Knowhow weitergeben und Potenziale nutzen

Deutschland und Israel leisten in der Entwicklungszusammenarbeit erfolgreiche Dreieckskooperationen in Afrika.

Zitrusproduktion und Bienenzucht lautete das Thema des Workshops, zu dem 140 ghanaische Farmer im März 2015 nach Israel eingeladen waren. Die Gäste aus Westafrika lernten nicht nur, dank welcher Anbaumethoden und Technologien Israel pro Hektar bis zu vierfach höhere Orangenernten als Ghana einfährt, sondern auch, wie man mit neuen Züchtungen in Marktlücken vorstößt und was professionelle Vermarktung heißt.

„Israel hat bei der Zitrusproduktion einen komparativen Vorteil. Diese Expertise haben wir so in Deutschland nicht, und wir können sie auch nicht so einfach einkaufen“, erklärt Paul Schütz, der für die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ein Landwirtschaftsprogramm der Bundesregierung in Ghana leitete. Vier Jahre lang haben das Team um Schütz und israelische Experten daher gemeinsam tausend ghanaische Zitrusbauern und Agrarausbilder beraten und geschult. Ein Lehraufenthalt in Israel gehörte auch immer mit dazu.

Das deutsch-israelische Projekt in Ghana zählt zu den Dreieckskooperationen in der Entwicklungszusammenarbeit. Dabei schließen sich ein großes Geberland, ein neues Industrie- oder Schwellenland sowie ein Südstaat zusammen, um Entwicklungsprogramme umzusetzen. Die deutsch-israelische „Afrika-Initiative“ hat für Projekte in sechs afrikanischen Staaten einen Umfang von 50 Millionen US-Dollar, wobei die deutsche Seite 90 Prozent der Mittel stellt. Damit ist Deutschland Israels größter Partner bei Dreieckskooperationen, vor Kanada und den USA.

„Für Israel ist die Initiative sehr wichtig“, erklärt Ilan Fluss, stellvertretender Leiter der Entwicklungsorganisation MASHAV, die dem israelischen Außenministerium unterstellt ist. Er nennt mehrere Gründe: Moralische, politische und finanzielle. Dass nach dem Holocaust Deutsche und Israelis zusammenarbeiten, sende an die Partner in Afrika ein wichtiges Signal: „Das Signal, dass man Konflikte und Völkermord überwinden und gemeinsam eine bessere Zukunft schaffen kann“, sagt Fluss.

Israel verbindet mit dem afrikanischen Kontinent eine wechselvolle Geschichte. Einer Periode der engen Zusammenarbeit ab Ende der 1950er-Jahre folgte eine Eiszeit, als nach dem Sechstagekrieg 1967 die meisten afrikanischen Staaten die diplomatischen Beziehungen abbrachen. Heute ist das Verhältnis größtenteils wieder gekittet, und die Entwicklungszusammenarbeit hilft auch beim Türenöffnen. Als kleines Land mit geringen finanziellen Ressourcen könne Israel aber nicht den langen Atem zeigen, der notwendig sei, um im Empfängerland nachhaltige Entwicklung zu bewirken. „Wir können daher viel effektiver sein, wenn wir mit einem deutschen Langzeitprojekt kooperieren“, sagt Fluss.

In absoluten Zahlen ausgedrückt ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit tatsächlich ein Riese: Laut OECD-Angaben wendete Deutschland 2014 ca. 16 Milliarden US-Dollar auf, das sind 0,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Israel gibt für Entwicklungshilfe rund 200 Millionen US-Dollar im Jahr aus, das entspricht 0,07 Prozent des BIP. Das erklärte Ziel der Industriestaaten, 0,7 Prozent des BIP zu erreichen, verfehlen damit allerdings beide Länder.

In Kenia unterstützen Deutsche und Israelis seit 2012 die Fischer am Viktoriasee beim Umstieg auf die Fischzucht, weil der See praktisch leergefischt wurde. Mit kenianischem Geld wurden über 40 000 Fischteiche angelegt, und israelische Experten beraten in der Fischfutterproduktion, -aufzucht und Überwachung der Wasserqualität. Auch ein „Kompetenzzentrum Aquakultur“ wird aufgebaut, in dem Farmer und Multiplikatoren geschult werden. Inzwischen wurden mehr als 8000 Kenianer fortgebildet. Langfristig soll auch die Wasserqualität des Viktoriasees verbessert werden, die auch durch den Klimawandel beeinträchtigt wird.

Das erste trilaterale Projekt war 2008 in Äthiopien gestartet worden. Israel hat bereits in den 1960er-Jahren die Tröpfchenbewässerung erfunden und damit sogar Gemüseanbau in der Wüste möglich gemacht. Da in Äthiopien teilweise ähnliche klimatische Bedingungen wie in Israel herrschen, war eine Zusammenarbeit im Rahmen des GIZ-Programms „Nachhaltiges Landmanagement“ sinnvoll. 5000 Bauern lernten, wie schon einfache Schläuche mit winzigen Löchern, per Hand mit Wasser versorgt, die Pflanzen so effizient bewässern, dass sie mehrere Ernten pro Jahr einholen können.

Dreieckskooperationen gelingen nur, wenn zwischen den Partnern Vertrauen besteht und sie sich gut abstimmen, gerade auch mit dem Entwicklungsland. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erwähnt in einem Strategiepapier, dass ein „erhöhter Koordinierungsaufwand“ ein Hemmnis sein könne für trilaterale Projekte. Positiv erwähnt wird, dass die deutsche Seite „von den flexiblen und relativ schnellen Verfahren der Südakteure lernen“ könne.

Einmal im Jahr treffen sich MASHAV-Vertreter und Mitarbeiter des BMZ zu einem entwicklungspolitischen Dialog. Im September 2015 vereinbarten sie neue Programme für Burkina Faso und Kamerun, die auch Teil der Afrika-Initiative sind. Die ebenfalls geplante Kooperation mit Burundi ruht wegen der dortigen instabilen Situation.

Die 140 ghanaischen Zitrusfarmer, die Israel im März besuchten, lernten unter anderem, wie man Fruchtfliegen und Pilzbefall bekämpft. Auch zusätzliche Einkommensquellen standen auf dem Lehrplan. Als eine solche hat sich die Bienenzucht erwiesen. Tatsächlich konsumiert Afrika drei Mal so viel Honig, wie es produziert. Und der Welthandel mit Bienenprodukten, die auch die Kosmetik- und Pharmaindustrie verwendet, macht jährlich über eine Milliarde US-Dollar aus. Honig ist nicht nur süß, er hat auch Zukunftspotenziale.