Deutsche Städte zum Anbeißen
Wie schmecken deutsche Städte? Spoiler: oft ganz anders, als man denkt – vor allem, wenn ein halber Hahn mitspielt, der kein Hahn ist.
Berlin: Currywurst – direkt und unkompliziert
In Berlin redet man nicht lange um den heißen Brei herum. Vielleicht passt deshalb die Currywurst so gut zur Hauptstadt: Wurst, Sauce, Currypulver, fertig. Sie wird an Imbissbuden serviert, meist mit Pommes oder Brot.
Oft gibt die Currywurst Anlass für Diskussionen: mit oder ohne Darm? Scharf oder mild? Welche Bude macht die beste Sauce?
So schmeckt Berlin: würzig, scharf und mit einer Portion Tomatensauce.
Hamburg: Fisch- und Franzbrötchen – charakterstark und bodenständig
Hamburg kann morgens nach Zimt und mittags nach Nordsee schmecken. Das Franzbrötchen, ein süßes Gebäck aus Plunderteig mit Zimt und Zucker, ist der ideale Begleiter für einen Spaziergang an der Alster. Es sieht aus, als hätte jemand ein Croissant zusammengedrückt – und genau das macht es unverwechselbar.
Am Hafen gehört dagegen ein Fischbrötchen in die Hand: etwa mit Matjes, Bismarckhering oder Krabben. Dazu passen Möwen, Schiffe und Nieselregen, der in Hamburg häufig vorkommt.
So schmeckt Hamburg: salzig, herb und manchmal auch süß mit viel Butter.
Köln: Kölsch und Halver Hahn – gesellig und humorvoll
Köln ist bekannt für Lebensfreude, Karneval und Gastfreundschaft. Das regionale Bier Kölsch wird in einem schmalen Glas serviert, der sogenannten Stange. Achtung: Die Kellner füllen meist ungefragt nach. Wer genug hat, legt den Bierdeckel auf das Glas – ein nützlicher Code, den Gäste schnell lernen sollten.
Zum Bier passt ein sogenannter Halver Hahn. Doch Vorsicht: Dabei handelt es sich nicht um ein halbes Hähnchen, sondern um ein Roggenbrötchen mit Käse, Zwiebeln und Senf. Warum es so heißt? Darüber gibt es verschiedene Geschichten. Dass die Speise ihre Gäste zunächst in die Irre führt, passt jedenfalls hervorragend zu einer Stadt, in der Humor zur Grundausstattung zählt.
So schmeckt Köln: malzig-süß, spritzig und oft anders als erwartet.
Frankfurt am Main: Grüne Soße – geschäftig und erstaunlich krautig
Frankfurts Skyline hat der Stadt den Spitznamen „Mainhattan“ eingebracht. Zwischen Banken, Messehallen und dem internationalen Flughafen wartet jedoch ein Gericht, das eher nach Garten als nach Großstadt klingt: die Frankfurter Grüne Soße.
Traditionell gehören sieben Kräuter hinein: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Serviert wird die kalte Sauce mit Kartoffeln und Eiern – manchmal auch mit Schnitzel. Dazu trinken die Frankfurterinnen und Frankfurter Apfelwein, auf Hessisch „Ebbelwoi“. Doch Vorsicht: Das Getränk ist nicht zu verwechseln mit Cider. Wer süß erwartet, wird herbe enttäuscht.
So schmeckt Frankfurt: frisch, säuerlich und viel grüner, als die Skyline vermuten lässt.
München: Weißwurst – traditionsbewusst und gemütlich
Tradition ist in München sehr wichtig, deshalb passt die Weißwurst perfekt zur Stadt. Denn die Münchner Weißwurst ist nicht einfach nur eine Wurst. Sie gehört zu Bayern wie der Eiffelturm zu Paris. Sie wird oft schon vormittags gegessen – einem alten Sprichwort zufolge soll sie das Zwölfuhrläuten nicht hören. Dazu gibt es süßen Senf, eine Brezel und meist ein Weißbier.
Die Wurst wird nicht einfach mit Messer und Gabel gegessen: Traditionell „zuzeln“ die Bayern das Brät mit den Fingern aus der Haut. Für Anfänger ist Besteck aber die elegantere Lösung.
So schmeckt München: mild, cremig und mit einer dezenten Süße.
Leipzig: Leipziger Lerche – kreativ und kultiviert
Keine Sorge: In der Leipziger Lerche steckt kein Vogel. Das kleine Gebäck aus Mürbeteig ist mit Marzipan, Mandeln und Konfitüre gefüllt. Sein Name erinnert allerdings an eine Zeit, in der Lerchen tatsächlich als Delikatesse galten.
Nachdem die Vogeljagd im 19. Jahrhundert verboten wurde, schufen Leipziger Bäcker eine süße Alternative. Das passt zur Stadt: Leipzig ist traditionsreich und zugleich erfinderisch.
So schmeckt Leipzig: nussig und süßer, als man zunächst denken mag.