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Gemeinsam gegen Wilderei

Deutschland setzt sich für die Wildereibekämpfung in Afrika ein. Innerhalb kurzer Zeit hat sich dadurch in manchen Regionen der Tierbestand stabilisiert.
von Natascha Gillenberg

Die Zahlen sind dramatisch: Von den einstmals geschätzt 20 Millionen Elefanten auf dem afrikanischen Kontinent leben heute nur noch etwa 350.000. Schuld daran ist die Wilderei. Trotz des Handelsverbots für Elfenbein finden sich weltweit Abnehmer, die für die begehrten Trophäen Höchstpreise zahlen – allein im Jahr 2015 sind dafür 20.000 Elefanten erlegt worden. Auch Nashörner fallen in immer größeren Zahlen Wilderern zum Opfer.

Der Gesamtwert des illegalen Handels mit Arten aus der Wildnis wird auf mindestens 19 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Nach Menschen- und Drogenhandel sowie Produktpiraterie steht der illegale Handel mit bedrohten Tierarten an vierter Stelle der organisierten Kriminalität. „Das geht weit über die Schädigung des Arten- und Naturschutzes hinaus“, sagt Katharina Trump, Referentin für Wildereibekämpfung beim World Wildlife Fund (WWF). „Es gefährdet regionale und nationale Ökonomien sowie die Sicherheit und Stabilität in den betroffenen Ländern.“

Denn der illegale Handel setzt kriminelle, international agierende Netzwerke und Korruption bei Polizei, Zoll- und Regierungsbeamten voraus. Elfenbein gilt dabei auch als Währung zur Finanzierung bewaffneter Konflikte und von Terrorismus. Außerdem sorgt Wilderei für Einbußen im Tourismus – bis zu 23 Millionen US-Dollar allein in 2016.

Schutz für die Ranger

Deutsche NGOs wie der WWF, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt am Main und der Global Nature Fund oder auch Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) setzen auf verstärktes Monitoring von Naturschutzgebieten, um die Wilderei zu stoppen. So sind im Selous- und im Serengeti-Nationalpark im Osten Afrikas zwei deutsche Flugzeuge im Einsatz, mit denen die Piloten besonders langsam und tief fliegen können.

Wichtig ist auch der Schutz von Rangern vor Ort. „Sie haben einen sehr gefährlichen Job“, so Trump. In den vergangenen zehn Jahren seien mehr als 1.000 von ihnen ums Leben gekommen – durch Tiere und durch Wilderer. Unter anderem schult die GIZ Ranger und stattet sie mit besserer Ausrüstung aus – darunter Hochfrequenz-Funksysteme, Nachtsichtgeräte sowie computer- und smartphonefähige Software, mit deren Hilfe die Ranger ihre Beobachtungen ohne Zeitverzug zur Auswertung an die Stützpunkte senden können. Inzwischen hat sich die Elefantenpopulation im Selous-Wildreservat, die innerhalb von vier Jahren dramatisch von 40.000 auf 15.000 Tiere gesunken war, wieder stabilisiert.

Auch die Fortbildung von Zollbeamten und Juristen spielt eine wichtige Rolle. „Wilderei-Produkte erzielen hohe Preise, das Risiko ist aber gering“, so Klemens Riha von der GIZ. Hohe Gefängnisstrafen und Verurteilungsraten könnten kriminelle Organisationen abschrecken.

Weltweiter Kampf gegen die Wilderei

Als Meilenstein gilt die Resolution gegen Wilderei, die die Vereinten Nationen im Juli 2015 verabschiedet haben; Gabun und Deutschland hatten sie gemeinsam initiiert. 193 Staaten setzen sich darin für bessere internationale Zusammenarbeit ein. Dabei geht es auch um das Umdenken bei Konsumenten vor allem in China, Thailand und Vietnam. So fand im November 2016 erstmals auch eine hochrangiger internationaler Anti-Wilderei-Gipfel in Hanoi statt – ein Zusammenkommen, das vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. 

von Natascha Gillenberg

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