„Umweltschutz und nachhaltige Politik“

Die Heinrich-Böll-Stiftung in Israel fördert gesellschaftliche Debatten. Dabei dient ihr ein Zitat ihres Namensgebers als Leitmotiv: „Einmischung ist die einzige Möglichkeit, realistisch zu bleiben.“

Elisheva Gilad, Climate March in Tel Aviv. This image is licensed under Creative Commons License - Dialogue

Das Tel Aviver Büro der Heinrich-Böll-Stiftung, die der Parte Bündnis 90/Die Grünen nahesteht, existiert offiziell seit 1998. Erste Projekte in Israel wurden jedoch bereits 1992 gefördert. In ihnen werden neben Menschenrechten auch ökologische Nachhaltigkeit und Geschlechterdemokratie großgeschrieben.

In Kooperation mit lokalen Partnern organisiert und unterstützt die Stiftung Konferenzen und Workshops ebenso wie Publikationen und Forschung. Der Konferenzraum der Stiftung steht für Treffen von Aktivisten und Nichtregierungsorganisationen offen, die die Diversität der israelischen Zivilgesellschaft reflektieren. Öffentliche Veranstaltungen nehmen sich aktueller Themen an. So wurde etwa in den jüngst begonnenen „Heinrich Bar Talks“ über den Einfluss der Medien auf die öffentliche Debatte über Terror in Israel und Deutschland diskutiert.

Zum Programm gehören seit 2005 auch die Deutsch-Israelischen Literaturtage, die im jährlichen Wechsel in Tel Aviv und Berlin bekannte mit weniger bekannten Autorinnen und Autoren zusammenbringen. Das Thema 2016 hieß „Neuland“ und verwies auf die Erfahrung von Flucht und Migration, von Abschied und Ankommen. 2010 erschienen – im Auftrag der Stiftung und anlässlich seines 25. Todestages – erstmals ausgewählte Schriften des deutschen Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll auf Hebräisch. Bölls Aufruf an die Staatsbürger, sich politisch zu engagieren, ist das Leitmotiv der nach ihm benannten Stiftung: „Einmischung ist die einzige Möglichkeit, realistisch zu bleiben.“

4 Fragen an Büroleiterin Kerstin Müller:

Kerstin Müller

Welche Schwerpunkte setzen Sie in der Stiftungsarbeit 2017 thematisch?

Wir wollen erstens einen Beitrag dazu leisten, dass Israel künftig in Frieden mit seinen Nachbarn leben kann. Zweitens geht es uns darum, die demokratische Verfasstheit des Landes zu stärken und dabei insbesondere die Rechte von Minderheiten. Drittens unterstützen wir hier die Entwicklung einer ökologisch nachhaltigen Politik. Viertens legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel, die wir weiter fördern und ausbauen wollen. Schließlich ist uns in all diesen Bereichen insbesondere die Integration von Gender-Aspekten und Partizipation von Frauen sehr wichtig.

Was unterscheidet Ihre Arbeit in Israel von der anderer Institutionen?

Unsere Stiftung legt den Schwerpunkt auf Umweltschutz und die Entwicklung nachhaltiger Politik. Ebenso sind gleiche Rechte für Frauen für uns ein Querschnittsthema in allen Politikbereichen. Beide Engagements sind ein Markenzeichen der Böll-Stiftung. Vor allem in ökologischer Hinsicht sind wir eine Art Sammelpunkt für die israelischen Umweltbewegungen.

Wen möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen? Und wie gut gelingt Ihnen das?

Wir wollen die israelische Zivilgesellschaft erreichen, vor allem diejenigen, die sich für ein Ende der Besatzung und einen friedlichen Ausgleich mit den Palästinensern einsetzen. Wir arbeiten aber auch mit denjenigen zusammen, die im Sinne unserer Stiftungsziele die Demokratie fördern, Minderheitenrechte und Frauenrechte stärken.

Diese Stiftungsarbeit ist für die Zivilgesellschaft sicherlich sehr wichtig, allerdings wird es angesichts der besonderen Rahmenbedingungen in Israel wie auch international immer schwieriger, diese Art von Arbeit zu machen, das heißt, eine kritische Zivilgesellschaft zu unterstützen. 

Worin sehen Sie die größte Herausforderung für die deutsch-israelischen Beziehungen?

Die größte Herausforderung sehe ich darin, dass das Spannungsfeld zwischen beiden Ländern immer geladener wird. Das heißt, je mehr sich die israelische Politik gegen eine Zwei-Staaten-Lösung wendet, desto schwieriger wird es für Deutschland, der Anwalt Israels und der israelischen Interessen auf der internationalen Bühne zu sein. Wir wollen das sein, wir müssen das sein, aber diese Rolle wird angesichts der politischen Veränderungen immer schwieriger, da es derzeit kein Interesse auf israelischer Seite gibt, die Zwei-Staaten-Lösung voranzutreiben. 

Heinrich-Böll-Stiftung

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