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Carsten Schneider
Bundesumweltminister Carsten Schneider setzt sich für erneuerbare Energien ein. © picture alliance / photothek.de | Thomas Trutschel
Klimaschutz

„Die COP31 kann eine echte Fortschrittskonferenz werden“

Weltklimakonferenz in Antalya: Bundesumweltminister Carsten Schneider erklärt, wie die Erderwärmung wieder auf 1,5 Grad sinken kann. 

06.11.2026Kim BergInterview: Kim Berg

Herr Bundesminister Schneider, mit welchen Erwartungen reisen Sie zur Weltklimakonferenz COP31? 

In Antalya geht es darum, dass wir schneller mehr tun können beim Klimaschutz. Ich werde dafür werben, dass wir dabei so konkret werden wie möglich: mit dem Thema Elektrifizierung, mit länderspezifischen Fahrplänen raus aus den Fossilen, und indem wir neue Potenziale heben, zum Beispiel beim extrem klimaschädlichen SF6-Gas. Antalya kann eine echte Fortschrittskonferenz werden. Die schwierige Weltlage trägt mit dazu bei. Denn die wirtschaftlichen Vorteile der Abkehr von fossilen Energien liegen auf der Hand, weil sie Unabhängigkeit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz miteinander verbinden. Wir werden sehr viel mehr Unternehmen in Antalya sehen als letztes Jahr in Belém. Antalya wird also auch eine Wirtschaftskonferenz, die zeigt, welch große Chancen die Zukunftsmärkte rund um die Klimatechnologien bieten, gerade auch für deutsche Unternehmen. 

Die wirtschaftlichen Vorteile der Abkehr von fossilen Energien liegen auf der Hand, weil sie Unabhängigkeit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz miteinander verbinden.
Carsten Schneider, Bundesumweltminister

Was sind die drei wichtigsten Ziele, die Deutschland bei der COP31 erreichen möchte? 

Angesichts der klaren Sprache der Wissenschaft muss unser übergeordnetes Ziel sein, dass die Welt schneller wird beim Klimaschutz, um die Temperaturkurve so schnell wie möglich wieder auf 1,5 Grad zu drücken. Konkret kann die Weltklimakonferenz Dynamik entfachen in drei Bereichen: Mehr Länder könnten erstens mit konkreten Fahrplänen aufzeigen, wie sie die Abkehr von fossilen Brennstoffen organisieren. Zweitens kann es uns gelingen, die weltweite Elektrifizierung voranzubringen und so ein starkes Signal an die Märkte zu senden. Und drittens sollten wir die Anerkennung der Wissenschaft als Grundstein für unser Handeln weiter stärken. Auch das Voranbringen unserer globalen Ziele für den Erhalt, die Wiederherstellung und die Stärkung der Natur, der Meere und Wälder sollten auf der COP im Fokus stehen. 

Wo ist Deutschland beim Klimaschutz besonders stark?

Wir haben eine starke Clean-Tech-Wirtschaft in Deutschland. Darum eröffnet der Klimaschutz enorme Chancen für unsere Wirtschaft. Unsere Unternehmen stellen schon heute auf E-Flotten um. Sie nutzen Industriewärmepumpen, um Prozesse zu elektrifizieren, also direkt mit Strom zu betreiben. Die Kombination aus dem Ausbau der Erneuerbaren Energien auf der einen Seite und der konsequenten Elektrifizierung auf der anderen Seite senkt außerdem mittel- und langfristig die Energiekosten. Das verbessert unsere Wettbewerbsfähigkeit und sichert gute Arbeitsplätze. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 auf 57 Prozent gestiegen. Wir zeigen, dass der Clean-Tech-Bereich ein wachsender Wirtschaftssektor ist: in Deutschland schafft er neun Prozent der Wertschöpfung, über 3,4 Millionen Arbeitsplätze und durchschnittlich circa fünf Prozent Wachstum.