Vertrauen in die deutsche Expertise

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien kommt in Russland noch nicht recht in Schwung. Dennoch werden Deutschlands Erfahrungen besonders geschätzt.

dpa/Ekaterina Shtukina

Sie gilt als die größte Investition eines deutschen Unternehmens im Jahr 2016 in Russland: Für 35 Millionen Euro hat der Pumpenhersteller Wilo im Moskauer Umland eine neue Fabrik auf einem fast acht Fußballfelder großen Gelände errichtet. Moderne, intelligente und effiziente Pumpentechnologie werde man dort produzieren, kündigte das Dortmunder Unternehmen an, das bereits seit 1992 in Russland aktiv ist. Für die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen auf dem Gebiet der Energieeffizienz ist das eine gute Nachricht. Kristina Haverkamp, Geschäftsführerin der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), sieht sich darin bestätigt, dass „das Interesse an deutschen Energieeffizienztechnologien in Russland ausgeprägt“ sei. Geschätzt würden beispielsweise die Erfahrungen, die Deutschland nach der Wiedervereinigung bei der Sanierung von Plattenbausiedlungen in den neuen Bundesländern gesammelt habe. Ein wichtiger Punkt ist die energieeffiziente Modernisierung der Prozesskette: von der Strom- und Wärmeerzeugung über die Verteilnetze und das Gebäude bis zum Endverbraucher.

Erst im September 2016 hat Russland eine Roadmap zur Energieeffizienz in Gebäuden verabschiedet. Bis zum Jahr 2025 will das Land demnach 25 Prozent weniger Energie verbrauchen als 2015. Das klingt ambitioniert, das Manko daran: Es mangelt an konkreten Maßnahmen. Und es fehlt an föderalen Anreizprogrammen, die Energieeffizienz zu steigern. Staatliche Finanzierungsinstrumente sind auch für die Förderung der erneuerbaren Energien nicht in Sicht. „Das Ziel Russlands beim Ausbau der erneuerbaren Energien ist wenig ehrgeizig“, konstatiert dena-Geschäftsführerin Kristina Haverkamp. So solle der Anteil der Stromerzeugung von Wind- und Solarenergie, Biogas und Biomasse bis zum Jahr 2020 nur auf bescheidene zwei Prozent steigen. Die russische Wirtschaft, so Haverkamp, baue auf fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas auf, verfüge darüber im Überfluss und richte dementsprechend die Energieversorgung aus. „Das Bewusstsein, die fossilen Energieträger in Zukunft zu ersetzen, ist noch nicht so vorhanden“, sagt Haverkamp. Nur für entlegene Regionen wie Sibirien und den russischen Fernen Osten suche die russische Seite dringend Lösungen zur dezentralen Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energie.

Zweifel und Zukunftshoffnungen

Einen ähnlichen Schluss zieht auch die Konrad-Adenauer-Stiftung in der Studie „Emissionsreduzierung weltweit“ und nennt weitere Gründe, warum der Ausbau der Erneuerbaren in Russland noch nicht recht in Schwung kommt. So würden Unternehmen Investitionen in neue Technologien scheuen, da dies die Gewinne schmälern würde. „Gesetze, die den Einsatz emissionsreduzierender Technologien vorschreiben, würden sie deshalb ablehnen“, analysieren die Autoren der Studie. Das mangelnde Interesse liege auch daran, dass in Russland der menschengemachte Klimawandel als nicht belegt gelte.

Klar wird aus der Studie aber auch, dass Deutschland als geeigneter Kooperationspartner gilt. „Deutschland führt im Bereich Umwelt- und Energietechnik und wäre der beste Partner“, wird ein Wirtschaftsvertreter zitiert. Ein Wissenschaftler erklärte, dass Deutschland ein Land sei, mit dem Russland im Bereich des Klimaschutzes sehr gut zusammenarbeiten könne. Das mag auch daran liegen, dass manche deutschen Unternehmen in Russland zugleich viel Wert auf Bildung legen. So bietet zum Beispiel das fränkische Unternehmen Knauf Gips, ein seit Anfang der 1990er-Jahre auch in Russland angesiedelter Hersteller von Baustoffen auf Gipsbasis, Programme in der Berufsausbildung an oder erstellt Unterrichtsmaterial für Hochschulen in Sachen Energieeffizienz für Gebäude.