Die East Side Gallery in Berlin

Mit rund 1,3 Kilometern Länge ist die East Side Gallery die größte Open-Air-Galerie der Welt.

dpa/Hans Wiedl - East Side Gallery

Entlang der Mühlenstraße in Berlin-Friedrichshain verläuft das längste zusammenhängende Stück Berliner Mauer, das dem Wandel der Zeiten trotzen konnte: die Eastside Gallery. Bereits 1990 wurde der Vorschlag der beiden schon vereinten deutschen Künstlerverbände umgesetzt, als erstes gesamtdeutsches Kunstprojekt das Mauerstück von Künstlern aus aller Welt bemalen zu lassen. Schnell entstanden mehr als hundert Gemälde, einige davon erlangten ikonographischen Weltruhm.

Der weltberühmte „Bruderkuss“

Von dem russischen Künstler Dmitri Wladimirowitsch Wrubel stammt etwa das Bild „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“, das den Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker zeigt. Der französische Maler Thierry Noir, der schon vor der Wende illegal die Mauer bemalte, schenkte ihr die „Hommage an die junge Generation“. Im Jahr 1991 wurde der Mauerstreifen unter Denkmalschutz gestellt. Die East Side Gallery bestand damals aus 106 Bildern auf 832 Beton-Elementen mit einer Breite von jeweils 1,20 Metern und einer Höhe von 3,60 Metern. 101 Gemälde konnten im Jahr 2009 durch die von dem iranischstämmigen Künstler Kani Alavi gegründete Initiative East Side Gallery restauriert werden.

Doch Ruhe ist längst nicht eingekehrt am deutsch-deutschen Grenzwall, an dem einst Soldaten mit Schießbefehl patroulierten. Zum einen stehen die Sanierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre in der Kritik. Einige Künstler sehen durch die Erneuerung ihrer Werke das Urheberrecht verletzt.  Darüber hinaus gab es im Jahr 2013 heftige Proteste gegen ein Hochhausprojekt hinter der Mauer und die damit verbundene weitere Zerstörung des Denkmals. Nun soll das weltberühmte Mauerstück an die südliche Stadtgrenze Berlins umziehen. Bleibt die Frage, ob die Open-Air-Galerie auch als „South Side Gallery“ ihre ursprüngliche Strahlkraft als Mahnmal der deutschen Einheit behält.

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