Ein Ring, eine Hymne und elf Eisenbahnmodelle
Deutschland gibt geraubte Kulturgüter an Polen zurück. Die Restitutionen stärken 80 Jahre nach Kriegsende die Beziehungen beider Nachbarländer.
Eine mittelalterliche Handschrift, ein Renaissance-Ring aus Gelbgold und elf historische Eisenbahnminiaturen: Während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Kulturgüter geraubt, viele von ihnen gelten bis heute als verschollen. Mehr als 80 Jahre nach Kriegsende und zum 35. Jubiläum des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrags gibt Deutschland nun einige dieser Objekte an Polen zurück.
„Gaude Mater Polonia“ kehrt zurück
„Gaude Mater Polonia“, zu Deutsch: „Freue dich, Mutter Polen“, gehört zu den bekanntesten Hymnen Polens. Die sechs Pergamentblätter mit Teilen des Textes wurden im Zweiten Weltkrieg aus einem Priesterseminar im polnischen Płock verschleppt und gelangten später auf ungeklärtem Weg in die Staatsbibliothek zu Berlin.
Der Hymnus aus dem 13. Jahrhundert wird bis heute bei feierlichen Anlässen aufgeführt und gilt als Teil der polnischen Identität. Die Rückgabe der Pergamentblätter wurde durch die Zusammenarbeit deutscher und polnischer Provenienzforscher ermöglicht.
Der Jagiellonen-Ring
Ebenfalls nach Polen zurückgekehrt ist der Jagiellonen-Ring. Das Schmuckstück aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts besteht aus hochkarätigem Gelbgold und ist mit einem 3,5 Karat schweren Diamanten besetzt. Es wird König Sigismund I. dem Alten zugeschrieben und könnte ein Geschenk seiner Gemahlin Bona Sforza gewesen sein.
Vermutlich gehörte der Ring zur sogenannten Königlichen Schatulle der Fürstenfamilie Czartoryski in Krakau. Kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen brachte die Familie die Sammlung nach Sieniawa nahe der heutigen ukrainischen Grenze. Doch auch dort fanden die deutschen Besatzer sie. Nach den Plünderungen blieb der Ring mehr als zwei Jahrzehnte verschollen, bis er 1963 als Teil einer größeren Ringsammlung in das Schmuckmuseum Pforzheim gelangte.
Eisenbahnmodelle für Warschau
Auch elf Eisenbahnminiaturen kehren nach Polen zurück. Historische Zugangsbücher belegen, dass die Modelle 1940 aus dem Verkehrsmuseum Warschau geraubt wurden. Zunächst gelangten sie in die Sammlung des Verkehrs- und Baumuseums in Berlin, später in den Bestand des Deutschen Technikmuseums. Nun sind sie wieder in Warschau.
Die Rückgaben stehen mehr als 80 Jahre nach Kriegsende für das Bemühen, historisches Unrecht anzuerkennen und die deutsch-polnische Versöhnung zu stärken.
Weitere Rückgaben geplant
Deutschland will weitere im Krieg geraubte Kulturgüter an Polen zurückgeben. Bundesaußenminister Johann Wadephul bezeichnete die Restitutionen als „Ausdruck von gegenseitigem Respekt, bleibender deutscher Verantwortung“ und einer vertrauensvollen Partnerschaft zwischen beiden Nachbarländern.