Jetzt kommt die „maritime Müllabfuhr“

Ein Münchner Unternehmer hat dem Plastikmüll in den Meeren den Kampf angesagt. In Asien kommt sein Konzept schon zum Einsatz. Wie funktioniert das? 

Falterfische, Korallen – und eine Plastiktüte
Falterfische, Korallen – und eine Plastiktüte Tunatura/stock.adobe.com

Als der Münchner IT-Unternehmer und passionierte Segler Günther Bonin vor zehn Jahren ein Boot von Vancouver nach San Diego überführte, und sich auf hoher See in einem riesigen Müllteppich wiederfand, hat’s ihm gereicht. „Es kann doch nicht sein, dass wir die Meere als Nahrungslieferant nutzen und sie gleichzeitig zur Kloake machen“, sagte er sich, gründete den Verein „One Earth – One Ocean“ und entwickelte das Konzept der „maritimen Müllabfuhr“.

Günther Bonin, Gründer von „One Earth – One Ocean“
Günther Bonin, Gründer von „One Earth – One Ocean“ One Earth – One Ocean

Inzwischen ist aus der hehren Idee ein Riesen-Projekt geworden. Günther Bonin stellt gerade die Machbarkeitsstudie für ein großes Containerschiff fertig. An Bord des „SeeElefanten“ soll in naher Zukunft auf dem Meer eingesammelter Plastikmüll sortiert, zerkleinert, dem Recycling zugeführt oder durch Erhitzung verflüssigt und so zu schwefelfreiem Heizöl umgewandelt werden. Das Schiff ist eins von vier Modellen: Der „Seehamster“, ein kleiner Katamaran mit vier Metern Länge und zwei Metern Breite, ist die kleinste Einheit zur Reinigung von Binnengewässern. Die „Seekuh“, ein 12 mal 10 Metern großer Katamaran, wird in Buchten, Flussmündungen und Küstenabschnitte eingesetzt. Und ein weiterer Katamaran namens „SeeFarmer“ soll die vollen Netze einsammeln und zum Energieschiff „SeeElefant“ bringen.

Mit dem „SeeElefanten“ lässt sich nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch Geld verdienen.

Günther Bonin, Gründer von „One Earth – One Ocean“

Die beiden kleineren Modelle sind bereits im Einsatz. Ein „SeeHamster“ reinigt seit einem Jahr in Kambodscha Gewässer, die in den Mekong fließen, eine „SeeKuh“ war 2018 für ein halbes Jahr in Hongkong. Asien gilt als die am stärksten mit Plastikabfällen verschmutzte Region weltweit. Die größten Mengen werden durch Flüsse ins Meer geschwemmt – und die meisten von ihnen liegen in Asien. Günther Bonin ist Geschäftsmann genug, um zu wissen, dass sein Projekt ohne Anreize langfristig nicht funktioniert. „In Kambodscha arbeiten die Menschen für ein Mittagessen mit“, sagt Bonin, „das ist dort durchaus ein Argument.“ Einige Nummern größer soll es in anderen Ländern ausfallen. Daher hat er für kommerzielle Anbieter in großen asiatischen Städte wie Hongkong und Singapur Business-Pläne entwickelt. Denn: Mit dem „SeeElefanten“ lässt sich nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch Geld verdienen. „An Bord des Containerschiffes können jeden Tag 200 Tonnen Kunststoffe in schwefelfreies Heizöl umgewandelt werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich das durchsetzt.“

Auf dem „SeeElefanten” kann Plastikmüll in großen Mengen zu Heizöl umgewandelt werden
Auf dem „SeeElefanten” kann Plastikmüll in großen Mengen zu Heizöl umgewandelt werden
One Earth – One Ocean

„Mich freut, dass die Menschen merken, dass es keine Science Fiction ist, die ich mir ausgedacht habe“, sagt Bonin, „sondern dass das Konzept in der Realität funktioniert.“ Aber wird ihm vor dem Hintergrund der alarmierenden Zahlen, dass bereits mehr als 140 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren schwimmen und jedes Jahr etwa 8 Millionen Tonnen hinzukommen, nicht Angst und Bange? „Natürlich brauchen wir eine politische und internationale Regelung“, sagt Bonin, „aber man muss auch mal anfangen. Und wenn sich die Geschäftsidee erst mal durchsetzt, können wir viel erreichen.“

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