In Sicherheit forschen

Die Juristin Anan Al Sheikh Haidar floh aus Syrien und lehrt heute an der Universität zu Köln – als Stipendiatin der Philipp Schwartz-Initiative.

Die Juristin Anan Haidar fühlt sich wohl in Köln.
Die Juristin Anan Haidar fühlt sich wohl in Köln. Silvia Reimann

Menschenrechte, Bürgerrechte, Völkerrecht – das sind die Themen, mit denen sich die syrische Rechtswissenschaftlerin Anan Al Sheikh Haidar an der Universität Damaskus befasste. Mitarbeiter  des Geheimdienstes besuchten ihre Vorlesungen regelmäßig, sie stand unter ständiger Überwachung. Anan Al Sheikh Haidar gehörte zu den fünf Regime-Gegnern ihrer Fakultät, die sich gegen die Assad-Regierung stellten und sich für mehr Demokratie einsetzten. Drei von ihnen wurden festgenommen, von einem hat Haidar seitdem nichts mehr gehört. „Wir hatten Angst, dass der  Geheimdienst uns auch festnimmt“, sagt sie. Auch ihr Mann Housamedden Darwish wurde verfolgt. Der Philosophiedozent berichtete in Syrien über den Arabischen Frühling und lebte zeitweise im Untergrund.

Flucht aus Syrien

2014 flüchtete das Paar über den Libanon bis nach Deutschland. Bei einem Bewerbungsgespräch ihres Mannes an der Universität zu Köln hörte sie zufällig von der Philipp Schwartz-Initiative, einem Programm der Alexander von Humboldt-Stiftung und des Auswärtigen Amts für geflüchtete Wissenschaftler. Professor Claus Kreß, Direktor des Instituts für Friedenssicherungsrecht an der Kölner Universität, wurde auf die Juristin aufmerksam und schlug sie für ein Stipendium der Initiative vor.

Neuanfang in Deutschland

Haidar erhielt eine Zusage und unterrichtet nun seit 2016 an der Universität zu Köln. Ihre Vorlesungen zu Völker- und Menschenrechten im arabischen Raum, die sie auf Englisch hält, kommen bei den Studierenden gut an. Deshalb sichert die Universität ihr nach Ende des Stipendiums eine weitere Anstellung zu. In Köln fühlt sich Haidar mit ihrer Familie zum ersten Mal seit der Flucht aus Syrien sicher. Trotz gelegentlicher Sprachbarrieren kommt sie im Alltag gut zurecht und fühlt sich angekommen und zu Hause. „Unser dreijähriger Sohn spricht schon fließend Deutsch“, erzählt sie lachend. „Ich bin glücklich, dass meine Familie und ich hier eine Zukunft haben.“

Fakten zur Philipp Schwartz-Initiative

 

  • Die Initiative vergibt Fördermittel an deutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen, mit denen diese gefährdete Forschende als Philipp Schwartz-Stipendiaten bei sich aufnehmen können.
  • Das Förderprogramm ist nach dem jüdischen Wissenschaftler Professor Philipp Schwartz benannt. 1933 musste der Pathologe vor den Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen und gründete in Zürich die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“.
  • Im Zuge der Philipp Schwartz-Initiative wurden bisher mehr als 120 verfolgten ausländischen Forscherinnen und Forschern Stipendien zugesprochen.
  • Das Auswärtige Amt, mehrere deutsche Stiftungen sowie die amerikanische Andrew W. Mellon Foundation finanzieren das Programm.
  • Das Philipp Schwartz-Stipendium läuft über einen Zeitraum von 24 Monaten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer Verlängerung im Rahmen einer Kofinanzierung.

Mehr über die Philipp Schwartz-Initiative