Ein Förderer der Chancenvielfalt

Nihat Sorgeçs Einsatz für das Menschenrecht Bildung.

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Wenn Nihat Sorgeç über das Bildungswerk Kreuzberg (BWK) spricht, dann ist immer die Rede von der „Firma“. Dabei ist das Unternehmen, an dessen Spitze er steht, in erster Linie eine Ausbildungsstätte. Als geschäftsführender Gesellschafter des BWK engagiert sich Sorgeç seit vielen Jahren für sozial benachteiligte Jugendliche und junge Menschen. Die „Firma“ ermöglicht ihnen das, was auch für Sorgeç der erste Schritt zum Erfolg war: einen Beruf zu erlernen.

Die Angebote des BWK richten sich vor allem an Menschen mit Migrationsbiografien. Schwerpunkte der Einrichtung sind Berufsvorbereitung und Berufsausbildung für Jugendliche sowie Weiterbildung und Umschulungen für Erwachsene. Zudem werden Unternehmern mit Migrationshintergrund Existenzgründerkurse angeboten. Jugendliche, die an einer Ausbildung im öffentlichen Dienst, in Verwaltungsberufen oder im Mittleren Dienst bei der Polizei interessiert sind, werden in grundlegenden Kursen auf das Aufnahmeverfahren vorbereitet.

An vier Berliner Standorten begleiten und betreuen inzwischen rund 100 Mitarbeiter Jugendliche und Erwachsene auf dem Weg zum Berufserwerb. Derzeit nehmen mehr als 700 Frauen und Männer an Ausbildungs- oder Weiterbildungskursen des BWK teil; das Unternehmen bietet Lehrgänge in mehr als 20 Berufsfeldern an – in kaufmännischen und technischen Bereichen sowie Dienstleistungssparten wie Hotel und Gastronomie, Floristik, Kosmetik und im Friseurgewerbe. Bestandteil einiger Ausbildungen sind sogar Praktika im europäischen Ausland.

„Den Menschen niemals aufzugeben, das ist unsere Philosophie. Resignation hat bei uns keine Chance“, so hat Nihat Sorgeç einmal den Ansatz seines Unternehmens mit Hauptsitz im Berliner Bezirk Kreuzberg benannt. „Erfolg durch Qualifikation“ lautet das Motto des Bildungsträgers, dessen Name nicht nur in Fachkreisen weit über die Grenzen Berlins bekannt ist. Die Liste der Kooperationspartner des Bildungswerks umfasst rund 100 Unternehmen und Institutionen, darunter sind beispielsweise die Bundesagentur für Arbeit, die Handwerkskammer Berlin und viele andere Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände.

Das Besondere am BWK seien „die bedarfsgerechten, arbeitsmarktorientierten und innovativen Konzepte“, erklärt Sorgeç. Den Erfolg führt er aber vor allem darauf zurück, dass den als „schwer oder gar nicht ausbildungsfähig“ geltenden Kursteilnehmern auf Augenhöhe begegnet werde. Wenn den Menschen vermittelt werde, dass in ihnen Potenziale steckten und sie etwas aus ihrem Leben machen könnten, motiviere sie dies zum Weitermachen. Er selbst suche immer wieder das Gespräch zu den jungen Migranten, deren Lebensgeschichten ihm nicht fremd sind.

Der Weg des einstigen Gastarbeiterkinds zum erfolgreichen Geschäftsmann war auch kein geradliniger. Sorgeç war 14 Jahre alt, als ihn die Eltern zu sich nach Berlin nachholten. In Berlin, so erzählt er, machte er nach der Schule eine Ausbildung als Werkzeugmacher und holte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach, um anschließend Maschinenbau zu studieren. Er arbeitete als Produktmanager und stieg 1988 in die Bildungsbranche ein – und zwar als Leiter des Ausbildungsbereichs für technisch-gewerbliche Berufe bei dem Bildungsträger, dessen Chef er seit 1997 ist.

Die ethnische und kulturelle Vielfalt der Gesellschaft spiegelt sich nicht allein durch die Teilnehmer der Bildungsangebote wider, sondern auch in der Mitarbeiterstruktur. Für „die gelungene interkulturelle Öffnung“ des Unternehmens wurde das Bildungswerk Kreuzberg 2010 mit dem Berliner Integrationspreis ausgezeichnet. So manches seiner persönlichen und beruflichen Ziele hat Nihat Sorgeç also erreicht. Andere stehen ihm aber noch bevor: Er möchte am Marathon in Berlin und Istanbul teilnehmen und seine „Firma“ in eine Stiftung umwandeln.

Canan Topçu