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Starker Auftritt

Die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen boomen.

27.12.2012
© MAN Truck & Bus AG

Der Glanz kommt aus der Türkei. So lässt sich eine der jüngsten Innovationen des deutschen Nutzfahrzeugherstellers MAN umschreiben. Im Juli 2012 hat das Unternehmen in Ankara die weltweit modernste, 15 Millionen Euro teure Anlage für Kathodische Tauchlackierung (KTL) in Betrieb genommen. Sämtliche Busse der beiden Firmenmarken MAN und NEOPLAN werden nun in Ankara beschichtet. Scheinbar schwerelos gleiten die Karosserien durch die Werksräume und tauchen für den Korrosionsschutz in verschiedene Becken ein. MAN setzt mit der neuen, vollautomatisierten Anlage nicht nur auf Hightech, sondern auch auf Umweltfreundlichkeit: Als Lösungsmittel wird überwiegend Wasser verwendet.

Mit seiner Innovation verbindet MAN Türkei Moderne und Tradition; bereits 1967 rollte der erste MAN-Lkw in Istanbul vom Band. Auch das Engagement des Autobauers Daimler (Mercedes-Benz) hat in der Türkei Vergangenheit und Zukunft. So besteht etwa das wichtige Werk in Aksaray bereits seit 1986, anlässlich der Feier zum 25. Jubiläum betonte Daimler-Vorstand Andreas Renschler: „Der Standort Aksaray ist heute eine wichtige Säule für Mercedes-Benz Trucks. Insgesamt haben wir in den letzten 25 Jahren bereits 230 Millionen Euro in dieses Werk investiert – und in den kommenden Jahren werden wir weitere 130 Millionen Euro drauflegen.“

Die hohen Zahlen passen zu den deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen: Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Türkei – und mit einem Investitionsvolumen von nahezu 8,9 Milliarden US-Dollar seit 1980 der größte ausländische Investor in dem Land. Dabei haben die seit den 1960er-Jahren in der Türkei produzierenden Firmen MAN und Daimler das Bild der Wirtschaftsbeziehungen mitgeprägt.

Doch das Bild wird vielfältiger. Rund 4800 in der Türkei tätige Unternehmen stammen entweder aus Deutschland oder weisen deutsche Kapitalbeteiligung auf. Im Gegenzug beschäftigen rund 75000 türkischstämmige Unternehmer in Deutschland etwa 370000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 35 Milliarden Euro.

Innerhalb des deutschen Engagements in der Türkei ist Industrie nur eine Säule; auch der Vertrieb sämtlicher Produkte ist wesentlich. Einzel- und Großhandelsbeteriebe sind zahlreich vertreten; der deutsche Handelsriese Metro Group verzeichnet in der Türkei seit 2007 ein jährliches Umsatzwachstum von knapp 20 Prozent. Auch die unterschiedlichsten deutschen Dienstleister sind mittlerweile in der Türkei präsent, etwa das erfolgreich wachsende IT-Unternehmen BTC aus Oldenburg, das in der Türkei mittlerweile rund 100 Angestellte beschäftigt. Dabei profitiert BTC von einem der großen Trümpfe der türkischen Wirtschaft: der hohen Zahl an gutqualifizierten Nachwuchskräften.

Die türkische IT-Branche floriert: Für die Jahre 2012 bis 2014 werden Wachstums-raten von rund 14 Prozent jährlich erwartet – ein Spitzenwert in einem grundsätzlich boomenden Land. Das türkische Bruttoinlandsprodukt wuchs in den Jahren 2010 und 2011 um jeweils rund neun Prozent. Auch wenn für 2012 und 2013 nur noch rund drei Prozent Wachstum erwartet werden: Das „türkische Wirtschaftswunder“ ist auch in Deutschland längst Thema, wahlweise schreiben deutsche Medien auch vom „Powerhouse Europas“ oder dem „neuen China“.

Der starke Partner Türkei hat seinen Anteil an den erfolgreichen deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen. Das bilaterale Handelsvolumen der beiden Länder erreichte 2011 einen neuen Rekordwert von 31,44 Milliarden Euro. Mit dem Erstarken der erneuerbaren Energien in der Türkei, der entsprechenden deutschen Expertise und dem Interesse der großen Energieversorger Eon und RWE am türkischen Markt deutet sich schon das nächste große Wachstumsfeld an.

Johannes Göbel