Zwei Karrieren, ein Ziel: Leben retten
Ein Kardiologe aus der Demokratischen Republik Kongo und eine Pflegekraft aus Namibia erzählen, wie sie in Deutschland arbeiten – und was sie bewegt.

Als Claude Tschibangu Lukusa vor fast 25 Jahren aus der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) nach Deutschland kam, reiste er in ein Land voller Licht, so erinnert er sich. Ein Land, in dem die medizinischen Standards hoch waren – und in dem er heute als Kardiologe jeden Tag Menschen hilft, die zum Beispiel wie einst sein Vater einen Herzinfarkt erlitten haben. „Hätten wir im Kongo die medizinische Versorgung wie in Deutschland, hätte man ihn vermutlich retten können“, sagt Lukusa.

Damit sich die Möglichkeiten in seinem Heimatland verbessern, kümmert er sich neben seiner Arbeit als Oberarzt im Sana-Herzzentrum in Cottbus um ein besonderes Projekt: Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, „gute Medizin aus Deutschland in den Kongo zu bringen“. Denn: „Wir müssen lernen, gerecht zu teilen, was wir haben.“ Lukusa geht es auch ums Teilen von Wissen; an der University of Mbuji Mayi in der DR Kongo lehrt er Medizin. Und er träumt davon, in der Millionenstadt eine Herzklinik zu eröffnen.
Herzmedizin für die Zukunft: Projekt in der DR Kongo

Dem ist er mit der dortigen Gründung einer kardiologischen diagnostischen Praxis, in der heute drei Ärzte arbeiten, schon etwas nähergekommen. Vier bis sechs Wochen im Jahr verbringt Lukusa in der DR Kongo. Das Sana-Herzzentrum unterstützt ihn dabei mit zusätzlichem bezahltem Urlaub. Auch medizinische Geräte, die in Deutschland ausrangiert werden, bekommt Lukusa von der Klinik. In der Praxis sind dadurch Untersuchungen wie EKG oder Herzultraschalle möglich. Lukusa ist 57 Jahre alt. Wenn er in Deutschland in ein paar Jahren in Rente geht, möchte er etwas mehr Zeit in der kongolesischen Praxis verbringen.

Der Weg in die deutsche Kardiologie
Sein akademisches Wissen hat er einst beim Medizinstudium in Sankt Petersburg erworben. Dort lernte er auch seine Frau kennen, eine Deutsche. „Durch die Liebe bin ich 2001 nach Deutschland gekommen.“ Deutsch sprach er damals nicht. Lukusa lernte die Sprache und arbeitete bei einem ambulanten Pflegedienst. Nachdem er auch eine Sprachausbildung für Mediziner absolviert hatte, machte er ein Praktikum in der Neonatologie, Lukusa wollte Kinderarzt werden. Doch anders als sein russischer Uni-Abschluss wurden seine Qualifikationen, die er in der Kinderheilkunde bereits erworben hatte, in Deutschland nicht anerkannt. Sein Karriereweg führte ihn so in die Innere Medizin und Kardiologie. Für ihn eine Chance, Menschen mit Herzkrankheiten die Behandlung zu ermöglichen, die sein Vater in der DR Kongo nicht hatte.
Als Pflegekraft von Namibia nach Deutschland

Leontine Kunyanda Shikukutu aus Namibia steht anders als Lukusa noch am Anfang ihrer Karriere in der Medizin. Seit etwas mehr als einem Jahr lebt sie in Deutschland und arbeitet am Universitätsklinikum Essen. In ihrer Heimat hat Shikukutu sich zur Pflegekraft ausbilden lassen. Eigentlich wollte sie Ärztin werden, doch sie konnte sich das teure Medizin-Studium damals nicht leisten. Stattdessen machte sie einen Bachelor in Nursing Science Clinical Honors.
Karriere im Gesundheitssektor in Deutschland
Kurze Zeit nach ihrem Abschluss kam die 26-Jährige mithilfe der Vermittlungsagentur Talent Orange nach einem mehrmonatigen Sprachkurs 2024 nach Essen. „Ich habe immer davon geträumt, einmal ins Ausland zu gehen“, sagt Shikukutu. „Ich wollte mich im medizinischen Bereich weiterentwickeln, Deutschland ist der beste Ort dafür.“ Im Klinikum wurde sie einer Station zugewiesen, die auf Knochenmarktransplantationen (KMT) spezialisiert ist. „Das war wie ein Zeichen für mich.“
Der Traum, Krebspatienten zu helfen
In Namibia hatte Shikukutu bei der Pflege ihrer Tante geholfen, die an Leukämie erkrankt war; sie starb zwei Jahre nach der Diagnose. „Wir haben viel über meine Karriere gesprochen, meine Tante war stolz auf mich, weil ich immer Klassenbeste war.“ Wenn sie heute auf der KMT-Station mit Krebspatientinnen und -patienten arbeitet, fühlt sie sich ihrer Tante nahe. Shikukutu träumt davon, einen Master in Medizinischer Physik zu machen, danach vielleicht sogar einen Doktor. „Ich möchte auch in Zukunft Krebspatienten helfen.“ Doch zuerst steht im Herbst noch die letzte Prüfung zur Anerkennung ihres Abschlusses aus Namibia an.
Leben in Deutschland: Zwischen Klinik, Sport und Freundschaften
Shikukutu würde gerne in Deutschland bleiben. „Ich war überrascht, wie grün es hier ist“, sagt sie. Vor allem aber verbringt sie ihre Freizeit beim Sport, im Fitnessstudio und in ihrem Volleyballverein, mit dem sie in der Bezirksliga spielt. Neben ihren Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus war es auch dieses Team, das ihr half, ihr Deutsch zu verbessern. Doch schon in ihrer Heimat war für Shikukutu durch das Volleyballspielen ein Kontakt nach Deutschland entstanden: Über das Hobby lernte sie eine Deutsche kennen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in Namibia machte. In Deutschland trafen sie sich wieder; die Freundin lud Shikukutu ein, Weihnachten mit ihr und ihrer Familie zu feiern. „Ich hatte sehr viel Glück“, sagt Shikukutu, die neben solchen Freundschaften ihre hilfsbereiten Kolleginnen und Kollegen in der Klinik schätzt und noch etwas anderes: „In Deutschland weiß ich, dass ich Rechte habe, egal ob ich Deutsche oder Ausländerin bin oder welche Farbe meine Haut hat. Das ist sehr wichtig für mich.“
Vorsicht vor unseriösen Angeboten
Leider gibt es – vor allem in den sozialen Medien – viele zweifelhafte Angebote zur Vermittlung von Fachkräften. Sie beinhalten oft versteckte Kosten und machen unrealistische Versprechungen. „Make it in Germany“ hat Informationen zusammengestellt, die dabei helfen, vertrauenswürdige Anbieter zu erkennen. Talent Orange und andere seriöse Vermittler tragen das staatliche Gütesiegel „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“, an dem man sich ebenfalls orientieren kann.