Asien-Pazifik ist Trumpf

Ein Interview mit Sanjeev Gandhi, Vorstandsmitglied von BASF, über die Frage, wie viel Asien-Pazifik schon in dem deutschen Weltkonzern steckt.

Sanjeev Gandhi, im Vorstand von BASF verantwortlich für Asien-Pazifik
Sanjeev Gandhi, im Vorstand von BASF verantwortlich für Asien-Pazifik BASF SE

Herr Gandhi, BASF gilt als der deutsche Konzern, der am stärksten auf Asien-Pazifik setzt. Sie verantworten diesen Bereich seit 2015. Wie hat sich das Geschäft entwickelt?

Asien ist der Wachstumstreiber der Weltwirtschaft. Das gilt auch für die Chemieindustrie. Schon heute kommt über die Hälfte der weltweiten Nachfrage nach chemischen Produkten aus Asien, und diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. Unser Engagement in Asien reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück, seit über 130 Jahren sind wir beispielsweise in China, seit 125 Jahren in Indien aktiv. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben wir über 13 Milliarden Euro in Asien-Pazifik investiert, weitere 3 Milliarden sind für die nächsten Jahre geplant. Durch das frühe und entschlossene Engagement sind wir gut im Markt aufgestellt: Heute ist BASF das einzige westliche unter den zehn größten Chemieunternehmen in Asien.

BASF-Standort Nanjing, China
BASF-Standort Nanjing, China BASF SE

Wir betreiben mehr als 100 Produktionsstandorte in 17 Ländern, darunter zwei unserer weltweit sechs integrierten Verbundstandorte - den einen zusammen mit unserem chinesischen Partner Sinopec in Nanjing, den anderen in Kuantan, gemeinsam mit unserem malaysischen Partner Petronas. Im vergangenen Jahr lag unser Umsatz in der Region bei rund 12 Milliarden Euro; Asien-Pazifik ist damit für rund 20 Prozent des Konzernumsatzes verantwortlich. Diesen Anteil wollen wir weiter steigern.

Asien-Pazifik ist schon für ein Fünftel des Konzernumsatzes verantwortlich.

Ein neuer Innovation Campus in Mumbai, ein neues Automotive Application Center in Shanghai - in welchen Ländern und auf welchen Geschäften liegen die Schwerpunkte in der Region?
Die Märkte in der Region sind sehr unterschiedlich. Asien-Pazifik umfasst hoch entwickelte Länder wie Australien, Japan und Korea, schnell aufstrebende Länder wie China und Indien sowie Schwellenländer vor allem im ASEAN-Raum. In allen Ländern sind wir aktiv, verfolgen aber lokal durchaus unterschiedliche Strategien, um den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden. China ist der mit Abstand größte Markt; rund die Hälfte des Umsatzes in Asien Pazifik erzielen wir dort. Innerhalb des BASF-Konzerns ist China nach Deutschland und den USA inzwischen der drittgrößte Absatzmarkt. 

Wesentliches Element unser Wachstumsstrategie in der Region ist es, die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten zügig auszubauen, um den spezifischen Anforderungen des Marktes und unserer Kunden in Asien gerecht zu werden. Mit unserem Innovation Campus in Shanghai, dem neuen Innovation Campus in Mumbai, sowie weiteren Forschungseinrichtungen in Japan und Korea sind wir bestens aufgestellt. Allein in unsere R&D Standorte in Shanghai und Mumbai haben wir in den vergangenen Jahren rund 200 Millionen Euro investiert.

BASF ist in Asien-Pazifik auch in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv – zum Beispiel bei der Produktion von nachhaltig zertifiziertem Kokosöl in Indonesien. Was ist der Antrieb?

BASF ist einer der größten Verarbeiter von Palmprodukten weltweit. Wir glauben, dass nachhaltig hergestelltes Palmöl möglich ist. In Indonesien beispielsweise arbeiten BASF und der deutsche Konsumgüterhersteller Henkel zusammen mit der Entwicklungsorganisation Solidaridad an einem Projekt, das gezielt Kleinbauern und lokale Initiativen in der Provinz West-Kalimantan unterstützt. Durch das Projekt werden nachhaltige Lieferketten für Palm- und Palmkernöl aufgebaut, die zum einen die Lebensbedingungen der Bauern verbessern, zum anderen die Kriterien für nachhaltig hergestelltes Palmöl erfüllen. Dieses ist aber nur eines von vielen Beispielen, wie wir uns in den Ländern, in denen wir aktiv sind, lokal engagieren.

Sie kommen aus Indien, BASF rekrutiert hochqualifiziertes Personal in Asien-Pazifik und will bis 2020 rund 75 Prozent der in der Region verkauften Produkte auch dort herstellen. Wie viel Asien-Pazifik steckt schon in dem deutschen Weltkonzern BASF?
Für BASF war immer klar, dass wir im asiatischen Markt nur mit einer starken Präsenz vor Ort erfolgreich sein können. Dies gilt für die Produktion und den Vertrieb ebenso wie für die Forschung. In 17 Ländern der Region haben wir eigene Landesgesellschaften, im letzten Jahr haben wir unser Büro in Myanmar eröffnet. Ich selbst sitze in Hong Kong, unserem regionalen Hauptsitz für Asien Pazifik. Wir beschäftigen bereits heute mehr als 18.000 Mitarbeiter in der Region, rund 1000 neue Mitarbeiter rekrutieren wir jedes Jahr. Unsere Forschungszentren wollen wir in den nächsten Jahren kräftig ausbauen, langfristig sollen 25 Prozent der globalen BASF-Forschung in Asien stattfinden.

Zuletzt eine persönliche Frage: Sie kamen als 27-Jähriger zu BASF nach Ludwigshafen und wurden kürzlich von einem deutschen Wirtschaftsmagazin als „Mächtigster Wirtschaftslenker mit indischen Wurzeln“ vorgestellt. Welche Erfahrung, welchen Rat können Sie indischen bzw. asiatischen Talenten mit auf den Weg geben, die bei einem deutschen Unternehmen Karriere machen wollen?

Ein Patentrezept gibt es nicht. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Wichtig ist die Bereitschaft, offen zu sein für andere Kulturen und Denkweisen. Ich empfehle, Grundkenntnisse der deutschen Sprache zu erlernen. Das erleichtert die Kommunikation, besonders im privaten Umfeld. Ich habe in vielen Ländern gelebt und gearbeitet, in Deutschland, Japan, China und Indien. Wenn man sich mit Herz und Verstand auf die neue Umgebung einlässt und auf die Menschen zugeht, lassen sich meiner Erfahrung nach kulturelle Hürden leicht überwinden. Im Falle von Deutschland hat sich für mich zudem bewährt, Dinge klar beim Namen zu nennen. Das wird in Deutschland sehr geschätzt.

Interview: Martin Orth

Sanjeev Gandhi wurde 1966 in Mumbai, Indien, geboren und erlangte im Jahr 1989 seinen Bachelor in Chemical Engineering sowie seinen Master in Business Administration (Marketing) an der Universität in Pune/Indien im Jahr 1991. Seit 1993 ist er bei BASF, seit 2014 Mitglied des Vorstands.