Die Kraft des Wortes

Streiterin für die Demokratie: Die türkische Schriftstellerin Elif Şafak hat das Internationale Literaturfestival Berlin eröffnet.

Elif Şafak: Aufforderung, die Stimme zu erheben
Elif Şafak: Aufforderung, die Stimme zu erheben dpa

Der politische Diskurs gehört dazu: Fast schon traditionell wird beim Internationalen Literaturfestival Berlin die gesellschaftliche Kraft des geschriebenen Wortes diskutiert. Bei der 17. Auflage des unter anderen vom Auswärtigen Amt geförderten Festivals steht bis zum 16. September die Demokratie unter besonderer Beobachtung: Wie geht es ihr in Zeiten, in denen Populismus und Abschottungstendenzen weltweit zunehmen?

Vom 8. bis zum 10. September läuft dabei auch ein internationaler Kongress für Freiheit und Demokratie: Die Themen reichen von Jugendarbeitslosigkeit über die Instrumentalisierung von Sprache bis zur Bedeutung digitaler Technologien. Und natürlich erheben auch jenseits des Kongresses Autoren aus aller Welt ihre Stimme für die Freiheit des Wortes. Zu den Gästen des Literaturfestivals gehören beispielsweise Salman Rushdie und Arundhati Roy.

Wohlmeinende Diktaturen gibt es nicht

Den Anfang machte die türkische Autorin Elif Şafak mit ihrer Festival-Eröffnungsrede im Haus der Berliner Festspiele. Dabei setzte sich Şafak, die in London und Istanbul lebt, auch mit weit verbreiteten Zweifeln an der Demokratie auseinander: „Besonders in Ländern wie der Türkei und im Nahen Osten höre ich Menschen sagen: ‚Demokratie ist vielleicht westlich. Vielleicht passt sie einfach nicht zu unserem Charakter, unseren Traditionen, unserer Geschichte. Vielleicht brauchen wir einen starken Führer.‘“

Doch Şafak betonte, dass Begriffe wie „illiberale Demokratien“ oder „wohlmeinende Diktaturen“ in die Irre führten. „So etwas wie eine wohlmeinende Diktatur gibt es nicht. Und so etwas wie eine undemokratische Nation, die stabil ist, gibt es auch nicht.“ Die Autorin machte deutlich, dass sie die Demokratie weltweit in der Krise sieht – und forderte zum gemeinsamen Engagement auf. „Wenn die Welt sich verändert, sollte sich auch die literarische Welt verändern. Deshalb möchte ich mich selbst und meine Schriftstellerkollegen dazu einladen, lauter die Stimme zu erheben zu dem, was gerade in der Welt passiert.“

Internationales Literaturfestival Berlin vom 6. bis zum 16. September 2017

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