Tag des Peacekeepers

Im Auswärtigen Amt wurden Friedenshelfer für ihren Einsatz geehrt.

dpa/Atef Safadi - Peacekeeper

Sie sind Soldaten, Polizisten und zivile Experten und leisten für die Bundesrepublik Deutschland einen unschätzbaren Dienst. Sie arbeiten als Friedenshelfer (Peacekeeper) in den Krisen- und Konfliktgebieten der Welt. Zum vierten Mal wurden sie nun am „Tag des Peacekeepers“ für ihr Engagement geehrt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Innenminister Thomas de Maizière und Verteidigungsstaatssekretär Ralf Brauksiepe zeichneten am Mittwoch im Europasaal des Auswärtigen Amts in Berlin neun Peacekeeper aus, stellvertretend für 3400 Soldaten, 170 Polizisten und circa 200 zivile Experten, die derzeit auf drei Kontinenten tätig sind. „Dieser Tag ist Anlass, Menschen zu ehren, die unter schwierigsten Bedingungen täglich für den Frieden eintreten, auch unter Lebensgefahr“, sagte Außenminister Steinmeier auf der Veranstaltung. Zugleich bekräftigte er den Anspruch Deutschlands, mehr Verantwortung in der Welt übernehmen zu wollen. „Wir wollen, dass künftig mehr Deutsche in Friedensmissionen tätig sind“, erklärte er. Deshalb werde das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) derzeit zu einer vollwertigen Entsendeorganisation ausgebaut.

Erschütternde Erfahrungen

Martin Kobler, UN-Sonderbeauftragter und Leiter der UN-Mission in Libyen (United Nations Support Mission in Lybia, UNSMIL), berichtete in seiner Festrede über zwei Begegnungen, die ihn in seinem steten Bemühen um Frieden bestätigten. Während seiner Zeit als Leiter der UN-Friedensmission in Ostkongo (2013–2015) habe er in einem Schulcamp für ehemalige Kindersoldaten einen Jungen kennengelernt, dessen Eltern von Rebellen vor seinen Augen erschlagen worden seien. Die Rebellen, sagte Kobler, hätten dem damals Zehnjährigen auf diese Weise vor Augen geführt, dass es für ihn keinen Weg zurück nach Hause mehr gibt. Sie versklavten den Jungen, setzten ihn unter Drogen und richteten ihn zum Morden ab. In Libyen habe Kobler vor kurzem einen 70-jährigen Mann getroffen, der auf einem Markt sein Zahngold verkaufte. Mit dem Geld, habe ihm der einst wohlhabende Alte erklärt, wolle er seiner Familie ein würdiges Ramadanfest ermöglichen. Seit dem Sturz des Gaddafi-Regimes vor gut fünf Jahren herrscht in Libyen ein Bürgerkrieg, weite Teile der Bevölkerung sind seitdem verarmt. „Solche Geschichten“, sagte Martin Kobler, „begleiten uns Peacekeeper Tag und Nacht.“ Sie seien Ansporn, die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen.

Die meisten der neun geehrten Friedenshelfer waren mehrfach und zusammen mehrere Jahre lang in Peacekeeping-Missionen eingesetzt. Meinolf Schlotmann, Polizist aus Nordrhein-Westfalen und zuletzt als Chef des Stabes bei der UN-Mission in Mali (MINUSMA) eingesetzt, sagte, Friedenseinsätze im Ausland seien für Deutschland alternativlos. Krisen seien nur vor Ort zu lösen, von Deutschland aus sei das nicht zu schaffen. Christel Liermann, die derzeit bei EUPOL in Afghanistan arbeitet, berichtete, die Lage in vielen Einsatzgebieten werde schwieriger und riskanter für die Friedenshelfer. Dennoch seien mehr ziviles Engagement in Krisengebieten und bessere internationale Konzepte zur nachhaltigen Lösung von Krisen nötig. Almut Wieland-Karimi, Direktorin des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze, bestätigte diese Einschätzung. Extremismus, transnationale Kriminalität, die Regionalisierung von Konflikten und der wachsende Widerstand von Gastregierungen gegen Friedenshelfer machten Peacekeeping-Missionen immer schwieriger.

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