So geht Star heute

Wie Jannine Weigel aus Steinfurt als Ploychompoo in Thailand zum Social Media-Star wurde, verrät die 19-Jährige im Interview.

Jannine WeigeL: Ihr Stil kommt in Thailand an.
Jannine WeigeL: Ihr Stil kommt in Thailand an. Jannine Weigel

Jannine, wird man durch Social Media schneller ein Musik-Star?
Ja, ganz bestimmt! Die Leute bekommen viel leichter Zugang zu neuer Musik der verschiedensten Richtungen und man hat wesentlich bessere Chancen, auch unabhängig von den großen Labels Erfolg zu haben. Social Media hat es auch für mich viel einfacher gemacht, bekannt zu werden. Ohne Social Media hätte ich vielleicht den traditionellen Weg eingeschlagen und wäre wahrscheinlich zu Gesangwettbewerben gegangen. Diese Wettbewerbe bieten aber nur bestimmten Musikrichtungen und einer kleinen Auswahl an Künstlern eine Chance. Das ist auf den Social Media-Kanälen ganz anders. Hier findet jeder seinen Platz. Bei mir haben YouTube und Facebook sehr, sehr viel dazu beigetragen, dass ich international einem breitem Publikum bekannt geworden bin. Besonders geholfen hat mir, dass ich von Lil Wayne auf seiner Facebook-Seite mit meinem Coversong von „See You Again“ erwähnt wurde. Danach ging das Cover viral und hat bis jetzt fast 66 Millionen Klicks auf YouTube erreicht.

Wie wichtig ist Ihnen die direkte Interaktionen mit den Fans?
Für mich sind YouTube und die anderen Social Media-Kanäle mehr als nur Plattformen, um meine Musik zu präsentieren. Ich kann dort unmittelbar erfahren, was meine Fans denken und mich von ihnen anregen lassen. Es freut mich am meisten, wenn ich Nachrichten bekomme, dass ich junge Menschen inspiriere, weil das auch eines meiner Ziele ist. Ich habe auch weltweit viele neue Freunde durch Social Media gefunden, die die gleiche Leidenschaft für Musik haben wie ich. Dies wäre auf den klassischen Wegen kaum möglich gewesen.

Viele sind über Nacht Stars geworden, aber ,One Hit Wonder‘ geblieben.

Jannine Weigel

Gibt es Unterschiede zwischen der deutschen und thailändischen Musik-Industrie?
In Thailand sind Social Media-Stars und die klassischen Celebrities noch verschiedene Welten. Das liegt auch daran, dass viele Leute in Thailand quasi über Nacht Social Media-Stars geworden, aber dann auch oft „One Hit Wonder" geblieben sind. Das Social Media-Star-Image ist in Thailand im Vergleich zu Deutschland noch nicht so ausgeprägt. Es ist aber immer mehr zu beobachten, dass auch die klassischen Celebrities Social Media für sich entdecken, ihre eigenen YouTube Kanäle und Vlogs starten, und damit auch ihren Bekanntheitsgrad steigern. Nach meinem Eindruck sind in Deutschland bei den jungen Leuten Social Media- Stars beliebter als in Thailand und es engagieren sich mehr junge Leute in Deutschland aktiv auf Social Media als dies in Thailand der Fall ist.

Hat Social Media Ihre Musik verändert?
Für mich war es nie wichtig, das zu machen, was anderen Leuten gefallen könnte. Mein Bestreben war und ist es, meinen eigenen Sound zu finden und das zu machen, was mich als Person repräsentiert. Hier hat mir Social Media sehr geholfen, neue Trends in der Musik zu finden, die ich sonst wohl nicht gefunden hätte. Aber Social Media hat auch seine Schattenseiten, wie ich selbst vor einigen Jahren erfahren musste, als ich massiven Cybermobbing-Angriffen in Thailand auf Twitter ausgesetzt war. Natürlich hat mich das auch sehr getroffen, aber es hat mich auch zu meinem neuen Song „Words" inspiriert, mit dem ich allen Anfeindungen die Antwort gebe, dass ich mich nicht zum Mobbingopfer machen lasse, sondern dagegen kämpfe und am Ende auch siege.

Hat Social Media die Musikindustrie verändert?
Social Media eröffnet uns die Möglichkeit, die ganze Palette an den verschiedenen Musikrichtungen zu entdecken und zu erfahren – auch gerade solche, die nicht im „Mainstream" mitschwimmen."Lil nas x" ist im Moment ein sehr gutes Beispiel dafür. Wir Künstler haben wesentlich mehr Möglichkeiten und Freiheiten – auch mit geringen finanziellen Einsatz – unsere Werke der Welt zu präsentieren. Das ist das Beste und Schönste, was Social Media uns Künstlern bietet.

Interview: Christina Iglhaut

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