Regionales_TU_Integration Strategy Group_02022017

Drei Städte, viele Ideen

Die „Integration Strategy Group“ blickt auf Integrationsprozesse in Istanbul, Tanger und Offenbach.
von Canan Topçu

„Die Zukunft Syriens mag ungewiss sein; ungewiss muss aber nicht die Zukunft der Kriegsflüchtlinge aus Syrien sein.“ Diesem Motto folgt die Initiative Small Projects Istanbul (SPI). Hinter dem Namen verbirgt sich eine NGO, die vor vier Jahren entstanden ist und sich aus Spenden finanziert. So klein ist das Projekt, in dem ein multiethnisches Team ehrenamtlich tätig ist, aber längst nicht mehr. Seit Sommer 2015 hat die sich auf Bildungsangebote konzentrierende Organisation im Istanbuler Bezirk Fatih eigene Räume. Dort stehen täglich zum Beispiel Türkisch- und Englischkurse für Kinder und Erwachsene oder Musikunterricht und Schmuckwerkstätten auf dem Plan.

SPI ist eines der Projekte, mit der sich die Integration Strategy Group (ISG) genauer befasst hat. Die ISG ein Gremium aus Fachleuten, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der German Marshall Fund of the United States (GMF) ins Leben gerufen haben. Experten aus Deutschland, Marokko und der Türkei widmen sich seit Herbst 2015 der Frage, welche kommunalen Strukturen die Integration von Migranten fördern können. Dabei konzentrieren sich die Fachleute neben Istanbul auch auf Tanger und Offenbach. Die hessische Nachbarstadt von Frankfurt am Main zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Einwohnern mit Migrationsgeschichte aus. Rund 60 Prozent der 130.000 Einwohner haben ausländische Wurzeln und stammen aus rund 160 Ländern.

„Kompetenzteam Integration“ in Offenbach

Es läuft zwar nicht alles „super“ in Offenbach im Bezug auf die Integration von Zugewanderten, aber angesichts der besonderen Bevölkerungsstruktur funktioniert in der Stadt die Integration von Zugewanderten gut. Das wird von offizieller Seite vor allem auf die kommunalen Strukturen zurückgeführt, zu dem das „Kompetenzteam Integration“ zählt. Dieses Gremium besteht aus Vertretern von Verwaltung, Polizei und Migrantenorganisationen und trifft sich mehrmals im Jahr. Diskutiert wird dann über Themen wie Wohnen, Arbeit und Bildung. Die vor zehn Jahren ins Leben gerufene Dialogplattform habe sich „bewährt“, sagt der Leiter des Offenbacher Amts für Integration, Matthias Schulze-Böing. Das Kompetenzteam Integration trage zur „Ko-Evolution“ bei, fördere also Lernprozesse in Migrantengemeinden wie auch in der Verwaltung.

Zugegeben: Auf den ersten Blick erscheint es abwegig, mit Istanbul, Offenbach und Tanger drei so unterschiedliche Städte in den Fokus einer Untersuchung zu nehmen. „Uns ist bewusst, dass sie sich aus wissenschaftlicher Sicht nicht vergleichen lassen“, erklärt Projektkoordinatorin Jessica Bither. Ausgewählt worden seien diese drei Orte gerade wegen ihrer abweichenden Strukturen. Anhand exemplarischer Beispiele aus drei Städten mit unterschiedlichen Parametern lasse sich deutlich machen, was Integration vor Ort jeweils bedeute. Es werde bewusst auf einzelne Projekten geschaut, um herauszuarbeiten, welche Instrumentarien die Integration von Migranten auf kommunaler Ebene unterstützen können. Zu den guten Beispielen aus der Integrationspraxis zählt die Integration Strategy Group etwa Small Projects Istanbul und das Offenbacher Kompetenzteam Integration.

Idee zur Integration Strategy Group

Lernprozesse fördern, das ist die Idee, der sich die ISG verpflichtet sieht. Hintergrund des auf zunächst drei Jahre angelegten Gemeinschaftsprojekts von GMF und GIZ ist, dass Marokko und die Türkei einst Länder waren, aus denen Menschen migrierten, nunmehr sind auch sie zum Zielland von Migranten geworden. „Beide Länder müssen sich zwangsläufig mit dem Thema Integration befassen“, sagt Jessica Bither. Anders als Deutschland hätten aber beide Länder noch wenig Erfahrung mit Integrationspolitik. Marokko habe 2013 als erstes nordafrikanisches Land begonnen, eine Integrations- und Asylpolitik zu entwickeln. Dabei wird die marokkanische Regierung von der GIZ beraten. Die GIZ wiederum hat die Integration Strategy Group initiiert, um den Erfahrungsaustausch zwischen Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft zu fördern und das Integrationsmanagement vor Ort zu optimieren.

Die Ergebnisse aus den bisherigen Treffen der Projektgruppe sind in zwei so genannten Policy Papers festgehalten. Veröffentlicht wurden sie unter den Titeln „In it for the long run: Integration lessons from a changing Germany“ und „A Tale of Three Cities: New migration and integration realities in Istanbul, Offenbach and Tangier“.

Integration gemeinsam aushandeln

Deutschland habe Erfahrungen mit der Integration von Migranten, im Projekt gehe es daher darum herauszufinden, was Marokko und die Türkei aus diesen Erfahrungen lernen könnten; das gelte auch für Fehler, sagt Astrid Ziebarth vom German Marshall Fund of the United States. Sie begleitet das ISG-Projekt und hat die beiden Papiere mitverfasst.

Istanbul, Tanger und Offenbach hätten mindestens einen gemeinsamen Nenner, sagt der Offenbacher Integrationsexperte Schulz-Böing, „nämlich, dass diese Städte bei der Integration von Migranten eine wichtige Rolle spielen“. Auch vom vergleichsweise kleinen Offenbach könnten Istanbul und Tanger durchaus etwas lernen, beispielsweise das Modell des Kompetenzteams Integration als ein Instrument des gemeinschaftlichen Aushandelns von Integrationsprozessen.

Integration Strategy Group

Die „Arrival City“ Offenbach

Dossier zu Migration und Integration

© www.deutschland.de

von Canan Topçu

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