Kurs auf den Weltrekord

10 Jahre, 50.000 Kilometer: Die deutsche Extremsportlerin Freya Hoffmeister wird ab Ende März 2017 Nordamerika mit dem Kajak umrunden.

dpa - Freya Hoffmeister

Eilig hat es Freya Hoffmeister nicht. Rund zehn Jahre hat sie für ihre Nordamerika-Umrundung veranschlagt, die sie in mehreren Etappen einmal über die Nordwestpassage und einmal über den Panamakanal von Seattle nach New York führen wird. „Eine faszinierende Landschaft, unterschiedliche Klimazonen: Nordamerika hat viel zu bieten“, sagt sie. Rund 50.000 Kilometer alleine unterwegs mit dem Kajak – für die Extremsportlerin ist es der bislang längste Trip.

Im Planen großer Routen hat sie jedoch Routine – und im Aufstellen von Rekorden. Die 52-Jährige paddelte als Erste rund um Südamerika; Australien und den Süden Neuseelands umrundete sie in Rekordzeit und als erste Frau. Und auch diesmal ist ein Weltrekord in Sicht. Dabei ist Freya Hoffmeister mit den Küsten Nordamerikas aus früheren Reisen vertraut. „Ich war schon unzählige Male in den USA, habe hier Vorträge zu meinen Touren gehalten oder an Kajak-Symposien teilgenommen“, erzählt sie. „So, aber auch über das Internet habe ich bereits viele Kontakte geknüpft.“

„Adventurer of the Year“

Ihre nordamerikanischen Bekannten freuen sich bereits auf Hoffmeisters Ankunft in Seattle: Dank ihrer Abenteuerlust und ihres Könnens ist die Paddlerin nicht nur in der Kajak-Szene seit Jahren ein Star. Im Rahmen der World Paddle Awards wurde sie zur „Sportswoman of the Year 2014“ gekürt; National Geographic wählte sie 2016 zum „Adventurer of the Year“. „In Nordamerika habe ich besonders viele Fans“, so Hoffmeister. „Alle zwei bis drei Wochen werde ich ihre Gastfreundschaft in Anspruch nehmen, es ist schön für mich, wenn ich ab und zu einen Anlaufpunkt habe.“ Ist kein Dorf mit Supermarkt in der Nähe, sorgt die Sportlerin selbst für sich: Wasser und Lebensmittel sowie Zelt und Campingkocher hat sie in ihrem Langstreckenboot für bis zu vier Wochen immer mit dabei. „Ab und zu brauche ich aber auch mal etwas Frisches zum Essen“, sagt sie. „Morgens Haferflocken mit Instantmilch, mittags Nüsse und Energierigel, abends Reis oder Nudeln – mit der Zeit wird das dann doch sehr eintönig.“

Freya Hoffmeister

Die erste Etappe entlang der nordamerikanischen Küste wird sie rund 5.000 Kilometer in den Norden führen. „Die Arktis ist nur im Sommer mit dem Kajak zu schaffen“, sagt Hoffmeister. „Im Winter macht das Eis die Strecke unpassierbar.“ Nicht nur deshalb werde sie vor Weihnachten für kurze Zeit in ihre norddeutsche Heimatstadt Husum zurückkehren. „Ich betreibe hier zwei  Eiscafés und einen Weihnachtsladen, da möchte ich ab und zu nach dem Rechten schauen“, sagt sie. „Meine Geschäfte sichern mir meine Existenz, anders als viele Abenteuersportler bin ich dadurch nicht auf Sponsoren angewiesen, auch wenn ich gerne mit ihnen arbeite und auch recht viele habe.“ Auch ihr Lebensgefährte und ihr Sohn freuen sich über ihre zwischenzeitliche Rückkehr.

Nach der Schwangerschaft vor über 20 Jahren stieg die heute weltbekannte Expeditionspaddlerin vom Fallschirmspringen auf das Kajak um. „Zuerst bin ich an der deutschen und dänischen Küste entlanggepaddelt, mein Kind hatte ich immer in der Gepäckluke mit dabei“, erinnert sie sich. „Die Inseln, die ich umrundete, wurden mit der Zeit größer, und als mein Sohn dann nicht mehr mit an Bord war, habe ich mich vom ruhigen Fahrwasser in rauere Gewässer gewagt.“  

Keine Angst, aber Respekt

Den Herausforderungen der aktuellen Mammuttour sieht die erfahrene Extremsportlerin gelassen entgegen. Denn Angst vor schlechtem Wetter oder wilden Tieren hat sie nicht – aber Respekt. „Haie gibt es in allen Meeren, von ihnen wurde ich schon öfters besucht“, sagt sie. Vor der Küste Australiens war ein großer, wahrscheinlich Weißer Hai dann zu neugierig und hat in das Heck ihres Schiffes gebissen. „Sowas ist zwar unwahrscheinlich, kann aber im Grunde jederzeit wieder passieren.“

Extrem Paddl

In Nordamerika gehe zudem insbesondere von den Bären Gefahr aus, an Land und im Wasser gleichermaßen. „Bei den Braun- und Schwarzbären heißt es Abstand halten und kein Essen am Camp haben. Die Eisbären sind aggressiver, da nehme ich für den Notfall eine Waffe mit“, so Hoffmeister. Im Polarmeer werde sie wahrscheinlich ausnahmsweise gemeinsam mit anderen paddeln: „Das ist sonst vielleicht zu riskant.“ Für die meisten anderen Strecken wird sie allerdings ohne Begleitung unterwegs sein. „Auch vor der Einsamkeit fürchte ich mich nicht“, sagt Freya Hoffmeister. „Ich halte es gut mit mir alleine aus.“

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