Demokratie erleben

Einen Monat den deutschen Bundestag in Berlin kennenlernen: Junge Männer und Frauen aus arabischen Ländern haben die Chance dazu.

Arabische Hochschulabsolventen zu Besuch in Berlin
Arabische Hochschulabsolventen zu Besuch in Berlin Deutscher Bundestag/Marco Urban

Neun Jahre ist es her, dass der sogenannte Arabische Frühling eine ganze Region beflügelte. Überwiegend junge Menschen demonstrierten damals gegen das bestehende System. Lediglich in drei der 22 Staaten der Arabischen Liga gab es 2011 keine bedeutenden Proteste. In Tunesien, Ägypten, Libyen und im Jemen wurden sogar Präsidenten abgesetzt, die zum Teil Jahrzehnte an der Macht gewesen waren.

Die Hoffnungen auf politische Veränderung waren überall groß. Um die arabische Demokratiebewegung zu unterstützen, rief der Deutsche Bundestag daher 2012 ein Stipendienprogramm  für junge Hochschulabsolventen aus dem arabischen Raum ins Leben. Das Projekt geht in diesem September nun in die achte Runde.

Kurz-Praktikum im Abgeordnetenbüro

Im Rahmen des „IPS Programms Arabische Staaten“ besuchen junge Männer und Frauen einen Monat lang Berlin, um das parlamentarische System und politische Entscheidungsprozesse im Deutschen Bundestag kennenzulernen. Finanzielle Unterstützung erhalten die Teilnehmer über ein Stipendium des Bundestages in Höhe von 500 Euro, freie Unterkunft und eine bezahlte An- und Abreise.

Das Programm richtet sich an politisch interessierte Nachwuchstalente, die sich in ihren Heimatländern für demokratische Grundwerte engagieren wollen. Ziel ist es, die Facetten und Möglichkeiten der Demokratie herauszuarbeiten. Anschließend, so die Idee, sollen sich die Stipendiaten in ihren Heimatländern aktiv für demokratische Grundwerte einsetzen und die Zukunft mitgestalten.

Für praktische Erfahrungen durchlaufen sie unter anderem ein einwöchiges Praktikum im Büro eines Mitglieds des Deutschen Bundestages. Gemeinsam besuchen die Teilnehmer Vorträge, Workshops und Seminare zum deutschen parlamentarischen System. Sie behandeln Themen wie Religionsfreiheit und Minderheitenfragen, unterschiedliche politische Systeme und die deutsche Erinnerungskultur. Außerdem gibt es einen Workshop zum Thema Projektmanagement, um eigene Projektideen mit dem Ziel der Förderung der Demokratie und Zivilgesellschaft in den jeweiligen Herkunftsländern zu entwickeln.

Hoffnung auf Frieden in der Heimat

Auf der Website des Programms finden sich Erfahrungsberichte einzelner Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus vergangenen Jahren.

2018 gehörte zum Beispiel Jumana Alasaad aus Syrien zu den Stipendiaten. Während ihrer Zeit in Deutschland wollte sie „positive Botschafterin für Syrien im Bundestag sein“, sagte die Archäologin damals. „Überzeugt vom demokratischen Grundgedanken“ wolle sie diese Werte auch in ihrer Heimat Syrien etablieren – „sobald der Bürgerkrieg endet“.

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