Das Herz des Klimaschutzes

Der Climate Tower, ein neues Hochhaus in Bonn, dient als Hauptsitz des UN-Klimasekretariats. Was ihn so besonders macht.

Der Climate Tower in Bonn
Der Climate Tower in Bonn Thomas Kölsch

Der erste Eindruck des Climate Towers ist der eines futuristischen Riesens aus Glas. Zugegebenermaßen eines eher kleinen Riesens: 65 Meter reichen in Bonn zwar für einen Platz unter den zehn höchsten Gebäuden der ehemaligen Bundeshauptstadt, aber schon der benachbarte „Lange Eugen“, einst Abgeordnetenhaus des Bundestages, heutes Sitz mehrerer Organisationen der Vereinten Nationen (UN), überragt den neuen Hauptsitz des UN-Klimasekretariats (UNFCCC) fast um das Doppelte. Im Vergleich zu den Wolkenkratzern am United Nations Plaza in New York ist das im Februar 2022 fertiggestellte Hochhaus unspektakulär. Dennoch geht der Blick unweigerlich an der glitzernden Fassade nach oben, die bei schönem Wetter das Grün des Siebengebirges spiegelt und das Blau von Himmel und Rhein.

Der idyllische Blick aus den bodentiefen Fenstern ist es auch, der den Climate Tower für viele der rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des UNFCCC in Bonn zu etwas Besonderem macht. Seit Mai 2022 bietet das Bürogebäude Platz für rund 300 von ihnen. Die Angestellten fühlen sich wohl im Climate Tower, auch wenn aufgrund der hybriden Arbeitsweise seit Beginn der Corona-Pandemie vor allem in den offenen Büroteilen noch längst nicht jeder Platz besetzt ist. „Früher waren wir über mehrere Gebäude verstreut“, erzählt Megumi Endo, Programme Officer beim UNFCCC, „jetzt sind wir zumindest in Gehweite zueinander.“ Das führt zu mehr direkter Kommunikation, mitunter kürzeren Dienstwegen und vor allem zu einem besseren Miteinander. „Allein für die zahlreichen großen und kleinen Konferenzen, die wir hier in Bonn ausrichten, ist dies auf jeden Fall von Vorteil.“

Der Climate Tower in Bonn
Der Climate Tower in Bonn Thomas Kölsch

Außerdem haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt immer vor Augen, wofür sie kämpfen. Und wogegen. „Mich fasziniert beim Blick aus dem Fenster nicht nur der wunderschöne Rhein“, sagt UNFCCC-Sprecher Alexander Saier bei einem Rundgang durch das Gebäude, „sondern auch die Kohleschiffe, die immer wieder hier vorbeifahren und genau jene Rohstoffe transportieren, deren Abbau und Verbrennung wir zum Schutz unserer Erde eigentlich beenden müssen. Das Bild spricht in meinen Augen Bände.“

Nicht nur durch die Aussicht wirkt der Climate Tower von Innen grüner als von außen. Die Architekten, die das 75 Millionen Euro teure Gebäude entwarfen, haben auch Wert darauf gelegt, die Natur ins Haus zu holen: Anstelle von Eckbüros haben sie an insgesamt vier Stellen zweigeschossige kleine Wintergärten angelegt, die geschickt begrünt wurden, gleiches gilt für das Atrium. „Dadurch und durch die kräftigen Farben des Teppichs und einiger Wände und Schränke scheint das Gebäude lebendig zu werden“, sagt Grace Ann Smith, Protocal and External Relations Assistant beim UNFCCC und eine derjenigen Mitarbeiterinnen, die ihre Büros besonders wohnlich eingerichtet haben. „Das empfinde ich als ungeheuer wichtig, immerhin verbringen wir einen Großteil unserer Zeit hier, während wir etwas tun, von dem wir voll und ganz überzeugt sind. Das kann in meinen Augen nur dann wirklich gelingen, wenn wir uns im Gebäude auch wohlfühlen.“

Seit 1996 ist das UNFCCC als größtes UN-Sekretariat in Bonn angesiedelt, bis heute ein enormer Erfolg für die Stadt und nach Ansicht des ehemaligen Botschafters und UN-Beraters Harald Ganns einer der zentralen Gründe dafür, dass die Vereinten Nationen mit demnächst immerhin 27 Sekretariaten am Rhein versammelt sind. „Bei der Wahl des Sitzes konnte sich Bonn 1995 immerhin gegen Metropolen wie Genf und Toronto durchsetzen“, erinnert er sich. „Das hatte Signalwirkung. Ich bezweifle, dass wir heute so selbstbewusst als wichtige UN-Stadt mit einem klaren Nachhaltigkeitsschwerpunkt auftreten könnten, wenn wir zu jener Zeit das Klimaschutz-Sekretariat nicht nach Bonn hätten locken können.“ Seitdem werden von Bonn aus unter anderem die UN-Klimakonferenzen (COP) rund um den Globus organisiert und die von den Vertragsparteien vorgelegten Informationen und Daten zum Klimawandel analysiert und überprüft.

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