Auch die religiösen Themen im Blick

Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität – das sind die Grundpfeiler für die Arbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Israel.

dpa - Workshop

Die der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands (CDU) nahe stehende Konrad-Adenauer-Stiftung hat durch ihren Namensgeber die längste Verbindung zu Israel. Auf dieses Erbe legt sie großen Wert. 1952 schufen Bundeskanzler Konrad Adenauer und Premierminister David Ben-Gurion mit dem „Luxemburger Abkommen“ (auch Wiedergutmachungsabkommen genannt) die Grundlage für Versöhnung und zukünftige Partnerschaft zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel. 1965 schließlich nahmen die beiden Länder diplomatische Beziehungen auf.

Seit 1982 ist die Stiftung in Israel aktiv, ihr Sitz ist Jerusalem. Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gehören zu den Grundprinzipien ihrer Arbeit. Die vielfältigen Projekte haben mehrere Ziele: Zum einen geht es darum, die bilateralen Beziehungen zu vertiefen, wobei die europäische Dimension hier zunehmend wichtiger wird. Außerdem sollen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Israel gestärkt und eine friedliche Koexistenz zwischen dem Land und seinen Nachbarn gefördert werden.

In ihren Projekten kooperiert die Konrad-Adenauer-Stiftung partnerschaftlich mit staatlichen Institutionen, Parteien, Organisationen der Bürgergesellschaft sowie ausgewählten Eliten.

Die Stiftung wird von dem aus historischer Erfahrung erwachsenen Glauben geleitet, dass die Vorteile von Demokratie, Freiheit, Marktwirtschaft und friedliche Koexistenz eine vielversprechende Zukunft der Region möglich machen. In diesem Sinn werden auch die neuen Herausforderungen angenommen, die mit dem „arabischen Frühling“ seit Beginn 2011 aufgekommen sind.

4 Fragen an Büroleiter Michael Borchard

Michael Borchard

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Stiftungsarbeit 2017 thematisch?

Uns ist 2017 besonders der Blick auf das regionale Umfeld Israels wichtig: Wie entwickeln sich die Beziehungen mit Jordanien? Welche Rolle spielt das Verhältnis zur Türkei? Entwickeln sich neue regionale Allianzen? Zweitens zeigen Umfragen, dass sich das negative Bild, das sich die Israelis von der EU machen, wieder erholt. Uns liegt sehr daran, 2017 neue Perspektiven aufzuzeigen und deutlich zu machen, wie sehr beide – Israel und die EU – in einer sich rasant wandelnden Welt aufeinander angewiesen sind.

Was unterscheidet Ihre Arbeit in Israel von der anderer Institutionen?

Die Adenauer-Stiftung schaut aufgrund ihres Wertegerüstes noch etwas deutlicher auf die religiösen Themen: Wie funktioniert das Miteinander von Religion und Staat? Wird Israel religiöser? Wie kann durch Dialog eine Eskalation der religiösen Implikationen des Konfliktes vermieden werden? Wir sind ferner die einzige politische Stiftung, die eine enge formale Partnerschaft mit Yad Vashem pflegt. Und was unser spezifischer Vorteil ist: Wir profitieren von der Beliebtheit der Kanzlerin in Israel.

Wen möchten Sie gern mit Ihrer Arbeit erreichen? Und wie gut gelingt Ihnen das?

Uns ist wichtig, kein „preaching to the converted“ zu betreiben, das heißt in Israel nicht nur die anzusprechen, die von der Zwei-Staaten-Lösung bereits vollends überzeugt sind. Deshalb zielen wir auch auf Parteien wie den Likud oder die Schas-Partei, auch wenn das nicht immer einfach ist. Daneben stärken wir in Deutschland und in Israel bewusst jenseits des Konfliktes den Expertendialog, weil die gemeinsamen Interessen unserer Länder neben der Geschichte eine wichtige zweite Säule der Beziehungen sind.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die deutsch-israelischen Beziehungen?

Die jungen Generationen entwickeln sich kulturell auseinander. Umfragen zeigen: Die jungen Menschen in Israel werden immer nationaler, militaristischer und religiöser – auch aufgrund der Bedrohungssituation. Sie haben das Trauma ihrer Großeltern geerbt und wollen nie wieder Opfer sein. Die jungen Deutschen sind postnational, postmilitaristisch und postreligiös. Ihr „geerbtes Trauma“ sagt ihnen: Nie wieder Krieg! Dieses unterschiedliche Narrativ kann man nur durch noch mehr Begegnung heilen. Hier sind wir trotz vieler Initiativen noch zu wenig ambitioniert.

Konrad-Adenauer-Stiftung

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