US-Wahlergebnis: „Eine große Aufgabe“

Erste Reaktionen zur US-Präsidentschaftswahl

dpa - Donald Trump

Jürgen Hardt, Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung

Jürgen Hardt

„Das amerikanische Volk hat gewählt. Dem Wahlsieger Donald Trump gratuliere ich herzlich. Mit dieser Wahl geht ein beispielloser Wahlkampf zu Ende, der die amerikanische Gesellschaft tief gespalten hat. Dem neu gewählten Präsidenten kommt die große Aufgabe zu, diese Spaltung zu überwinden. Die versöhnlichen Töne von Donald Trump in seiner Rede heute Morgen weisen in die richtige Richtung. Offenbar hat Donald Trump mit seinem Wahlkampf Themen angesprochen, die einen Großteil der amerikanischen Bevölkerung bewegen. Dies gilt es anzuerkennen. Ich wünsche ihm eine glückliche Hand und Gottes Segen bei den kommenden herausfordernden Aufgaben.

Die transatlantische Partnerschaft ist und bleibt ein unverrückbarer Pfeiler der deutschen Außenpolitik. Ich bin mir sicher, dass auch Präsident Trump sich sehr rasch der Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft bewusst sein wird und sie als ein ganz wichtiges Instrument im Interesse der US-amerikanischen Außenpolitik zu nutzen weiß.“

 

Friedrich Merz, Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V.

Friedrich Merz

„Die USA haben einen aufreibenden und oft kontroversen Wahlkampf hinter sich. Donald Trump hat nun die anspruchsvolle Aufgabe, einen Weg zu finden, wie die amerikanische Gesellschaft ihre Spaltung überwinden kann. Gerade in diesen auch außenpolitisch unruhigen Zeiten ist die enge Partnerschaft mit anderen Nationen wichtig, die mit den USA für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit einstehen. Wir hoffen, in Donald Trump einen ebenso zuverlässigen Ansprechpartner in Washington zu haben wie in seinen Amtsvorgängern.“

 

Steven E. Sokol, Präsident des American Council on Germany (ACG)

Steven E. Sokol

„Nach einer langwierigen Wahlkampagne – deren Hässlichkeit und Mangel an Umgangsformen außergewöhnlich waren – stehen die USA vor einem Szenario,  dass nur wenige in Betracht gezogen haben. Der Kampf um das Weiße Haus hat tiefe Brüche in der amerikanischen Gesellschaft und in den beiden großen politischen Parteien offenbart.

Wenn Donald Trump am 20. Januar 2017 das Amt des Präsidenten antritt, wird es eine seiner wichtigsten Aufgaben sein, die Spaltungen des geteilten Landes zu überwinden. In seiner Siegesrede sagte er, dass er das Land einen und als Präsident allen Amerikanern dienen will. Noch gibt es große Unsicherheit über die Präsidentschaft Trumps. Es ist unklar, was seine Prioritäten und politischen Maßnahmen sein werden. Das bedeutet eine enorme Herausforderung, aber auch eine große Chance. Als Präsident muss Mr. Trump die tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft in Angriff nehmen, wenn er sein Versprechen, Amerika wieder groß zu machen, erfüllen will.

Die Wahlkampagne hat auch Amerikas Ansehen im Ausland beschädigt. In seiner neuen Rolle wird Mr. Trump Zuversicht und Vertrauen der wichtigsten Partnerländer, unter ihnen Deutschland, wiederherstellen müssen. Nur so gibt es Hoffnung, dass wir den gemeinsamen globalen Herausforderungen der heutigen Welt begegnen.

 

Nina Lemmens, Leiterin der DAAD-Außenstelle New York

Nina Lemmens

„Ich fürchte, zumindest auf Regierungsebene wird es mit Blick auf die internationale Offenheit der USA starke Veränderungen geben. Grundsätzlich beobachten wir ein Phänomen wie beim britischen Brexit-Votum: Ältere Wähler, die sich von modernen Entwicklungen abgehängt fühlen, drohen, einer jüngeren, weltoffeneren Generation die Zukunft zu verbauen. Das wird auch Auswirkungen auf die Attraktivität der USA für die internationalen, vor allem die deutschen Studierenden haben. Bei einigen Forschungsbudgets sind zudem finanzielle Einschnitte zu befürchten, denn nun sind Präsident, Senat und Repräsentantenhaus komplett konservativ und teilweise wissenschaftsfeindlich orientiert. Man kann nur hoffen, dass die US-Wissenschaftler und ihre Kollegen aus der ganzen Welt gleichwohl Mittel und Wege finden werden, gemeinsame Probleme auch gemeinsam anzugehen. Als DAAD müssen wir nun genau dort weitermachen, wo wir gestern Abend erfolgreich aufgehört haben. Der DAAD steht für Weltoffenheit und Dialog, für die gemeinsame Arbeit an Zukunftsfragen – das ist nun wichtiger denn je. Ich bin jetzt erst recht vom Wert unserer Arbeit überzeugt, weil sie Menschen zusammenbringt und ihnen Offenheit für andere Kulturen vermittelt.“

 

Oliver Schmidt, Geschäftsführender Direktor der Deutsch-Amerikanischen Fulbright-Kommission

Oliver Schmidt

„Auch im politischen Washington schlägt der Wahlausgang alle Prognosen in den Wind. Noch am Wahlabend hatte eine Wählermehrheit Umfragen zufolge an der Kompetenz von Trump gezweifelt. Die Analysten der großen Fernsehsender bilanzieren, die Wahl habe nicht Trump gewonnen, sondern Clinton verloren. Es bleibt der Fakt: die USA haben nun erstmals einen Präsidenten ohne vorherige Regierungserfahrung.

Was das für die transatlantischen Beziehungen bedeutet, lässt sich heute nur erahnen. In der Sicherheitspolitik ist mit einer weiteren Lastenverteilung zu Ungunsten der Europäer sowie mit einer Revision der Russland-Politik zu rechnen. Schwer vorstellbar bleibt, wie Trump nach dem feindseligen Wahlkampf die tiefen Risse in der politischen Landschaft kitten möchte. Den Brückenbauern in der globalen Arena hingegen, und dazu zählen die Fulbright-Programme, fallen in diesem historischen Moment die Aufgabe zu, US-Politik auch in Übersee verständlich zu halten und mehr denn je den Austausch mit Amerikanern aller Couleur zu suchen.“

 

Rüdiger Lentz, Executive Director des Aspen Institute Deutschland

Rüdiger Lentz

„Donald Trump muss sich nun fähige Berater suchen und mit ihnen gemeinsam Konzepte zur Außen- und Sicherheitspolitik, zur Wirtschaftspolitik und zu seinem Verhältnis zu Europa, Russland und China entwickeln und präsentieren. Und das alles kann dauern. Seine Äußerungen zu diesen Themen im Wahlkampf waren derart widersprüchlich, dass sich zur Zeit kaum einer ein klares Bild über seine wirklichen Absichten und seine Richtung machen kann. Schlimmer noch: Noch nie hat es einen US-Präsidenten gegeben, der mit praktisch null politischer Erfahrung die Weltbühne betritt und von jetzt auf sofort die wichtigste, westliche Führungsmacht repräsentieren soll. Und das, was wir wissen, irritiert mehr als das es beruhigt: seine Absicht zu Mexiko eine Mauer bauen zu lassen – die es in großen Teilen allerdings  schon gibt! –, seine Bereitschaft, sich Putin anzunähern, seine Absicht die Gesundheitsreform von Obama abzuschaffen und sein Desinteresse an, ja sogar eine mögliche Abkehr von Europa. Vor allem das Letztere muss und wird uns beschäftigen. Aber Trump ist auch Realist genug um zu wissen, dass Wahlkampfrhetorik etwas anderes ist als Regieren. Seine Rede heute Nacht in der er Hillary Clinton Respekt erwies und versprach ein Präsident aller Amerikaner zu sein deutet zumindest daraufhin, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen vielleicht auch einen anderen Trump als den pöbelnden Wahlkämpfer erleben werden. Auch nach der Wahl Donald Trumps dreht sich die Erde weiter, bleiben die europäisch-amerikanischen Beziehungen aus wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Gründen für beide Seiten wichtig und unverzichtbar.“