Strom für alle

Erneuerbare Energien verbessern in Afrika den Zugang zur Stromversorgung und schonen gleichzeitig das Klima. Deutschland unterstützt diese Entwicklung.

Beim Blick auf den Energiebedarf in unterschiedlichen Gegenden der Welt sticht eine Region besonders hervor: Subsahara-Afrika. Hier ist der Energiebedarf in diesem Jahrhundert sehr stark gewachsen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) stieg der Energieverbrauch zwischen 2000 und 2012 um 45 Prozent. Gleichzeitig ist in den vergangenen Jahren auch die Zahl der Menschen mit Zugang zur Stromversorgung in Subsahara-Afrika gestiegen. Dennoch müssen immer noch mehr als 600 Millionen Menschen in der Region ohne Elektrizität auskommen.

Einen wichtigen Beitrag für den Ausbau sauberer und bezahlbarer Energie soll die Africa Renewable Energy Initiative leisten. Afrikanische Staatschefs haben die Initiative bei den Klimaverhandlungen in Paris im Jahr 2015 vorgestellt. Sie trägt dazu bei, das große Potenzial des afrikanischen Kontinents für erneuerbare Energien zu nutzen. Bis 2020 zehn Gigawatt zusätzliche Kapazitäten an erneuerbaren Energien in Afrika – so lautet der Plan der Initiative. Bis 2030 sollen die Erneuerbaren 300 Gigawatt beisteuern – und dadurch die verfügbare Leistung gegenüber heute verdoppeln. Wie wichtig die Initiative auch für den weltweiten Klimaschutz ist, unterstrich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Afrika hat einen großen Energiehunger. Wir müssen jetzt verhindern, dass dieser Hunger mit Kohle, Öl und Gas gestillt wird. Erneuerbare Energien sind die bessere Lösung.“

Für den Ausbau der Erneuerbaren im Rahmen der Initiative haben die G7-Staaten, Schweden, die Niederlande und die EU-Kommission rund zehn Milliarden US-Dollar zugesagt. Deutschland beteiligt sich im Zeitraum zwischen 2015 und 2020 mit drei Milliarden Euro und leistet damit den größten Beitrag.

Die Bundesregierung setzt sich auf vielen Ebenen für die Ziele der Initiative ein. So unterstützt sie zum Beispiel den Ausbau der westafrikanischen und südafrikanischen Stromverbundnetze. Sie fördert zudem die Verbindung nationaler Elektrizitätssysteme zu regionalen Stromverbünden, zum Beispiel beim grenzüberschreitenden Fluss Ruzizi zwischen Burundi, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo. „Damit soll nicht nur die Energieversorgung der Menschen vor Ort verbessert, sondern auch eine nachhaltige Grundlage für Handel und wirtschaftlichen Aufschwung geschaffen werden“, erläutert Peter Fischer, Beauftragter für Energie- und Klimapolitik und Exportkontrolle im Auswärtigen Amt.

Deutschland arbeitet auch im Rahmen von Energiepartnerschaften mit afrikanischen Ländern zusammen. Nigeria ist seit 2008 einer der Partner. Die beiden Länder kooperieren zum Beispiel bei einem Solarprojekt an der Universität Ibadan im Südwesten des Landes. Künftig soll Solarenergie den gesamten Strombedarf der Universität decken. Im Oktober 2016 geht es los. „Bisher musste sich die Universität ausschließlich über teure Dieselgeneratoren versorgen“, berichtet Peter Fischer. Eine weitere Energiepartnerschaft besteht mit Südafrika. Die Bundesregierung hat dabei beispielsweise das SARETEC (South African Renewable Energy Technology Centre) in Kapstadt gefördert. Das Zentrum veranstaltet Schulungen für Solar- und Windenergietechniker. Die ersten Auszubildenden haben ihre Schulung im Februar 2016 begonnen.

Wie Deutschland dazu beitragen kann, die Energiesysteme Afrikas nachhaltiger und sicherer zu machen, war auch Thema beim 10. Deutsch-Afrikanischen Energieforum im April 2016 in Hamburg. Mehr als 300 Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler tauschten sich dort aus und diskutierten unter anderem über die globale Energiewende. „Afrika hat riesiges Potenzial und Deutschland, das bereits große Erfahrung auf dem Gebiet gemacht hat, steht zur Zusammenarbeit bereit“, sagt Peter Fischer. Bei der Veranstaltung wurde noch einmal deutlich, dass der Einsatz erneuerbarer Energien neben dem Klimaschutz viele weitere Vorteile hat. So werden Länder dadurch unabhängiger von Energieimporten und können zudem für sauberere Luft sorgen.

Wie die Energiewende auf nationaler Ebene bereits gelingt, zeigte das Auswärtige Amt bei der Afrikanischen Energiewendekonferenz in Kapstadt. Die Themenschau „Deutschlands Energiewende“ informierte an 20 interaktiven Stationen über die verschiedenen Aspekte des Wandels und Meilensteine der Energiepolitik seit der Ölkrise der 1970er-Jahre. Sie beantwortete häufige Fragen und lud zum Dialog über eine nachhaltigere Energieversorgung weltweit ein.

Die Bundesregierung möchte das Thema Klima und erneuerbare Energien auch im Rahmen einer möglichen Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf die Agenda bringen. Deutschland hat sich für einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat im Zeitraum 2019/2020 beworben. Außenminister Frank-Walter Steinmeier unterstrich bei der Ankündigung der Kandidatur, wie die erneuerbaren Energien zu einer sicheren und gerechten Welt beitragen können. „Gerade die hochentwickelten Staaten der G20 müssen sich doch die Frage stellen, wie wir technologischen Fortschritt, Digitalisierung, den Quantensprung bei erneuerbaren Energien und Umwelttechnologien, den wir in der deutschen Energiewende gemacht haben – wie wir all das nutzen, um wirtschaftliche und politische Teilhabe viel stärker weltweit, auch im globalen Süden voranzubringen“, so Steinmeier. „Das ist in unserem Eigeninteresse für eine stabilere, sicherere Welt, aber es ist auch eine Frage der Gerechtigkeit.“ ▪