigen“, sagte sie neulich dem Online-Lifestyle-Magazin RosaMag, das sich vor allem an afrodeutsche Frauen richtet. „Es ist echt krass, wie man manchmal einfach nur wie die Norm aussehen möchte. Aber jetzt sehe ich es als speziell an. Ich bin stolz, schwarz zu sein. Jetzt genieße ich es herauszustechen. Aber es ist ein Prozess – man muss lernen, sich selbst zu lieben, wenn man immer anders aussieht. Das ist einfach so!“

Längst fühlt sie sich als Kosmopolitin. Sie hat Heimweh nach Berlin, wenn sie woanders lebt, weil sie dort „einfach die meiste Zeit als Teenager verbracht“ hat. Aber kaum kehrt sie in die Stadt zurück, in der ihre Eltern leben und sechs Kinder groß gezogen haben, möchte sie am liebsten in die Heimat ihres Vaters in Westafrika. Und kurz darauf meldet sich die Lust auf das Leben in den USA wieder. Dort hat sie eine prominente Managementagentur im Rücken, die bereits die erste Public-Relations-Kampagne mit ihr auf die Beine gestellt hat. Der Slogan dafür war schnell gefunden und stand auf T-Shirts, die sie bei Fototerminen trug: „Mehr als ein Athlet“. Das ist sie – von Kopf bis Fuß.

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