„Zuhören ist wichtig“

Gesichter des deutsch-russischen Austausches: Tatjana Dawydowa, Studentin

privat - Tatjana Dawydowa

„Etwas geschockt“ sei sie gewesen, erinnert sich die 24-jährige Tatjana Dawydowa aus dem sibirischen Tjumen, als sie die Einladung zur Teilnahme am Deutsch-Russischen Jugendparlament erhielt: „Ich konnte bis zuletzt nicht glauben, dass ich fahre.“ Tatjana, die in ihrer Heimatstadt an ihrer Abschlussarbeit im Studienfach Internationale Beziehungen schreibt, hatte zuvor mehrere Jahre Deutsch gelernt und wollte mehr über das politische System in Deutschland erfahren: „Ich wollte Europa von innen kennenlernen und mir das Modell ansehen, nach dem dort Entscheidungen getroffen werden.“

Die Erfahrung in Jugendparlament hat Tatjana zum Nachdenken gebracht. „Als ich nach Deutschland fuhr“, berichtet sie, „war ich zu hundert Prozent von meiner Position bei den Themen Flucht und Migration überzeugt.“ Die Offenheit Deutschlands gegenüber Flüchtlingen hatte sie zuvor vor allem kritisch gesehen. „Im Parlament habe ich andere Meinungen gehört, die für mich interessant waren. Es gibt mehrere Fragen, in denen ich vielleicht nicht meine Position geändert habe, aber über die ich häufiger nachdenke.“ Eine neue Erfahrung war für Tatjana auch der Gewissenskonflikt, entweder mit ihrer eigenen Fraktion abzustimmen oder aber für eine Position, die ihr nach der Debatte plötzlich näher schien. Wichtig ist ihr, dass man selbstbewusst zu den eigenen Positionen steht. „Zuhören ist wichtig in den Beziehungen zwischen unseren Ländern“, fasst sie ihre Erfahrungen zusammen, „aber man muss zuhören und auch selbst reden.“

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